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Caged Women

Italien, 1991

  • Originaltitel: Caged - Le prede umane
  • Alternativtitel:

    Mujeres enjauladas (ESP)

    Quartier haute sécurité pour femmes (FRA)

    Caged Women in Purgatory (USA)

    Caged Women - Gepeinigt und gequält im Frauenzuchthaus

  • Regisseur: Leandro Lucchetti
  • Kamera: Renato Doria
  • Musik: Lanfranco Perini
  • Drehbuch: Leandro Lucchetti
  • Inhalt:

    Die Amerikanerin Janet Cooper (Pilar Orive) hat sich in ein kleines mexikanisches Nest verirrt und wird schon kurz nach ihrer Ankunft Opfer eines korrupten und notgeilen Polizisten, der ihr Drogen in die Tasche schmuggelt. Ohne eine Gerichtsverhandlung kommt sie auf die Frauengefängnisinsel des schmierigen Captain Juan (Aldo Sambrell), der die dort einsitzenden Frauen misshandelt, vermietet und zur Menschenjagd verhökert. Doch Gott sei Dank hat sich Janet ebenso kurz nach ihrer Ankunft einen kräftigen Stecher zugelegt, der sie befreien will.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „You fucking lesbian! Get away from me!
    (Janet freundet sich mit der Oberaufseherin an)

     

    Ich war überrascht zwar nur wenige aber weitgehend positive Reviews im Internet zu Leandro Lucchettis „Caged Women“ zu finden. Das mag daran liegen, dass dieser kleine Schmuddelfilm so fürchterlich unterhaltsam ist. Das mag auch daran liegen, dass beispielsweise in England nach einem anfänglichen Veröffentlichungsverbot nur eine stark zensierte 65-minütige Fassung dieses 90-minütigen Films erschien und so die Phantasie der britischen Zuschauer erst so richtig entfacht wurde. Ein dritter Grund könnte sein, dass es sich um einen der letzten europäischen Vertreter des WIP-Genres handelt. Oder – wir leiden eben alle an Geschmacksverirrung.

     

    Eine Frau rennt barbrüstig durch den Dschungel und als sie schließlich durch einen seerosenbewachsenen, sumpfigen Tümpel watet, richtet sich ein Fadenkreuz auf sie. Letzteres zeigt deutlich sichtbar zu Boden des Ufers, nichtsdestotrotz ertönt ein Schuss und die Frau fällt tödlich getroffen ins Wasser. Und dieses künstlerische Niveau wird 90 Minuten gehalten. Die Landschaft dieser kurzen Eröffnungsszene trägt stark dazu bei, dass man als Zuschauer umgehend an Jess Francos „Sadomania“ denkt, und genau darum scheint es sich hier auch zu handeln, um ein italienisches Franco-Ripoff. Obwohl… Italien wird zwar als Produktionsland angegeben und Regisseur Leandro Lucchetti ist ebenfalls Italiener, der Produzent dagegen – der dieses Werk offenbar von seinem Wochengehalt als Tellerwäscher finanziert hat – ist Spanier und der Drehort könnte gar tatsächlich Südamerika gewesen sein, wie die Aufschriften einiger Dorfkulissen nahelegen. Die Festung, in der die Frauen gefangen gehalten werden, sieht ebenfalls bekannt aus und hat Ähnlichkeit mit dem Bauwerk aus Francos „Frauengefängnis“ (1975).

     

    Egal, ich war beim Niveau. Willkommen am Arschloch der Welt, so sagt es der Bootsmann (im englischen Dubbing) als er Janet auf der Insel absetzt. Was sie dort will, warum sie sich dort in ihren kurzen Shorts oder wenig später im noch kürzeren Kleidchen in zwielichtige Bars oder heruntergekommene Hotels begibt, verrät uns die Story freilich nicht. Also vergessen wir das. Als Erstes nach ihrer Ankunft lässt sie sich jedenfalls erst mal von einem dunkelhäutigen Inselgastarbeiter eine Banane schenken, die sie dann genüsslich zum Mund führt und zärtlich daran knabbert. Klasse. Doch weiter zum Hotel, es ist heiß und Janet schwitzt wie ein Schwein. In ihrem Hotelzimmer benetzt sie sich also mit kühlem Nass, und warum sie dafür zuerst ihre Bluse durchnässt bis zur Durchsichtigkeit und dann noch ihre Shorts vollplempert, bevor sie sich dann endlich zum Waschen auszieht, hat uns nicht zu interessieren. Viel interessanter ist der dunkle Schatten, der sie beobachtet, und der durch die Milchglasscheibe ihrer Tür deutlich sichtbar ist (was ER wohl sehen kann?) und dass Janet diesen nicht bemerkt, obwohl sie ihm direkt zugewandt ist.

     

    Egal, weiter. In nuttigem Kleid und auffälligem Make-Up begibt sie sich in eine puffartige Bar, und siehe da, sie wird angemacht. Oh, Wunder. Sgt. Flores (Gaetano Russo), der auch der Spanner vor ihrer Tür war, wird handgreiflich, doch Hilfe naht. Frank Nolan (Christian Lorenz) beobachtet Janet schon seit ihrer Ankunft in der Bar und ist angewidert – der eklige Flores droht ihm zuvor zu kommen. So springt er auf, beschimpft den schmutzigen Polizisten, doch der zieht eine Waffe. Janet reagiert schnell, schlägt ihm mit einer Flasche die Pistole aus der Hand und Frank – der gerade eben noch 10 Meter von Flores entfernt war – schlägt ihm aus dem Stand die Faust ins Gesicht. Dafür ist Janet ihm fürchterlich dankbar und nimmt ihn mit ins Hotelzimmer, wo sie es ihm ordentlich besorgt, und wie sie da so schwitzt und rollig wimmert, ahnen wir, warum sie überhaupt erst in diese Bar gegangen ist, ja womöglich liegt hier sogar der Grund für ihren Besuch dieses Inselarschlochs der Welt: sie ist geil. Doch das ändert sich.

     

    Am nächsten Morgen – Frank ist längst weg – schneit Sgt. Flores mit zwei Kollegen bei Janet rein, schiebt ihr Drogen unter, und die Amerikanerin landet trotz ihrer Bitten den US-Botschafter sprechen zu können, auf einer anderen Insel mit einem festungsartigen Frauengefängnis. Und hier beginnt die Logik endgültig quarkig zu werden. Frauengefängnis klang wohl schicker und passte wohl auch besser zur Einführung der sadistischen Peitschenlady Gerda (Elena Wiedemann) und dem schmierigen Anstaltsleiter Captain Juan (Aldo Sambrell), aber im Grunde hat keine der Frauen dort je ein Gericht von Innen gesehen und keine von den Insassinnen dieser Einrichtung scheint fürs Überleben vorgesehen. Denn die Frauen sind schlicht zur Vermietung, zum Verkauf und schließlich als Opfer für eine Menschenjagd vorgesehen. Wir wollen aber nicht kleinlich werden und lieber Aldo Sambrell dabei zusehen, wie er ordentlich Hand anlegt, denn hier entkleidet der Chef die Gefangenen noch selbst, testet die Festigkeit von deren Hinterbacken, prüft auf mögliche Jungfräulichkeit und spritzt sie am Ende auch eigenhändig mit dem Schlauch ab. Eher enttäuschend ist dagegen die Figur der sadistischen Wärterin, die nur wenig sadistisch rüberkommt. Hier dürfen wir aber nicht vergessen, dass abgesehen von Aldo Sambrell und Gaetano Russo nur Laiendarsteller am Werk waren.

     

    Janet ist wenig gehorsam und so muss sie auch mal bestraft werden. Ein paar Patscher mit der Gerte durch Liebchen Gerda, dann reibt ihr Gerda die verschwitzten Brüste und reibt die Ihren, ebenso verschwitzten, Möpse an Janet. Schweiß spielt eine große Rolle in diesem Film. Bei nahezu sämtlichen Nackt-, Kuschel-, und Folterszenen wurden die Darsteller zuvor großzügig mit Wasser bespritzt und Triefen, was das Zeug hält. Seinen bizarren Höhepunkt findet dieser Fetisch in einer Szene als Janet und eine andere Gefangene in einem Käfig in der Sonne schmoren, und um nicht zu verdursten, schlecken sie sich gegenseitig die Schweißperlen von den Körpern, in seltsam verrenkten und unnatürlichen Posen. Als Janet ihrer Leidensgenossin allerdings die Achseln lecken will, wird abgebrochen, vermutlich war die andere Darstellerin kitzlig. Doch genug davon, mehr wird nicht gespoilert.

     

    Am Ende gibt es ein paar durchaus ansehbare Actionszenen, lediglich die Bestrafung der Peitschenlady Gerda ist lahm umgesetzt und entsprechend gelangweilt sieht sie dabei auch aus. Alles in allem ist „Caged Women“ ein schundig umgesetzter, sleaziger, schmieriger und erfrischend uninspiriert unterhaltsamer Filmspaß.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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