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Bradock - Drei Unzen Blei zum Fünf-Uhr-Tee

Frankreich | Italien, 1967

  • Originaltitel: Troppo per vivere... poco per morire
  • Alternativtitel:

    Muito para Viver.... Pouco para Morrer (BRA)

    Mucho para vivir... poco para morir (ESP)

    Qui êtes-vous inspecteur Chandler? (FRA)

    Az élethez túl sok (HUN)

    Jouw beurt om te sterven (NED)

    Your Turn to Die (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 23. Januar 1970
  • Regisseur: Michele Lupo
  • Kamera: Stelvio Massi, Franco Villa
  • Musik: Alessandro Alessandroni, Francesco De Masi
  • Drehbuch: Sandro Continenza, Ernesto Gastaldi, Paolo Levi, Fabio Carpi
  • Inhalt:

    Bei einer Juwelenschau im Londoner Hotel Ritz stehlen Gauner den Schmuck quasi unter den Augen der Polizei. Dahinter steckt eine im großen Stil agierende Bande, die ihre Anweisungen immer nur von Band erhält – der Chef selber ist unbekannt. Offensichtlich gibt es in der Bande aber einen Verräter der sich mit der Sore absetzen will. Dieser Plan wird zwar vereitelt, aber der Verräter wird waidwund vom Reporter Robert Bradock gefunden und kann diesem vor seinem Tod den Schlüssel zu einem Schließfach und ein paar kryptische Informationen geben. Daraufhin möchte Bradock den Fall natürlich selber aufklären, was ihn allerdings in die Schusslinie der Gangster bringt – und in diejenige der Polizei, die ihn an dem ein oder anderen Mord für schuldig hält.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Und das ist ungefähr die erste halbe Stunde des Films! Es passiert wirklich viel, und der Streifen legt dabei ein ungeheures Tempo vor. Wahnsinnig viele Personen wuseln umeinander, und die Rollen sind nicht immer klar. Wer ist die unbekannte Schöne die zwar als Schmuckmodel auftrat, dann aber mit ein paar kräftig zulangenden Burschen Bradock in die Mangel nimmt? Welche Rolle spielt der Diplomatenkurier? Was treibt Dr. Evans in seiner Klinik? Und natürlich vor allem: Wer ist der Chef?

     

    Bedingt durch die Schnitte der deutschen Fassung (gegenüber der italienischen DVD fehlen schlappe 28 Minuten!!) ist auch nicht immer so ganz nachvollziehbar, wer gerade was mit wem und warum. Macht aber nix, weil die Sause einfach Spaß macht. BRADOCK ist in erster Linie ein relativ straighter Krimi, aber über allem schwebt immer ein gewisses leichtes Swinging-Sixties-Flair. Es wird reichlich gestorben, das Showdown würde in einem 10 Jahre später entstandenen Poliziottescho eine hervorragende Figur machen, und einige der Prügeleien sind schon nicht schlecht harter Stoff. Was sich Nazzareno Zamperla und Jess Hahn gegenseitig alles in die Fresse hauen, das tut schon beim Zuschauen weh. Auch erwähnenswert ist der Umstand, dass Claudio Brook zwar einen recht spießigen Eindruck macht (so mit Trenchcoat und männlich-kernigem Gehabe – zum Lachen geht der bestimmt in den Keller), aber Tina Aumont mal so eben im Vorbeigehen vernascht. In der deutschen Version scheint außerdem noch ein Striptease zu fehlen, aber ein klein wenig Nudität ist schon auch zu sehen, und zwar in einem Club für Fotografen, der irgendwie an eine psychedelische Variante des Clubs aus DER GORILLA VON SOHO erinnert. So richtig mit grooviger Mucke und allem drum und dran. Und genau solche Details meine ich mit “Swinging-Sixties-Flair“ – den Film durchzieht einfach eine groovende Grundstimmung, welche die grundsätzlich etwas härtere Marschrichtung angenehm auflockert.

     

    A propos groovy: Der Soundtrack von Francesco de Masi (oder doch Alessandro Alessandroni?) rockt auch ziemlich gut. Anfangs oft noch dem Big Band-Sound verschrieben, wird die Musik mit fortschreitender Laufzeit immer poppiger und … eben grooviger. Vor allem ist der Sound sehr treibend, was das hohe Tempo des Films noch zusätzlich anheizt. Dadurch, sowie durch die erwähnten Schnitte der deutschen Fassung und die nett gemachte Synchro, treibt man hier von Höhepunkt zu Höhepunkt, mit nur wenig Luft dazwischen zum Atemholen. Und diese kurzen Pausen sind genau richtig austariert, es wird nie langweilig und es wird nie hektisch. Pure Unterhaltung mit hohem Spaß- und Actionfaktor.

     

    Die Besetzung von BRADOCK ist für italophile ein Fest: Bei den Damen fällt zuerst einmal die wunderschöne Daniela Bianchi auf, die aus LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU bekannt ist. Eine weitere Schönheit ist TINA AUMONT, deren bekanntester Film eventuell SALON KITTY sein könnte, die aber zwischen 1966 und 1978 eigentlich durchgehend recht gut beschäftigt war. Auch Stefania Careddu hat einige namhafte Titel in ihrer Filmographie (u.a. LEG IHN UM, DJANGO und DJANGO – DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON), schade dass aus der Karriere nicht mehr geworden ist.

    Bei den Männern greifen wir tief in den Topf der gern gesehenen europäischen Genreschauspieler: Neben dem US-Amerikaner Sydney Chaplin agieren Nazzareno Zamperla, Jacques Herlin, Anthony Dawson, Paolo Gozlino, Jess Hahn, Andrea Bosic, Raymond Bussieres, George Wang, Goffredo Unger, Claudio Ruffini, Lee Burton … Noch Fragen? Und Ernesto Gastaldi hat wohl offensichtlich einen Cameo … Nur ausgerechnet der gebürtige Mexikaner Claudio Brook wirft die Frage nach seiner Besetzung auf. Er macht ja seine Sache nicht schlecht, bloß dass er halt immer spielt als ob er einen Stock im Arsch hat. Die Coolness und Leichtigkeit eines Sean Connery oder eines Tony Kendall, um Vergleiche aus artverwandten Genres zu ermöglichen, diese Coolness und Leichtigkeit gehen ihm völlig ab. Er wirkt immer so … beflissen. Und ausgerechnet dieser Mann kriegt im Film die Tina Aumont rum …

     

    Hinter der Kamera ist die Namensliste ähnlich illuster: Das Bild wurde von Franco Villa und Stelvio Massi erstellt, an der Kamera war Joe d’Amato zu Gange, die Musik ist von Alessandro Alessandroni und Francesco de Masi (letzterer scheint aber “nur“ dirigiert zu haben), und der Regisseur Michele Lupo selber hat eigentlich kaum schwache Filme in seiner Filmographie stehen, dafür aber ein paar sehr starke Western (BEN UND CHARLIE, DER MANN AUS VIRGINIA) und den besten Bud Spencer-Film ever, SIE NANNTEN IHN MÜCKE.

     

    Kann da noch was schief gehen? Nö, eigentlich nicht. Der einzige Hinderungsgrund ist, dass es den Film in Deutschland nur auf VHS gibt. Also Leute, entstaubt eure alten Videorecorder und besorgt euch BRADOCK, es lohnt, trotz der Kürzungen! Der Text auf dem deutschen Filmplakat bringt es einfach auf den Punkt:

     

    Es spielen – jagen – schießen – küssen – schlagen – lieben – bluffen – rauben – morden – und kitzeln die Nerven – lauter Verdächtige wie: Claudio Brook, Daniela Bianchi, Sidney Chaplin, Tina Marquand, Yves Vincent, Jess Hahn und viele andere … Denn: 7 Tote hat die Woche

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Wie bereits erwähnt ist BRADOCK in Deutschland bislang nur auf VHS bei Mike Hunter Video und bei Universal Home Video erschienen, um etwa 28 Minuten gegenüber der italienischen DVD gekürzt. Das Bild ist in 4:3 und seitlich stark beschnitten, teilweise sieht man nur die Nasen der sprechenden Personen. Die Synchro ist diesmal nicht von den üblichen Verdächtigen aus Berlin oder Hamburg, sondern von der Firma IFU aus Remagen, was zu einigen verträglichen Kalauern führt, ohne dass es zu einem Overkill kommt.

  • Autor: Maulwurf
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