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Body Puzzle - Mit blutigen Grüßen

Italien, 1992

  • Originaltitel: Body Puzzle
  • Alternativtitel:

    O Quebra-Cabeça (BRA)

    Puzzle mortal (ESP)

    Misteria (ITA)

    Ritual de Morte (POR)

  • Deutsche Erstaufführung: 06. April 1993
  • Regisseur: Lamberto Bava
  • Kamera: Luigi Kuveiller
  • Musik: Carlo Maria Cordio
  • Drehbuch: Lamberto Bava, Teodoro Corrà, Bruce Martin, Domenico Paolella
  • Inhalt:

    Blutige Morde geschehen in der sommerlich heißen Stadt, den Opfern fehlen neben einzelnen Körperteilen auch Innereien. Zumindest die Körperteile tauchen wieder auf, und zwar im Kühlschrank der attraktiven Tracy, die vor gar nicht langer Zeit erst durch einen tragischen Unfall Witwe geworden ist. Der ermittelnde Inspektor Michele (in der deutschen Fassung Michael) stellt fest, dass Tracys früherer Mann Abe wohl einen männlichen Liebhaber hatte, den aber anscheinend niemand so recht kennt oder gar beschreiben kann. Könnte er der Mörder sein? Und welche Rolle spielt Tracy in dem grausigen Spiel, haben doch die Morde allem Anschein nach gar nichts mit ihr zu tun …? Oder steckt da vielleicht mehr dahinter?

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Die späten Gialli, also etwa ab dem Jahrgang 1985, werden im Allgemeinen als eher durchwachsen angesehen. Zumindest wenn man wohlwollend ist. Tatsache ist halt, dass der Filmfan der Gattung Spätgiallo gegenüber normalerweise ablehnend gegenüber steht, und das meist nicht zu Unrecht. Aber in dieser überschaubaren Menge aus Gülle tummeln sich auch gelegentliche Perlen. BODY PUZZLE ist so eine Perle.

     

    Das geht bei der wirklich spannenden Story los die mit einigen unerwarteten Twists aufwartet, zieht sich dann über das tolle Ambiente und die schick designten Settings sowie die ordentlichen Schauspielerleistungen bis hin zur dramatisch eingesetzten Musik von Modest Mussorgskys “Die Nacht auf dem Kahlen Berge“ (die mir, befürchte ich, noch sehr lange Zeit versaut bleiben wird). Die Stimmung passt einfach und zieht den Zuschauer fast von Anfang an in seinen Bann. OK, zu Beginn holpert es noch ein wenig, und bis sich Bilder und Handlung zusammengefügt haben dauert es ein paar Minuten. Aber die Einzelteile fügen sich schnell zusammen, und vor allem gegen Ende hin, wenn die Identität des Mörders nach und nach gelüftet wird, lässt sich die Spannung geradezu mit Händen greifen. Interessanterweise ist der Mörder von Beginn an bekannt und wir schauen allen seinen Morden zu – wir wissen allerdings nicht WER er ist, was das Rätselraten diesmal zu einer äußerst spannenden Variante macht. Kein Whodunit sondern stattdessen ein Whoisit …

     

    Vor allem die zweite Hälfte bietet einige Höhepunkte wie etwa das Aufspüren der Unterkunft des Unholds oder den Mord an einer Blindenlehrerin vor ihren Schülern. Selten habe ich etwas so abgründiges und unfassbares gesehen. Wirklich starkes Gänsehaut-Kino!

     

    Die Morde selber sind ausgesprochen unblutig inszeniert, möglicherweise wurde mit BODY PUZZLE auf den US-amerikanischen Markt geschielt. Was auch den hohen Produktionsstandard erklären könnte, denn eine Low Budget-Produktion ist dieser Film ganz bestimmt nicht. Hier herrscht dichte und pure Thrilleratmosphäre, die hervorragenden Effekte buhlen in keinster Weise um Aufmerksamkeit, sondern ordnen sich immer angenehm dem Fluss der Story unter, und die Settings können ohne Übertreibung exquisit genannt werden. Joanna Pacula und Tomas Arana wirken sehr lässig und spielen zurückhaltend und nicht übertrieben, was natürlich wirkt und die intensive Atmosphäre zusätzlich unterstützt. Alles keine Merkmale eines niedrig budgetierten Films, von daher gehe ich mal davon aus, dass hier größere Ziele angepeilt wurden. Auch würde das erklären, warum so viele Namen im Film amerikanische Namen sind.

     

    An dieser Stelle ebenfalls auffallend ist der auffallende Mangel an nacktem Fleisch, was wohl genauso auf die möglichen Vermarktungsabsichten zurückzuführen sein dürfte. Nur Joanna Pacula darf ihren makellosen Körper einmal im Bikini präsentieren, was ehrlich gesagt erotischer ist als alles peinliche Gewackel hüllenloser Altstars. Zusammen mit dem durchgestylten und wirklich schicken Ambiente (Ich will auch einen Pool im Wohnzimmer!!!!) macht sich damit eine distinguierte und irgendwie besonders wirkende Stimmung breit, die aber niemals kühl wirkt sondern auf eine unauffällige Art die Handlung angenehm untermalt. Die klassisch-formalen Charakteristika eines Giallo werden somit natürlich alle nicht erfüllt, aber DIE Geschichten waren 1991 definitiv alle schon erzählt. Zeit für Neues!

     

    Wer dem Spät-Giallo prinzipiell ablehnend gegenüber steht oder bislang nur Gialli aus den 70-ern kannte, der sollte BODY PUZZLE eine Chance geben. Und wer gut gemachte Thriller mag, für den ist der Film ebenfalls ein klares Muss. Lamberto Bava hat hier sehr vieles sehr richtig gemacht, darum von mir eine absolute Empfehlung!

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    In Deutschland ist der Film als Media Book, DVD und BluRay bei X-Rated in einer sehr schönen Ausgabe erschienen. Ein gestochen scharfes Bild und ein hervorragender Ton sind leider auch heute noch alles andere als selbstverständlich, dazu kommen der italienische und der englische Ton, jeweils mit optionalen deutschen Untertiteln. Der US-amerikanische Trailer, ein Interview mit Lamberto Bava sowie ein hervorragender Audio-Kommentar von Dr. Marcus Stiglegger machen die VÖ zu einer wirklich runden Sache. Das Media Book hat dann auch noch ein Booklet mit einem Text von Gerd Naumann, aber da kann ich leider nichts zu sagen …

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    OFDb

    IMDb

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