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Catch As Catch Can

Italien, 1968

  • Originaltitel: Lo scatenato
  • Alternativtitel:

    Agarre Como Puder Agarrar (BRA)

    El bello Giorgio (ESP)

    O Animal (POR)

    The Unchained

    Tutti frutti

  • Regisseur: Franco Indovina
  • Kamera: Aldo Tonti
  • Musik: Luis Bacalov
  • Drehbuch: Tonino Guerra, Franco Indovina, Luigi Malerba
  • Inhalt:

    Bob ist ein Werbestar, der für alle großen und berühmten Marken schon mal sein Gesicht in die Kamera gehalten hat. Allerdings beginnt er schön langsam verrückt zu werden, denn er glaubt dass ihm Tiere aller Art ans Leder wollen. Vor allem eine kleine Fliege hat es auf ihn abgesehen, die ihn die meiste Zeit über verfolgt. Bob versucht nun alles Mögliche um seinen Verfolgungswahn wieder los zu werden. Dabei trifft er unter anderem auf einen Polizeikommissar, der ein ähnliches Leiden zu haben scheint, verrückte Wissenschaftler und natürlich jede Menge gefährliche Tiere, oder Menschen, die glauben welche zu sein.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Bob Chiaramonte, dargestellt vom großartigen Vittorio Gassman, ist ein Werbestar, er bekommt ausgezeichnete Aufträge von großen Marken wie Rolex oder Cafe Haag, hat eine schöne Wohnung und eine hübsche Freundin. Alles scheint perfekt bis der arme Bob schön langsam beginnt seinen Verstand zu verlieren, da er denkt, dass alle möglichen Tiere ihn an den Kragen wollen. Um Hilfe zu bekommen wendet er sich an einer Stelle an einen deutschen Wissenschaftler, gespielt von Jacques Herlin, der auch gleich ein Buch bereit hält welches Antworten auf alle Fragen und Probleme der Menschheit parat hält: Adolf Hitlers "Mein Kampf" ("Herr Chiaramonte, laufen Sie nicht weg. Nehmen Sie das Buch. Sie können hier alles finden"). Bobs Manager wird gespielt von Massimo Serato, der in Elio Petris "La decima vittima" (Das 10. Opfer) bereits eine ähnliche Rolle hatte als er Marcello Mastroianni managen musste.

     

    Steffen Zacharias mimt einen Polizeikommissar, der Bob verhaften lässt als er wild um sich schlagend durch die Straßen läuft, dabei einen Verkehrspolizisten belästigt, einen Pfarrer zu Boden schlägt und zur Krönung auch noch ein Verkehrschaos anrichtet. Zacharias Polizeikommissar hält Bob zwar für verrückt als der ihm erzählt eine kleine Fliege würde ihn verfolgen und er sich nur versucht hat zu wehren. Allerdings hat Zacharias auch so seine Schwierigkeiten mit einer besonders lästigen Fliege. Als er sie endlich erschlagen könnte landet sie ausgerechnet auf der italienischen Flagge und da kann ein aufrechter Polizeikommissar natürlich nicht draufschlagen. Als es mit der Werberei nicht mehr so ganz klappt versucht sich Bob als Friseur beim Fernsehen. Sein erster Kunde ist gleich ein Senator, gespielt von Claudio Gora, den er versehentlich seinen halben Schnurrbart entfernt um ihm danach unbemerkt einen falschen unterzujubeln. Als der den falschen Schnurrbart im Laufe einer Fernsehsendung wieder ablöst versucht Bob ihm auch die zweite Hälfte abzunehmen was Gora gleich einmal als Mordversuch wahrnimmt, verständlicherweise. Sicherlich eine der witzigsten Szenen im gesamten Film. Danach dreht er vollkommen durch und zerstört seine Wohnung, versucht seine Freundin umzubringen und landet zu guter Letzt im Zoo, im Käfig gemeinsam mit einem Affen, der allerdings weit weniger verrückt ist als der gute Bob.

     

    Auch wenn Gassmann vielleicht ab und an ein klein wenig zu viel aufdreht hat der Film durchaus jede Menge witzige Szenen zu bieten. So gleich zu Beginn als ihn bei einem Werbespot für Kuhfleisch ein Stier verfolgt und er in einer überdimensionalen Blechdose mit einem Werbemodell flüchten muss und die beiden, innerhalb der Dose im Fluss treibend, plötzlich herumknutschen. Da der Film zur Hochzeit des Italowestern gedreht wurde darf natürlich eine Werbung im Western-Style nicht fehlen untermalt mit Francesco de Masis Musik aus "Sette Winchester per un massacro" (Die Satansbrut des Colonel Blake). Dabei benützt Bob eine überdimensional große Rolex-Uhr als Schutzschild gegen die Kugeln von schießenden Banditen um sie danach einen nach den anderen abzuknallen. Sehr schön ist auch Bobs knallbunte Wohnung, in der der Egomane alle seine wichtigen Werbeplakate aufgehängt hat, die er auch immer schön sauber hält.

     

    Regisseur Franco Indovina ist bedauerlicherweise mit gerade einmal 40 Jahren bereits sehr früh verstorben. Er verunglückte 1972 bei einem Flugzeugabsturz in seiner sizilianischen Heimat. Zuvor erregte er Aufmerksamkeit mit seiner Beziehung zur ehemaligen Prinzessin von Persien Soraya, mit der er bis zu seinem Tod liiert war. So brachte es Indovina auf insgesamt sechs Filme, zwei davon Episodenfilme von mehreren Regisseuren. Der bekannteste unter ihnen ist vielleicht "Giochi particolari" mit Marcello Mastroianni, Timothy Dalton und Virna Lisi in den Hauptrollen. Keiner seiner eigenständigen Regiearbeiten schaffte den Sprung in den deutschsprachigen Raum, leider auch nicht "Lo scatenato". Für den Soundtrack zeichnete sich Luis Bacalov verantwortlich, der vor allem ein fetziges Titellied komponierte.

     

    Franco Indovinas "Lo scatenato" ist eine witzige Satire über Werbung und den Verfolgungswahnsinn, den dieser übermäßige Konsum derselben mit sich zieht. Vittorio Gassmann ist wie so oft herrlich überdreht, mit Herlin, Zacharias, Gora und Serato sind zudem weitere bekannte Gesichter mit von der Partie. Der Film hat einige herrlich witzige Momente zu bieten, nur ab und an nervt das Ganze ein wenig was dem Spaß aber keinen Abbruch tut. Wer also eine witzige Satire über den Werbewahnsinn sehen möchte ist hier goldrichtig, seinen Spaß wird man damit auf alle Fälle haben. Und sei es nur Gassman zu zusehen wie er langsam aber sicher verrückt wird um sich am Ende mit einem Affen zu matchen wer aufgescheuchter herumspringen kann.

  • Autor: nerofranco
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