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Canne mozze

Italien, 1977

  • Inhalt:

    Nachdem der wegen mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Giovanni Molet (Antonio Sabato) von der Polizei über das fremdbestimmte Ableben seines Bruders in Kenntnis gesetzt wurde, schwört dieser den Verantwortlichen blutige Rache und nutzt während seiner anschließenden Überstellung in ein milanesisches Gefängnis den richtigen Augenblick zur Flucht. Dabei kommt es zu einem weiteren Todesfall auf Seiten der Polizei, so dass Giovanni recht schnell eine Hundertschaft verärgerter Dienstkollegen samt Hundestaffel an den Fersen klebt. Hinzu gesellen sich flächendeckend Straßensperren, die eine Flucht aus der völlig abgeriegelten Region somit unmöglich erscheinen lassen. In seiner Not wendet er sich hilfesuchend an die vielbeschäftigte Bordsteinschwalbe Carla (Maria Renata Franco), die ihm daraufhin vorübergehend Asyl in ihren vier Wänden gewährt. Doch ihr Ex-Freund Antonio hat nichts besseres zu tun, als das vermeintlich sichere Versteck postwendend bei der Polizei anzuschwärzen, woraufhin Giovanni seine halsbrecherische Flucht vor der bereits nahenden Polizei-Armada unverzüglich fortsetzen muss. Nach geraumer Zeit gelangt er in der sizilianischen Einöde an ein leerstehendes Ferienhaus, welches er sogleich besetzt und in den Schlafgemächern erst mal in den wohlverdienten Ruhemodus schaltet. Am nächsten Tag findet er dann auch schon prompt im Inneren des Anwesens sein zukünftiges Rachespielzeug vor, wobei er aber zunächst noch den originalgetreuen Schrotflintenlauf in mühsamer Handarbeit mit einer Metallsäge auf die richtige Betriebslänge stutzen muss. Doch dann halten urplötzlich die vermögende Besitzerin Silvia (Ritza Brown) und ihr frisch angetrauter Ehemann Michele (John Richardson) im Ferienhaus Einzug, da beide in der vermeintlich idyllischen Abgeschiedenheit ihre Flitterwochen verbringen möchten. Ob das wirklich mal so eine gute Idee war....

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Bei dieser niedrig budgetierten Polizeifilmproduktion aus dem Hause Imperoli (KESSE TEENS - DIE ERSTE LIEBE, INSTANTANEA PER UN DELITTO, TEENAGER LIEBEN HEIß) handelt es sich vordergründig um einen eher ruhigeren, wenn auch zugleich sehr bedrohlich wirkenden Genrevertreter, der schließlich erst zum Finale hin seinem durchschlagskräftigen Titel alle Ehre bereitet (CANNE MOZZE bedeutet in der deutschen Übersetzung soviel wie „abgesägte Schrotflinte“). Zwar entpuppt sich sein gerade mal ein Jahr zuvor entstandener „WIE TOLLWÜTIGE HUNDE“ als der größere Magengrubenkrauler und der gezeigte Exzess eskaliert dort auch viel heftiger, aber dennoch gelingt es ihm auch bei CANNE MOZZE ein ordentliches Maß an Unbehagen zu erzeugen. In Imperolis abgesägten Schrotflintendrama herrscht bereits gleich von Beginn an eine unheimlich dichte und von purer Hoffnungslosigkeit durchsetzte Atmosphäre vor, die außerdem durch den Rollencharakter unseres Hauptprotagonisten den gesamten Filmverlauf über aufrecht erhalten wird. Dies lässt er den Zuschauer dann auch zu jeder Minute des Films ungetrübt spüren.

     

    Dabei entpuppt sich CANNE MOZZE als eine Mixtur aus sowohl einem vollmundigen Rache-, als auch einem handfesten Home Invasion-Movie, wobei der letztgenannte Anteil im direkten Vergleich zu vielen einschlägigen Vertretern recht harmlos wirkt. Abgedreht wurde dieser düstere und rohe Polizeifilm in einer nicht näher bezeichneten Region Siziliens und erinnert dabei von seiner Optik her ein wenig an eine mittelprächtige Westernproduktion. Trotz des recht unspektakulären Verlaufs gelang es dem Regisseur ein sehr angenehmes Tempo beim Schnittwechsel vorzulegen, wodurch die aneinandergereihten Szenenabfolgen recht flüssig wirken und nahende Langeweile rechtzeitig unterbunden wird. Darüber hinaus hatte dann auch der gute Onkel „George“ (Eastman) mal wieder seine Finger bei der Erstellung des Drehbuchs mit im Spiel, welches wiederum die Geschichte der blutigen Vendetta zwischen den beiden verfeindeten Familienclans der Molets und der Carraras erzählt. Nachdem Giovanni Molets jüngerer Bruder auf Geheiß des verfeindeten und an einen Rollstuhl gefesselten Familienoberhaupts Don Carrara ins Jenseits gejubelt wurde, sinnt der bereits wegen mehrfachen Mordes an Familienmitgliedern des Carrara-Clans im Gefängnis sitzende Giovanni nach unerbittlicher Rache an den Mördern seines Bruders und nutzt daraufhin die sich ihm nächstbietende Möglichkeit zur Flucht. Entgegen des eigentlichen Filmtitels ist unser gnadenloser Rächer aber bis kurz vor dem Ende ausschließlich mit einer kompakten Handfeuerwaffe zugange und entpackt dann erst im Finale seine durchschlagskräftige Wuchtwumme. Die Zentrale des Carraro Clans befindet sich übrigens in einem abgelegenen Schlachthof, der augenscheinlich den heutigen Hygienebestimmungen nicht mehr standhalten würde. Desweiteren befindet sich jeder der beteiligten Charaktere in einer persönlichen Lebenskrise, was die bereits eskalierende Beziehungsdynamik weiterhin anschürt.

     

    Kommen wir zum Hauptprotagonisten dieser rohen Polizeifilmsause, nämlich zu Antonio Sabato (THE MAN WITH ICY EYES, DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS, BLUTIGER SCHWEISS), der diesesmal ausschließlich seine unantastbare Familienehre im Kopf hat und sich somit inbrünstig nach Rache an den Mördern seines Bruders sehnt. Dabei gibt er sich in seiner darzustellenden Rolle völlig gefühlskalt und hält seine versteinerte Miene den kompletten Filmverlauf über aufrecht. Zwar gelingt es der adretten Ritza Brown im weiteren Verlauf seine auf dem Gefrierpunkt verankerte Gefühlswelt ein wenig zu erwärmen, was aber wiederum keine Auswirkung auf seine weiterhin vordergründig vorherrschenden Rachepläne mit sich zu bringen scheint, denn Antonio sieht für sich nur noch den einen Lebensinn: Der Tod des verfeindeten Familienoberhaupts Don Carrara. Seine Hauptbeschäftigung während des Films besteht also darin, den Lauf seines neuerlangten Rachespielzeugs in mühsamer Handarbeit auf die richtige Betriebslänge zu stutzen, um somit letztendlich die höchstmögliche Durchschlagskraft zu erhalten. So kommt es irgendwann wie es kommen muss und Antonio hinterlässt mit seiner prächtigen Wuchtwumme eine ordentliche Sauerei im Schlachthof der Glückseligkeit. Außerdem nimmt er auch nur frisch gebrühten Kaffee zu sich, der ausschließlich von feinen Frauenhänden aufgesetzt wurde.

     

    Diese gehören in diesem Fall der entzückenden Ritza Brown (ATOR - HERR DES FEUERS, TUAREG - DIE TÖDLICHE SPUR), welche gemeinsam mit ihren frisch angetrauten Göttergatten völlig unbeschwert die gemeinsamen Flitterwochen in ihrem Ferienhaus verbringen möchte, vor Ort dann aber völlig unverhofft auf den rachesüchtigen Hausbesetzer Sabato trifft und sich im weiteren dessen terrorlastigen Animationsprogramms ausgeliefert sieht. Dabei kommt es auch sogleich zur ersten Ehekrise, wonach Ritza bereits nach wenigen Tagen ihren voreiligen Heiratsentschluss heftigst zu bereuen scheint, da sich ihr frisch angetrauter Ehemann Pierre plötzlich wie ausgewechselt gibt und binnen kürzester Zeit zu einem egomanen Unsympathen mutiert. Die Beziehung der beiden vermeintlich glücklich Verheirateten hat aber bereits von Beginn an einen faden Beigeschmack, da dem Betrachter bereits nach wenigen Minuten klar ist: Hier wurde keinesfalls aus Liebe geheiratet, sondern ausschließlich der jeweiligen Selbstzweckhaftigkeit wegen. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass diese substanzlose Zweckgemeinschaft bereits nach den ersten stärkeren Böen zu wanken beginnt und kurz darauf schließlich endgültig in die Brüche geht. Also kümmert sich Ms. Brown zunächst um das Aufbrühen von frischem Kaffee, bevor es dann mit einer ausgelassenen Runde “Vergnügsame Fesselspiele mit Antonio” weitergeht. Dabei stellt sie dann sogleich ihr Talent als Entfesselungskünstlerin unter Beweis und verpasst dem einsamen Rächer einen gehörigen Hörsturz. Doch irgendwann macht sich auf beiden Seiten eine Art Gefühlsduselei breit, woraufhin Ritza ihre hauswirtschaftlichen Tätigkeiten gegen die einer Krankenschwester eintauscht und sich fürsorglich um den am Kopf verwundeten Antonio kümmert. Dabei kommen sich die beiden dann auch körperlich etwas näher, aber ob die frisch aufgeflackerte Liebe auch hier schlussendlich alle Hindernisse überwindet, wird dem Zuschauer gegenüber bis kurz vor dem Ende offen gehalten.

     

    Der Nächste im Bunde hört auf den Namen John Richardson (TORSO, LABYRINTH DES SCHRECKENS, NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD) und ist seines Zeichens der frisch angetraute Ehegatte von Ritza Brown. In der Rolle des schlappschwänzigen Michele zeigt er bereits nach kürzester Zeit erheblich Überforderungstendenzen, da er dem vorherrschenden Druck des fremdbestimmten Animationspramms nicht gewachsen ist. Dabei kommt dann auch recht schnell sein wahres Gesicht zum Vorschein, woraufhin er seinem vermeintlich geliebten Eheweib im Rahmen eines eifersuchtsgeschwängerten Tobsuchtanfalls eine handfeste Szene bereitet und völlig ungezügelt die Drama-Queen heraushängen lässt. Irgendwann dreht er dann auch völligst ab und fordert sich zum guten Schluss auch noch eine letzte Portion Beischlaf von seiner ernüchternd wirkenden besseren Hälfte ein.

     

    Zu guter Letzt gibt es dann aber noch auch den unheimlichen Gärtner Angelo, der zwar immer mal wieder für einen kurzen Moment auf der Bildfläche erscheint, dabei aber hinsichtlich seiner Absichten bis zum Schluß völlig undurchschaubar bleibt.

     

    Fazit: Ein über weite Strecken eher ruhiger und roher Vertreter der Polizeifilmzunft, dessen titelversprechende Durchschlagskraft sich aber erst zum Ende hin bemerkbar macht.

  • Autor: Richie Pistilli
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