Suchen

Champ Cherokee

Italien, 1972

  • Originaltitel: Un uomo dalla pelle dura
  • Alternativtitel:

    Los largos días de la violencia (ESP)

    Fäuste aus Stein

    Murder in the Ring

    Counter Punch

    The Boxer

  • Regisseur: Franco Prosperi
  • Kamera: Gábor Pogány
  • Musik: Carlos Pes
  • Drehbuch: Lucio Battistrada, Adriano Bolzoni, Armando Crispino, Don Carlos Dunaway
  • Inhalt:

    Der sehr durchschnittliche Boxer Teddy “Cherokee” Wilcox (Robert Blake) wird von seinem Manager betrogen. Er haut dem Schurken eine rein und fährt quer durchs Land in eine andere Stadt, wo er seinen alten Freund Mike (Orazio Orlando) besucht. Dieser wiederum macht ihn mit dem Box-Manager Nick (Gabriele Ferzetti) bekannt, und unter Nicks Fittichen wird Teddy ein guter Boxer mit einer gewissen Aussicht auf eine Karriere. An diesem einen Abend allerdings soll er den Kampf verlieren. Er boxt sich (gewissermaßen) durch, gewinnt den Kampf, und schwört dass er Nick beim nächsten Treffen töten wird. Nick wird tatsächlich erschlagen, und Teddy ist folglich der Hauptverdächtige. Nun hat er also die Polizei in Gestalt des Eisenfressers Captain Perkins (Ernest Borgnine) auf den Fersen, und muss gleichzeitig den wahren Mörder Nicks finden. Was sich nicht so einfach gestaltet, immerhin sucht dieser Mörder anscheinend auch ihn…

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Ich bin kein Freund von Boxfilmen. Dass sich Männer gegenseitig zu Krüppeln schlagen (und sei es auch „nur“ psychisch), nur um zu sehen wer der Stärkere ist, das halte ich für extrem schwachsinnig (übrigens auch außerhalb der Filmwelt). Die gute Nachricht ist nun, dass a) der Boxanteil bei CHAMP CHEROKEE recht gering ist und b) durch Einsatz einer extrem nahen Handkamera sehr dynamisch und spannend rüberkommt. Die schlechte Nachricht? Schauen wir mal …

     

    Der einstige Kinderstar Robert Blake wird erstmal als ziemlich aufbrausendes und unsympathisches Arschloch eingeführt. Gut, im Laufe des Films hat er Möglichkeiten einige Sympathiepunkte einzufahren, aber so ein richtiger Everybody’s Darling à la Rocky wird er einfach nicht. Gerade im Vergleich zu Rocky stinkt er mit seinen überflüssigen Pfunden und der Kleiner-Gauner-Visage einfach ab. Aber gut, bis zu Rocky ist es noch ein paar Jahre hin, und Franco Prosperi ging es auch nicht wirklich um einen Boxer-Film, sondern eher um einen Krimi im Box-Milieu.

     

    Zum Stichwort Krimi, im italienischen Sprachgebrauch also Giallo, fallen dann die merkwürdig anbiedernden Mordszenen mit schwarzem (Einzahl!) Handschuh auf. Gialli waren 1972 mega-in, also musste hier der Handschuh einfach sein, wenngleich keine anderen Standardzutaten wie Nuditäten oder sadistische Schlitzereien zu sehen sind. Hätte aber auch nicht gepasst, genauso wenig wie aber der eine Handschuh wirklich zum Film passt.

     

    Was ebenfalls auffällt ist, dass der tatsächliche Strippenzieher im Hintergrund sehr schnell erraten werden kann. Schade eigentlich, dass nimmt der Sache doch einiges an Tempo und Spannung, denn Robert Blake alleine kann den Film nicht tragen, seine Sidekicks Orazio Orlando (eine farblose Kreuzung aus Richard Harrison und Claudio Casinelli) und Catherine Spaak (völlig unauffällig und verschenkt) genauso wenig, und die etwas wirre Handlung wird nicht mit dem notwendigen Elan vorangetrieben. Zwar gibt es hier und da ein paar Schlägereien oder Morde, aber so richtige Knallbonbons sind das irgendwie nicht. Einzig die Schlussprügelei zwischen dem Boxer Teddy und dem Wrestler Ching (Emilio Messina) macht ziemlich Laune, aber da ist es auch schon zu spät.

     

    Ja, der Schluss. Was soll man dazu sagen? Bei der Erwähnung von gleich 4 Drehbuchautoren (Lucio Battistrada, Adriano Bolzoni, Armando Crispino, Don Carlos Dunaway) zeigt sich mal wieder, dass viele Köche doch den Brei verderben (können). Irgendeiner von denen hat den Schluss geschrieben, ohne allerdings den Rest der Geschichte zu kennen. Schade eigentlich, denn wenn der Film damit geendet hätte dass der Killer den Raum verlässt, wäre der Schluss ziemlich gut gewesen und hätte den Film auch gehörig aufgewertet. Aber allein das Drehen der Schlusseinstellung sollte mit Ansehen von Sportfilmen unter verschärften Bedingungen nicht unter 4 Stück geahndet werden. Und der Einsatz von 4 Autoren erklärt dann auch, warum die Geschichte immer wieder hin- und herhüpft und die Charaktere auch nicht stringent angelegt sind - Gabriele Ferzetti zum Beispiel wird als knallharter Boxmanager eingeführt und mutiert innerhalb kürzester Zeit zur überaus sympathischen Vaterfigur. 

     

    Und dann rennt ja auch noch Tomas Milian durch den Film, immerhin der Grund warum ich mir das Teil zugelegt habe. Milian hat leider erheblich zu wenig Screentime, denn seine Gegenwart wertet den Film schon ziemlich auf. Er wirkt hier mit seinem Hippie-Outfit ein klein wenig wie Toni Maroni, aber nicht als Clown sondern cool, leise und sehr gefährlich. Seine Ausstrahlung ist stahlhart und sorgt für sehr intensive Momente, aber leider leider sind dieser Momente zu wenig. Trotzdem ein starker Auftritt, der Milian-Fans glücklich machen dürfte.

     

    Was bleibt schlussendlich in Erinnerung? Ein etwas dahinplätschernder Krimi im Box-Milieu, der schwache Figuren und eine recht sprunghafte Handlung mit sehr amerikanisch wirkenden Bildern hat. Aber wenn man die Ansprüche niedrig genug hängt wird man auf jeden Fall ganz gut unterhalten. Kein Film der auf DVD erscheinen muss, aber ganz nett…

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.