Caligula 2 - The Untold Story

Italien, 1982

  • Originaltitel: Caligola: La storia mai raccontata
  • Alternativtitel:

    Calígula - A Historia Que Não Foi Contada (BRA)

    Calígula 3, la historia jamás contada (ESP)

    Caligula: la véritable histoire (FRA)

    Calígula, o Outro Lado da História (POR)

    The Emperor Caligula: The Untold Story (USA)

    Calígula II

  • Regisseur: Joe D'Amato
  • Kamera: Joe D'Amato
  • Musik: Carlo Maria Cordio
  • Drehbuch: Joe D'Amato, George Eastman, Michele Soavi
  • Inhalt:

    Rom gleicht einem Sündenpfuhl. Dessen Imperator, Gaius Caesar Augustus Germanicus, lässt Folter und Orgien - in einem bisher unbekannten Ausmaß - praktizieren. Er stellt sich mit dem Überirdischen gleich. Maßt sich an ein Gott zu sein. Er, den man auch Caligula - Herrscher über Leben und Tod - nennt. Dieser Tyrann von Rom befriedigt seine kranke Lust. Ergötzt sich an Qual und Leid. Doch die Verschwörer – in seinem Umfeld - mehren sich. Wird der wahnsinnige Imperator seine Schreckensherrschaft zwangsläufig beenden müssen - oder wird er zum Herrscher über die gesamte Welt?

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Caligula - Aufstieg und Fall eines Tyrannen“ (Tinto Brass) sorgte für Empörung und Faszination zugleich. Ein Film der, auf kontroverse Weise, das Leben des Gaius Caesar Augustus Germanicus (Caligula) dokumentiert. Das Leben eines perversen und größenwahnsinnigen Imperators. Die kranken Ausmaße des römischen Caesaren, die eine ebenso kranke und widerwärtige visuelle Auswertung erfuhren. Brass sagte dem konventionellem Peplum-Cinema den Kampf an. Der klassische Sandalenfilm, in dem die Schwerter „sprechen“, gehört der Vergangenheit an. Brass überschritt die Grenzen des „guten Geschmacks“. Diese konsequente Vorgangsweise rief einige – mehr oder weniger gute – Nachahmer auf den Plan. Der interessanteste dieser Filme ist – zweifelsohne - „Caligula 2 - The Untold Story“. Ein Werk von Joe D´Amato welches die visuelle Perversion noch deutlicher praktiziert - als es bei seinem Vorbild der Fall ist. Von direkten Vergleichen zwischen „Caligula - Aufstieg und Fall eines Tyrannen“ und „Caligula 2 - The Untold Story“ möchte ich (jedoch) generell Abstand nehmen.

     

    „Caligula 2 - The Untold Story“ geht umgehend in die Vollen. Intrigen und Mord bestimmen das Leben in Rom. Es wird schnell klar was „Stiefelchen“ doch für ein krankes Arschloch ist. Der Imperator (aller Imperatoren) lässt Rom zu einem ausartenden Sittengemälde werden. Brutalität, Folter und Perversion bestimmen D´Amatos Regiearbeit. Wer sich dem Ganzen nicht gewachsen sieht, der sollte von einer Sichtung abstand nehmen. Für den Zartbesaiteten Rezipienten ist - D´Amatos Anschauung über - das Treiben von Caligula absolut nicht geeignet. So what, das Leben ist - und war - kein Ponyhof. Onkel Joe überschreitet Grenzen und stellt die damalige Zeit so widerlich und eklig wie möglich dar. Dieses mag - unter dem Strich – auch nur ein Schatten dessen sein, was grausame Wirklichkeit war und geschichtliche Wahrheit ist.

     

    Für David Brandon war die Verkörperung des Caligula seine erste große Rolle. Zuvor kannte man ihn nur aus dem Punk-Film „Jubilee“. Dort arbeitete er, unter der Regie von Derek Jarman, u.a. mit Musikgrößen wie Toyah Willcox und Adam Ant zusammen. Brandon spielt die Rolle - des zwischen Größenwahn, Perversion und Angstzuständen pendelnden Imperators – äußerst ansprechend. Es gelingt ihm zur rechten Zeit den irrsinnigen Blick parat zu haben.

     

    Dazu lässt er Sarkasmus und einen makabren (für mache tödlich endenden) Humor für sich sprechen. David fühlt sich, in der Rolle des Imperators, sichtlich wohl. Eine Erkenntnis die seine Leistung zum schauspielerischen Highlight des Films avancieren lässt. Doch das unerbittliche und zugleich beängstigende Spiel des David Brandon lässt auch keinen Platz für einen ähnlich agierenden Widersacher. Somit muss sich (selbst) Gabriele Tinti der - schauspielerisch eigentlich - in den bösartigen Gefilden des italienischen Kinos zuhause ist, mit (s)einer zurückhaltenden Rollenpräsentation, weit hinter Brandon anstellen. Tinti spielt den bemitleidenswerten Charakter Marcellus Agrippa. Ein Senator der, mit seinen Vorhaben Caligula zu „entmachten“, ganz derbe auf die Schnauze fällt. Seine (Todes)Strafe hat es gewaltig in sich - und das nicht allein im übertragenden Sinne. Auf Verschwörer und Attentäter ist „Stiefelchen“ halt ganz schlecht zu sprechen. Ein weiterer tragender Charakter ist Miriam. Eine Priesterin die sich, mit der Absicht den Tyrannen zu töten, als Hure in dessen Palast einschleusen lässt. Obwohl Frau Gemser keine schauspielerischen Akzente setzen kann, ist ihre Präsenz - wie immer - eine Bereicherung.

     

    „Der einzige Weg ein Gott zu sein, ist grausam wie ein Gott zu sein.“
    (Caligula)

     

    Technisch gibt es an „Caligula 2 - The Untold Story“ nichts auszusetzen. D'Amatos Kameraarbeit bietet einige gute Bilder. Auch die dabei eingesetzte Beleuchtung ist gelungen. Seine Präsentation einer (wild ausschweifenden) Orgie pendelt zwischen Hardcore- und den Brechreiz aktivierenden Elementen. Ein infernalischer Schmuddelsex der kotzende Lustgreise ihren Trieben folgen lässt. „D'Amatos Rom“ präsentiert keine angenehmen Bilder und lässt sich - als ein Ekelerregendes Sittengemälde – im Empfinden des Rezipienten nieder. Ein schockierendes und verabscheuungswürdiges Gesamtbild. Neben diesen tabulosen Ausschweifungen bleibt wenig Platz für die Erotik. Das Einzige was in diesem Film mit Sinnlichkeit zu tun hat ist die Optik von Laura Gemser. Mag sein das Laura niemals eine schauspielerische Offenbarung war und ist, aber den Titel „Goddess of Sexploitation“ kann ihr Niemand streitig machen.

     

    CALIGULA 2 zeigt sich überwiegend als ein unterhaltsamer, sowie auch spannender, Film. Der vorhandene Leerlauf lässt sich in Form von ausgiebig ausgespieltem Schmuddelsex und diversen Tabubrüchen nieder. Was unter dem Strich resultiert ist eine grausame, menschenverachtende - und mit Perversionen ausgestattete - „Historienbewältigung“. (S)Exploitation-Freaks sollten sich „Caligula 2 - The Untold Story“ unbedingt anschauen. Sie werden es nicht bereuen.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Von X-rated sind, seit 2005 (in diversen großen und kleinen Hartboxen), alle vier ungekürzten Originalversionen des Films erschienen. Diese sind allesamt unterschiedlich, und gliedern sich wie folgt:

     

    1. ungekürzte HC-Fassung (für den italienischen Pornomarkt) = 99:58 Minuten
    2. ungekürzte italienische Kino-Fassung = 102:17 Minuten
    3. ungekürzte Exportfassung = 125:00 Minuten
    4. ungekürzte italienische Importversion = 125:00 Minuten

     

    Der Film beinhaltet eine, äußerst anstößige, Szene mit einem Pferd und einer Frau. Diese ist in der Fassung 3 komplett enthalten. Dafür fehlt (in dieser Version) eine Erotikszene mit Laura Gemser. Die Szene mit Laura Gemser gibt es in den Fassungen 1 und 4 zu „bewundern“.

  • Autor: Frank Faltin
  • Filmplakate

    Links

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