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Blutiger Sonntag

Italien, 1991

  • Originaltitel: Ultrà
  • Alternativtitel:

    Norte-ultras-sur (ESP)

    Ultra - Blutiger Sonntag

    Ultra

  • Deutsche Erstaufführung: 03. September 1992
  • Regisseur: Ricky Tognazzi
  • Kamera: Alessio Gelsini Torresi
  • Musik: Antonello Venditti
  • Drehbuch: Simona Izzo, Graziano Diana, Ricky Tognazzi, Giuseppe Manfridi
  • Inhalt:

    Die Gewalt und die Kriminalität - am Rande des Fußballs - brachten Principe ins Gefängnis. Er war - und ist - einer der führenden Köpfe der AS Rom Ultras. Nach einer zweijährigen Haftstrafe kommt der Hooligan wieder zurück in sein vertrautes Umfeld. Seine Freundin Cinzia hat mittlerweile ein Verhältnis mit Principes bestem Freund Red. Principe ignoriert – vorerst - diese Situation und will sich wieder voll und ganz in die Ultraszene der Roma einbringen. Zusammen mit Gleichgesinnten will er sich auf den Weg nach Turin machen um dort gegen die Drughi, die Ultras von Juventus Turin, anzutreten. Es bahnt sich eine Katastrophe an. Ein menschliches Drama in dem gescheiterte Existenzen zu den Hauptprotagonisten werden.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Ultra“ startet seine Reise – durch die Welt der „extremen Fußballanhänger“ - mit schwarz/weiß Bildern. Ein Kurztrip in die Vergangenheit. Eine Zeit in der – für die AS Rom Ultras, Principe und Red - noch alles in Ordnung war. Zwei Kampfgenossen die dem knallharten Kern der römischen Hooliganszene angehören. Der Sprung in die Gegenwart zeigt, dass sich die Zeiten geändert haben. Principe hat zwei Jahre im Gefängnis gesessen. Sein Weg, zurück in den Alltag, birgt unangenehme Überraschungen. Red hat ein Verhältnis mit Principes Freundin. Das Wiedersehen der alten Weggefährten steht unter keinem guten Stern und kann einzig die Eskalation zur Folge haben. Dieses ist ein Teil der Thematik mit der sich Ricky Tognazzis „Ultra“ auseinandersetzt.

     

    Ferner rücken die Ambitionen, Motivationen und Ideologien eines Hooligans in den Vordergrund. Der Stolz auf das Fußballteam und der Hass - wenn es beim Team nicht erfolgreich läuft. Der Film lief 1991 im italienischen Kino an. Das „Jahr 1“, nach der Fußball-Weltmeisterschaft in Italien. Eine Phase die (in der Seria A) von den beiden Mailänder Fußballclubs, sowie dem SSC Neapel, dominiert wurde. Für den AS Rom ging es bergab und der Club versank im Mittelmaß der Tabelle. Diese unrühmlichen Fakten führen u.a. dazu das Tognazzi, beim Training der Roma, einen aufgebrachten Mob von Ultras präsentiert. Das Team liegt hinter seinen Ansprüchen - und vor allem hinter den Ansprüchen des harten „Fan-Kerns“. Principe schwärmt immer wieder von den alten Zeiten der Roma und ihrem Star - Paulo Roberto Falcão - dem „achten König von Rom“. Gloriose Geschichten die Cinzias kleinem Bruder - Fabio - funkelnde Augen bescheren. Doch auch die – gegenwärtige - sportliche Durchschnittlichkeit ist ein willkommener Grund um dem angestauten Frust freien Lauf zu lassen. Dazu gesellt sich die Frustration hinsichtlich der Regierung in Italien. Was Tognazzi leider nicht anspricht: viele Ultras, wie die von Lazio, Atalanta, Fiorentina, Hellas und Inter, sind seit den 1970er Jahren in die politischen Auseinandersetzungen der rechts- und linksextremen Szene in Italien verwickelt..

     

    Der Fußball fungiert, bei Tognazzi, nicht allein als Freizeitspaß - er ist der Grund für den Krieg auf den Straßen. Den Kriegen an den „Blutigen Sonntagen“. Abgesehen von den geschichtlichen Ereignissen in Belfast, Dublin, Derry etc., assoziiert man den „Blutigen Sonntag“ mit dem Fußball in der Seria A. Die blutige Schlacht am Rande des Stadions. Doch dazu später mehr.

     

    Principe, Red, Smilzo, Nazi und Co. verbindet die Liebe zu ihrer Heimatstadt Rom. Ein Umzug in eine andere Stadt wird dem Verrat gleichgestellt. Die Stadt Rom und dessen Club, AS, sind die wichtigsten Bestandteile ihres Lebens. Als Principe in einer stressigen Situation darauf hinweist - Red würde nach Lamezia Terme ziehen - löst dieses gewaltigen Missmut aus. Man sieht eine solche Vermutung bereits als Drohung und einen anstehenden Verrat. Die Identifikation mit dem AS Rom ist das Maß aller Dinge. Als sich der Mob auf den Weg nach Turin macht, werden die Ultras von einem ihrer ehemaligen Mitstreiter verabschiedet. Dieser hat seinen kleinen Sohn auf dem Arm und fordert ihn auf, dem Zug ein „Forza Roma“ hinterher zu rufen. Als der kleine Mann dieser energischen Bitte nicht nachkommt, droht ihm sein Vater mit Schlägen. Rohe Sitten. Die Vorbereitung auf den Ultra der Zukunft.

     

    Nachdem wir, im ersten Drittel des Films, die wichtigsten Charaktere kennen lernten, folgt die Zugfahrt nach Turin. Eine Reise die die Situation zwischen Principe und Red immer weiter eskalieren lässt. Der Hass macht sich in den eigenen Reihen breit. Mit der Ankunft in Turin startet „Ultra“ in sein letztes Drittel. Die Zusammenkunft von Roma-Ultras und den Juve-Drughi. Es kommt zu einem Szenario welches dem eines Bürgerkriegs nahe kommt. Mit Steinen werden die Roma-Ultras am Bahnhof empfangen. Unter der Begleitung der Polizei geht es zum Bus der die „Legionäre Roms“ zum Stadion befördert. Die anstehende Massenprügelei der beiden Ultra-Gruppierungen wird - von einer Handkamera - äußerst authentisch eingefangen. Es geht vor dem Stadio delle Alpi übel zur Sache. Steine fliegen durch die Gegend. Die Klingen der Messer schneiden sich in das Fleisch der jeweiligen Kontrahenten. Das Ganze wirkt faszinierend sowie beängstigend. Eine Konstellation von der - der 2005 entstandene Film - „Hooligans“ nur träumen kann. Dieses soll nicht als Abwertung verstanden werden, doch „Ultra“ schlägt Lexi Alexanders Film ziemlich klar. Die Überzogenheit und Klischeehaftigkeit, wie sie „Hooligans“ auslegt, hat keine Chance gegen den Realismus den „Ultra“ zu bieten hat.

     

    „Das ist nicht das Ende. Das ist verflucht noch mal nicht das Ende.“
    (Principe)

     

    „Ultra“ schert sich einen Dreck um das anstehende Fußballspiel und dessen Ausgang. Nach dem Straßenkrieg vor dem Stadion, geht es in den Innenraum. Der dortige Schauplatz ist ein WC in dem die Wasserrohre aus den Wänden gerissen werden um mit diesen Metallgegenständen den Gegner zu vernichten. Die Atmosphäre inmitten der demolierten Bedürfnisanstalt ist einzigartig. Die Protagonisten – allen voran Claudio Amendola und Ricky Memphis – ziehen in der finalen Filmphase eine grandiose Show ab. Für weitere Darsteller, wie z.B. Fabrizio Franceschi, ist „Ultra“ die einzige Filmrolle. Ob die Darsteller aus dem knallharten Kern der Roma Ultras stammen – ist mir nicht bekannt. Die „Nebendarsteller“ passen jedenfalls perfekt ins Bild. Wen es interessiert: das Spiel Juventus Turin gegen AS Rom endete in der Saison 1989/90 mit 1:1. 1990/91 siegte Juve mit 5:0.

     

    „Ultra“ ist, aus meiner Sicht, das Beste was man innerhalb der Thematik „Fußball und Gewalt“ zu Stande bekommen hat. Der Film geht auf seine Personen ein und vermittelt ein realistisches Gesamtbild. Spannend, intelligent und von einem fulminanten Finale - sowie einer brillanten Musik – gezeichnet.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    „Ultra“ wurde - erstmals 1994 - vom ZDF ausgestrahlt. Eine DVD Auswertung erhielt der Film durch das Label Sunny Bastards. Ein Label welches sich den Filmen um und über Randgruppen - sowie den individuellen Außenseitern der Gesellschaft - widmet. Somit konnten Szene-Klassiker wie „Suburbia“, „Brennende Langeweile“, „Made in Britain“ und „Verlierer“ dem DVD-Markt zugeführt werden. Als Extras bietet die „Ultra“ DVD den Song „Antifa Hooligans“ von der italienischen Oi-Punk-Band Los Fastidios. Das weitere – ca. 5 Minuten kurze - Extra "Hooligans/Ultras The Real Sight...“ beinhaltet Kommentare aus deutschen TV-Talkshows sowie Bildmaterial von Fußball-Schlachten.

  • Autor: Frank Faltin
  • Filmplakate

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