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Black Magic

Italien, 1976

  • Originaltitel: La principessa nuda
  • Alternativtitel:

    La princesa negra (ARG)

    La princesa desnuda (ESP)

    Parties déchaînées (FRA)

    The Nude Princess

    Die schwarze Nymphomanin 4. Teil - Woodoo Orgasmo

  • Regisseur: Cesare Canevari
  • Kamera: Claudio Catozzo
  • Musik: Detto Mariano
  • Drehbuch: Cesare Canevari, Antonio Lucarella
  • Inhalt:

    Prinzessin Mariam lebt in einem afrikanischen Land, das unter der Diktatur seines größenwahnsinnigen Generals leidet. Sie erhält den Auftrag nach Mailand zu reisen, um dort die globalen Geschäftsbeziehungen zu pflegen. In Italien ist man von der schwarzen Schönheit schwer begeistert, und Frauen wie Männer haben nur eines im Kopf. Dem Objekt der Begierde gehen die Anmachen allerdings „am Arsch vorbei“. Mariam ist eher frigide, als heißblütig. Schwere Zeiten für den Journalisten Marco, der die Abgesandte des Diktators in einen Sexskandal verwickeln soll.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Die Krise, die das Kino (auch noch) Mitte der 1970er Jahre erlebte ist – zumindest für uns Schmuddel- und Gewaltjunkies – ein geliebter Jungbrunnen. Die Kinos kämpften ums „nackte Überleben“, und setzten auf anspruchslose Lichtspiele wie Italo-Western, Horrorfilme, Kung Fu-Filme und… na was wohl? Sexploitation. Titten, Sex und Gewalt waren (und sind) nun mal in. Der Kosmos des Sexploitationfilms vergrößerte sich mit jedem abgelaufenen Monat. Gratwandler, die ganz zaghaft bei der Pornografie „anklopften“ und (unter der Knute von Roughie Dogmen) der Gewalt nicht abgeneigt waren. Der Schmuddelsamen war reich gesät, und Laura Gemser wurde zur Sleaze-Goddess des italienischen Genrekinos. Eine ihrer Konkurrentinnen (die allerdings nie am Sockel der Königin kratzen konnte) war Ajita Wilson. Trotzdem lässt sich der geheimnisvolle Mythos um ihre Person nicht leugnen, denn selbst ihr Ableben sorgt innerhalb der Fanszene für unterschiedliche Angaben.

     

    Ajita Wilson wurde um 1950 (ein genaues Datum lässt sich nicht ermitteln) als George Wilson geboren. In den 1970er Jahren unterzog sie (er) sich einer Geschlechtsumwandlung, die in Europa vollzogen wurde. Mitte dieses Jahrzehnts wurde sie für den Film entdeckt und stieg zu einer festen Größe innerhalb des (S)Exploitation-Cinema auf. Eine ihrer ersten Filmrollen erhielt sie in „Gola profanda nera“, was ins Englische übersetzt, „Black Deep Throat“ (woran erinnert diese Firmierung eigentlich?) bedeutet. In Deutschland wurde „Gola profanda nera“ als „Die schwarze Nymphomanin“ vermarktet. Eine dieser deutschen Videokassetten befand sich (angeblich!) im Besitz von Erich Honecker.

     

    Im Entstehungsjahr von „Gola profanda nera“, erblickte auch „Black Magic“ die Leuchtkraft der italienischen Lichtspiele. Ein Film, der recht verheißungsvoll an den Start geht. Skurrile Gestalten treiben in „Bella Italia“ ihr Unwesen. Es regieren Verbrechen und Mord. Unterbrochen wird die kleine Gewaltorgie, immer wieder vom Auftritt einer farbigen Stripteasetänzerin. Das Ganze wirkt auf Sexploitation-Fans, oder besser gesagt auf unverbesserliche Lüstlinge und Krawallbrüder, sehr ansprechend. Leider verlässt „Black Magic“ diese straighte Sex & Crime-Schiene.

     

    „Sag ihnen, es gibt nur einen weißen Mann, den ich als meinesgleichen respektiere.“ (General)
    „Wen denn?“ (Untergebener)
    „Adolf Hitler.“ (General)

     

    So die Selbsteinschätzung eines farbigen Diktators, der die Prinzessin Mariam nach Mailand schickt um „außenpolitische Beziehungen“ pflegen zu lassen. Leider gestaltet sich dieses Unterfangen etwas träge. Es wird viel geredet, aber wenig gesagt. Ajita Wilson hält sich, in der Rolle der Schmuddelprinzessin sehr zurück. Ihre Auftritte in „Black Aphrodite“, „Liebeshexen vom Rio Cannibale“ und „Sadomania - Hölle der Lust“ sagen (mir zumindest) wesentlich mehr zu. Auch der Schmuddelsex kommt deutlich zu kurz. Stattdessen setzt der Film auf eine (teilweise schon) künstlerisch anmutende Machart. Hierbei drängt sich der Anblick einer Voodoosession in den Vordergrund. Dass Cesare Canevari extravagante Bildkompositionen beherrscht, hat er oftmals bewiesen. Ein sehr gutes Beispiel ist „Willkommen in der Hölle“ (1970).

     

    „Black Magic“ orientiert sich an den Grundschemen der „Emmanuelle-“ sowie der „Black Emanuelle-Filme“. Die Hauptprotagonistin kommt in ein fremdes Land und sieht sich allerlei neuen Bekanntschaften gegenüber gestellt. Doch (unsere) Prinzessin Mariam hat ihr Sexualleben nicht im Griff. Es „scheint“ beinahe so, als kenne sie ihre eigenen Neigungen nicht. Wenn man es böse meint, dann könnte man auch von einer Langweilerin sprechen. Mir fehlt einfach jenes Feuer, das Laura Gemser und Sylvia Kristel im Sekundentakt auf der Leinwand entfachen konnten. Ajita Wilson hat es (zumindest in diesem Film) nicht drauf.

     

    "She was charming, beautiful and very professional. The rest is not important."
    (Carlos Aured über Ajita Wilson)

     

    Cesare Canevari hat mit „Black Magic“ – abgesehen von der eher enttäuschenden Präsentation seiner Hauptdarstellerin – einen ordentlichen Film inszeniert. Ich mag auch nicht von einem reinen Sexploiter reden, denn Canevari bringt auch die Tendenzen anderer Genres in die Gestaltung ein. Hier sei auf die kleinen politischen Spitzen, das Anprangern von Rassismus und Faschismus, sowie auf einige surreale Anlagen hingewiesen. Eine Voodoosession lässt uns in fremde Welten eintauchen, Trommelklänge und exzessiver Tanz versetzen die Praktizierenden in Ekstase. Sie driften in einen Liebesrausch, der im Prinzip die Rückkehr zu den irrationalen Träumen symbolisiert. Eine (surreale) Art der persönlichen Befreiung. Neben solchen (am Arthaus orientierten) Ausdrücken, macht sich auch die Bodenständigkeit einer schlichtweg geklauten Szene (wie sich das schon wieder anhört, ich favorisiere auch eher das Wort: Hommage) bemerkbar. Gemeint ist die Akupunkturszene aus „Emanuela 2- Garten der Liebe“ in der sich Sylvia mit allerlei Nadeln „beglücken“ lässt.

     

    Neben Ajita Wilson begegnen uns, Tina Aumont (Gladys) und Luigi Pistilli in der Rolle des Reporters Marco. Tina erinnert mich - aufgrund ihrer Frisur - ein wenig an Linda Lovelace (die HC-Ikone, die einst Pornografie und Spießbürgertum einen wollte, und im Endeffekt genau daran gescheitert ist). Frau Aumont hielt (hält?) scheinbar nicht allzu viel davon, sich unter den Achseln zu rasieren. Eine äußerst haarige Angelegenheit. Für weitere haarige Situationen soll Luigi (als Vertreter der „Lügenpresse“) sorgen.

     

    „Black Magic“ ist ein Film der mich weder zu einem Verriss, noch zu Lobeshymnen hinreißen kann. Der Film ist Durchschnitt. Es gibt Wichtigeres in der „must-see area“ von Sexploitation. Was bei „Black Magic“ allerdings volle Kanne reinhaut ist das (von Hously Rose interpretierte) Maintheme „A Beautiful Lady“. Eine grandiose Komposition mit einem wunderschönen Refrain.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    „Black Magic“ wurde innerhalb der X-Rated Hartboxen Reihe als Nummer 197 veröffentlicht. Diese Veröffentlichung bietet den Film in einer sehr guten Bildqualität. Als Extras werden 20 Fotos sowie der (8 Bilder umfassende) italienische Kinoaushang präsentiert.

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

    OFDb

    IMDb

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