Suchen

Blaue Bohnen für ein Halleluja

Italien, 1968

  • Originaltitel: Little Rita nel West
  • Alternativtitel:

    A Rainha do Gatilho (BRA)

    Rita en el West (ESP)

    T'as le bonjour de Trinita (FRA)

    Crazy Westerners (USA)

    Little Rita nel West

    Rita of the West

  • Deutsche Erstaufführung: 07. September 1973
  • Regisseur: Ferdinando Baldi
  • Kamera: Enzo Barboni
  • Musik: Robby Poitevin
  • Drehbuch: Ferdinando Baldi, Franco Rossetti
  • Inhalt:

    Im Auftrag des Häuptlings Sitzender Büffel suchen Big Little Rita („Das größte Luder im ganzen Westen“, sagt zumindest Django, und der muss es ja wissen) und Francis Scott Fitzgerald alles Gold des Landes zusammen, um es in einer Höhle zu verstecken und dort anschließend zu vernichten. Aus diesem Grund, nämlich um an deren Gold zu kommen, erschießt Rita mit ihrem goldenen Colt zuerst Jesse James und dessen Bande, setzt sich dann mit Ringo auseinander (der vorher Zorro und seine Leute umgelegt hat!), und hilft zu guter Letzt Django einen neuen Friedhof einzuweihen. Doch dann begegnet sie Texas-Joe mit den blauen Augen, und sie schlägt Purzelbäume und fühlt sich glücklich. Und wird dabei unachtsam und darum von Pancho Villa und seinen Leuten gefangen genommen. Texas-Joe befreit die beiden, doch sind seine Motive wirklich so selbstlos und romantisch wie Rita glaubt?

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Und immer wenn man denkt man hat schon alles gesehen …

     

    Rita Pavone: 149 cm groß, 36 Kilo, ein Energiebündel vor dem Herrn und eine herausragende Schlagersängerin (u.a. „Wenn ich ein Junge wär“).

    Italo-Western: Unrasierte, südländisch wirkende Schönlinge üben entweder eine Rache aus, suchen Gold, oder beides gleichzeitig, immer unter Einsatz exzessiver Gewalt und zynischer Sprüche. Gestorben wird schnell im Italo-Western, gesungen nur in den Vor- und Abspännen.

     

    Das Ergebnis aus dieser Kreuzung ist dann *Tusch* ein Italo-Western-Musical! Ja ja, so etwas gibt es!! Alle paar Minuten wird gesungen, und die Indianer oder die Typen im Saloon tanzen dazu richtig nette Choreographien. Wenn Lucio Dalla (ja, der Lucio Dalla, der Sänger) in die Tasten haut beginnt sofort eine richtige Orchestrierung, und alle lachen dauernd oder schießen lustig in die Luft oder beides gleichzeitig. Der im Sterben liegende Livio Lorenzon freut sich richtig über die fetzige Gesangsnummer: „Das ist ein schöner Tod“ und aus die Maus. Rita und Lucio kriegen sich gar nicht mehr ein vor Lachen …

     

    Und jetzt kommt es: Das ganze funktioniert sogar einigermaßen. OK, ein paar Mal tut es weh. So richtig weh. Gordon Mitchell als Häuptling Sitzender Büffel, mit sooooo großen Zähnen und Häuptlingsschmuck, an einer Wasserpfeife nuckelnd an einem Schreibtisch sitzend, und mit der Stimme von Wolfgang Hess (Stammsprecher von Bud Spencer) ausgestattet - Das schmerzt schon ziemlich.

    Django zieht mit seinem Sarg durch die Prärie, hat völlig zerschlagene Hände, und möchte beim Sterben seine Lebensgeschichte erzählen: „Bitte lass mich auf amerikanisch sterben. Ich will Dir noch erzählen wie mein Leben war. Indische und japanische Helden sterben immer sofort. Ich bin ein amerikanischer Pistolero. Ein berühmter Pistolero. Und ich habe ein Recht auf zwei Minuten Nostalgie. Als ich ein Kind war …“ Rita singt sich derweil einen.

    Auch gar lustig ist die Schlägerei zwischen dem früheren Maciste-Darsteller Kirk Morris und Little Rita, in der natürlich Maciste den wesentlich kürzeren zieht und zusammengeschlagen wird. Der will sich dann mit Lee van Cleefs Langpistole aus ich glaube FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR revanchieren, aber Little Rita (die im Übrigen Clint Eastwoods Brustpanzertrick aus FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR kopiert) greift zur heiligen Handgranate …

     

    Ihr merkt schon, hier muss man eiserne Lachmuskeln mitbringen. Wer denkt dass DER SCHUH DES MANITU lustig ist (ist er), der darf hier auch zuschlagen, nur dass Little Rita halt nicht ganz das Niveau von Bully Herbig mitbringt sondern kleinere Brötchen backt. Auf der anderen Seite: Die Musik ist schmissig und gut hörbar (wenngleich es gerne eine Handvoll Melodien mehr hätten sein dürfen), die Choreografien sind ansehnlich und machen Spaß (vor allem was die Indianer da abliefern ist nicht von schlechten Eltern und lässt die Kinnlade öfters mal nach unten klappen), die gute deutsche Synchro veräppelt alles was bei drei nicht im Sarg ist, und die Schauspieler hatten bis auf einen deutlich Spaß bei der Sache. Der eine ist Terence Hill als Texas-Joe (der im Original Black Star heißt), welcher schon sehr ungelenk durch die Gegend stakst und sich das mit dem Westernhelden sichtlich anders vorgestellt hatte. Im selben Jahr sollte er noch einmal mit Rita Pavone zusammen die Kriegskomödie ETAPPENSCHWEINE drehen, von Steno inszeniert und angeblich sehr gut und spritzig, bevor seine Karriere dann endlich den Verlauf nahm den er sich wahrscheinlich erhofft hatte.

     

    Wesentlich mehr kann man dazu nicht sagen. Doch, ein wenig Trivia darf ruhig sein: Der Sheriff wird von Sänger und Musikproduzent Teddy Reno gespielt, den Rita im Jahr darauf ehelichte. Und der Trompetenspieler bei Ringos Einritt in die Stadt ist Nini Rosso, ein bekannter Trompeter und Sänger. Der gezeichnete Vorspann könnte meines Erachtens von Bruno Bozzetto sein, aber dafür habe ich keinerlei Belege gefunden. Außer dass die Figuren genauso aussehen wie in dem zwei Jahre früher entstandenen WEST AND SODA. Und wenn ich das richtig verstanden habe, wurde der Film nach dem Erfolg der Spencer/Hill-Komödien in Frankreich erneut veröffentlicht, aber ohne die Musical-Nummern. Und aus Black Star wurde, man ahnt es, Trinità …

     

    Insgesamt braucht man schon ein wenig Durchstehvermögen, aber lustig und spritzig ist LITTLE RITA allemal. Und herrlich abgedreht …

  • Autor: Maulwurf
  • Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.