Blonde Köder für den Mörder

Deutschland | Italien, 1969

  • Alternativtitel:

    La mort sonne toujours deux fois (FRA)

    La morte bussa due volte (ITA)

    Hard Women (USA)

    The Blonde Connection (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 20. März 1970
  • Regisseur: Harald Philipp
  • Kamera: Claudio Racca
  • Musik: Piero Umiliani
  • Drehbuch: Sergio Garrone, Harald Philipp, Mario di Nardo
  • Inhalt:

    „Ich bin 60 und sie war gerade 25... Sie liebte Brillanten, den Namen Simmons und sich selbst.“

     

    Nachdem das blondes Millionärsflittchen Lois Simmons (Femi Benussi) am Strand eines italienischen Badeparadieses ermordet aufgefunden wurde, stellt sich recht schnell heraus, dass es sich hierbei um einen räuberischen Lustmord handelte, da dem Opfer nach dem Exitus ein sehr wertvolles Brillanten-Collier vom Hals weg entwendet wurde. Aus diesem Grund beauftragt der hinterbliebene Ehemann (Renato Baldini) den erfolgreichen Privatschnüffler Bob Martin (Dean Reed) mit der Suche nach dem Mörder und der gestohlenen Halskette seiner ermordeten Frau.

     

    Was bis dato aber keiner ahnt: Der kleinkriminelle Amato Locatelli (Riccardo Garrone) und sein Handlanger, der Bootsmann Riccardo Beni (Mario Brega) beobachteten in der Vornacht unabhängig voneinander den mörderischen Vorfall am menschenleeren Strand, bei dem die chronisch-untreue Miss Simmons während eines heißen Liebesspiels mit dem etwas sonderbaren Maler Francisco Villaverde (Fabio Testi) von diesem urplötzlich zu Töde gewürgt wurde. Der undurchschaubare Künstler verbrachte aufgrund eines einschlägigen Vorfalls in der Vergangenheit den Großteil seines bisherigen Lebens in einer psychiatrischen Fachklinik und lebt seit seiner Entlassung zusammen mit seiner nicht minder wundersamen Schwester Maria (Nadja Tiller) in einer abgelegenen Villa am Ortsrand des paradiesischen Feriendomizils.

     

    Aber anstatt ihre Beobachtungen der ermittelnden Polizei mitzuteilen, versuchen die beiden Kleinganoven ihre geheime Beobachtung viel lieber für ihre eigenen Zwecke zu nutzen, da sie gemeinsam mit ihrem Boss Charly Hollmann (Werner Peters) ein mächtiges Verbrechersyndikat um 100.000$ betrogen haben, im Nachhinein damit aber auflogen und somit täglich den Erhalt einer tödlichen Quittung durch den erbarmungslosen Abgesandten Professor Max Spiegler (Adolfo Celi) befürchten, der sich zudem bereits in Begleitung seines blonden Todesengels Sophia Ferretti (Anita Ekberg) auf einen Kurzbesuch angekündigt hat. Um ihrem Schicksal schlussendlich doch noch entgehen zu können, schmieden die drei Kleinkriminillen eine perfide Intrige gegen den ahnungslosen Maler Villaverde, indem sie dessen tödliche Unberechenbarkeit für ihre Zwecke zu instrumentalisieren versuchen.

     

    Wird es dem aufgeweckten Privatdetektiv Martin in Zusammenarbeit mit seiner blonden Gehilfin Ellen Kent (Ini Assmann) gelingen, Licht ins Dunkel dieser undurchschaubaren Raubmordgeschichte zu bringen und den wahren Täter letztendlich zu überführen?

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Regisseur Harald Phillip („DIE TOTE AUS DER THEMSE“, „UM NULL UHR SCHNAPPT DIE FALLE ZU“, „DER ÖLPRINZ“) - der sich zudem neben Sergio Garrone für das vorliegende Drehbuch verantwortlich zeigte - lieferte im Rahmen dieser deutsch-italienischen Co-Produktion einen recht unspektakulären und spannungsarmen Thriller ab, der aber aufgrund seines hochwertigen Aufgebots an erstklassigen Darstellern dem geneigten Genreliebhaber doch einen Blick wert sein sollte. Zudem wurde hier der Versuch unternommen, die fehlende Spannung durch das gehäufte Zeigen echter Kurven wieder wettzumachen, was angesichts des recht frühen Entstehungsjahres dann wiederum funktioniert zu haben scheint.

     

    An vorderster Front kämpft sich „Dean Reed” („BLEIGERICHT“, „DEIN LEBEN IST KEINEN DOLLAR WERT“, „Die CHRYSAMTHEMEN-BANDE“) als gutaussehender Roger Moore-Verschnitt durch das unüberschaubare Dickicht aus Intrigen und gerät dabei mehrmals zwischen die Fronten der mitmischenden Verbrecherbanden, wobei er in den Actionszenen eine eher eurospylastige Darbietung abliefert. Aber im Großen und Ganzen macht er seine Sache recht ordentlich. Kommen wir zu „Fabio Testi“ („DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL“, „NADA“, „RACKET“), der dieses mal einen scheinbar geheilten Psychopathen mimen darf und sich in einer Szene dem Zuschauer sogar bauchfrei mit zugeknoteten Oberhemd präsentiert. Seine Rolle meistert er dann aber mit Bravour und kann mit seiner Darstellung des undurchsichtigen und unheimlichen Malers über die gesamte Strecke des Films zur vollsten Zufriedenheit überzeugen. „Adolfo Celi“ („GEFAHR: DIABOLIK“, „MORD EXKLUSIV“, „MORD IN PERFEKTION“) versprüht in dieser mittelmäßigen Produktion alleine schon durch seine bloße Anwesenheit eine dermaßen hohe Präsenz, dass er eigentlich nichts mehr dazu beisteuern müsste, dies aber natürlich trotzdem vollzieht. Celi spielt bei dieser lahmenden Sause einen gnadenlosen Abgesandten des herrschenden Syndikats, der gemeinsam mit seinem blonden Todesengel „Anita Ekberg“ („DAS AUGE DES BÖSEN“, „DJANGOS BLUTIGE SPUR“, „GESTÄNDNIS EINER NONNE“) den abtrünnigen Kleinganoven die Quittung für ihr betrügerisches Handeln zukommen lassen soll. Das hinterhältige Verbrecher-Trio besteht hierbei aus dem unverwüstlichen „Mario Brega“ („EIN ENGEL FÜR DEN TEUFEL“, „LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG“, „CANNABIS – ENGEL DER GEWALT“), Sergio Garrones Bruder „Riccardo Garrone” (“ANDERE BETEN - DJANGO SCHIESST”, “DJANGO UND SARTANA – DIE TÖDLICHEN ZWEI”, “DICKE LUFT IN SACRAMENTO”) und “Werner Peters” (“ZWISCHENLANDUNG DÜSSELDORF”, “DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE”, “PERRAK”), wobei die Rolle des Letztgenannten stellenweise leider etwas zu sehr nach “heile Welt-Kino” riecht. Aber ansonsten erledigt auch er seinen Job recht ordentlich und kann zudem als fremdbetitelter “Sauerkrautfresser” im Zusammenspiel mit dem “neapolitanischen Genie” (Garrone) recht gut gefallen. Für die weibliche Hauptrolle zeigt sich die reizende “Ini Assmann” (“CARRERA – DAS GEHEIMNIS DER BLONDEN KATZE”, “EXZESS – MORD IM SCHWARZEN CADILLAC”, “AUF SCHEIßER SCHIEßT MAN NICHT”) verantwortlich , in der sie als verführische und zudem selbstbestimmte Ellen Kent den “blonden Köder” für den vermeintlichen Lustmörder verkörpern darf und dabei dem guten Fabio Testi völlig den Kopf verdreht. “Nadja Tiller” (“ENGEL, DIE IHRE FLÜGEL VERBRENNEN”, “DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES”, “DER MÖNCH UND DIE FRAUEN”) spielt hierbei die Rolle der Testi-Schwester, welche ständig amoröse Gefühle ihrem Bruder gegenüber hegt und im Gesamten genau so sonderbar wie dieser erscheint. Zudem gibt es eine barbusige und blondgefärbte Femi Benussi (“SCARLETTO – SCHLOß DES BLUTES”, “HATCHET FOR THE HONEYMOON”, “DER MAFIABOSS – SIE TÖTEN WIE SCHAKALE”) zu bestaunen, wobei deren zugesprochene Auftrittszeit leider sehr dürftig ausfällt. Zu guter letzt sei auch noch kurz auf den insgeheimen Held dieser fadenscheinigen Geschichte hingewiesen, den urdeutschen Schäferhund “Fritz”, der gleichfalls mit vollem Einsatz bei der Sache ist und unermüdlich bis zum bitteren Ende seinen “inneren Wolf” steht.

     

    Bei der deutschsprachigen Synchronisation wurde dann aber wiederum ganze Arbeit geleistet, da diese schlussendlich sehr gut geworden ist und mit einer stimmigen Sprecherauswahl aufwartet. Aber auch bei der Schnittfassung hat der deutsche Cut (sowohl KF als auch VHS) überraschenderweise die Nase vorn, da dieser gegenüber der US-Fassung eine 5 min. längere Spielzeit, gegenüber der niederländischen VHS-Fassung eine 14 min. und gegenüber der italienischen TV-Fassung sogar eine 17 min. längere Laufzeit aufweist und somit international die längste Fassung zu sein scheint.

     

    Abschließend sollte auch noch kurz auf den sehr loungigen Score von Piero Umiliani eingegangen werden, der bestens zu den gezeigten Bildern passt und eher unauffällig im Hintergrund mitswingt.

     

    Fazit: Ein Schaulauf hochkarätiger Genre-Darsteller auf einem etwas unprofessional zusammenschraubten Laufsteg.

  • Autor: Richie Pistilli
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