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The Black Cat

Italien, 1981

  • Originaltitel: Il gatto nero
  • Alternativtitel:

    Gatto Negro (BRA)

    Musta Kissa (FIN)

    Le chat noir (FRA)

    I mavri gata (GR)

    I kattens klor (NOR)

    O Gato Preto (POR)

  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Sergio Salvati
  • Musik: Pino Donaggio
  • Drehbuch: Lucio Fulci, Biagio Proietti
  • Inhalt:

    Die unheimliche Katze eines einsiedlerischen Totenbeschwörers schleicht durch die Gassen einer einsam gelegenen Ortschaft im englischen Hinterland. Wer ihr zu nahe kommt, erlebt den nächsten Morgen nicht mehr...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Anfang der 80er (und danach im Jahre später folgenden Splatterfilm-Revival auf VHS) galt die ungeteilte Aufmerksamkeit und Ehrfurcht der Gorehounds natürlich Lucio Fulcis großen Zombiefilmen, die wie eine Sintflut aus Blut, Maden und Gedärmen über das Fandom hereingebrochen sind.

     

    Da gingen die weniger blutrünstigen Horrorfilme, die Fulci mit weitgehend identischer Crew und ebenso kultiger Besetzung in derselben Periode gedreht hat, völlig unter. MANHATTAN BABY aus dem Jahr 1982 konnte immerhin eine Veröffentlichung in der "Schwarzen Serie" des berüchtigten deutschen Astro-Labels während des High Noons des Splattervideozeitalters vorweisen. Fulcis lose Poe-Adaption THE BLACK CAT, haargenau zwischen EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL und GEISTERSTADT DER ZOMBIES entstanden, ist da schon tiefer in der Versenkung verschwunden. Ich muss gestehen, dass auch ich - goreblind wie alle anderen- Fulcis Poe'sche Katze bis vor kurzem völlig übersehen habe. Nun ist aber auch diese letzte Lücke im Werk des italienischen Gore & Giallo-Maestros endlich geschlossen.

     

    Wird MANHATTAN BABY nicht zuletzt wegen seiner umstrittenen Qualität im Fandom etwas verpönt, so verbirgt sich hinter THE BLACK CAT ein überraschend gelungener und sehenswerter italienischer Horrorfilm. Das Dasein als (Friedhofs-)Mauerblümchen hat er eigentlich gar nicht verdient.

     

    In den ersten zehn Minuten stört kaum ein gesprochenes Wort die Einstimmung auf diesen gefällig in düsterer Atmosphäre schwelgenden Film, der nur sporadisch Bezug auf seine literarische Vorlage nimmt. Es spricht nur die in ihren besten Momenten fast schon hypnotische Filmmusik von Pino Donaggio in wunderbarem Einklang mit Sergio Salvatis äußerst stimmungsvoller Fotografie.

     

    Gedreht wurde in einer abgeschiedenen Ortschaft in England. Es ist eine trügerische Ruhe, die über den stillen Gassen und morbiden Beinhäusern liegt. Durch die Straßen streift nämlich eine schwarze Katze, die im Folgenden manchem Dorfbewohner ein bizarres, mitunter gar nicht mal so unblutiges Ableben bescheren wird.

     

    Wie in fast all seinen Horrorfilmen -ob diese nun EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL oder MANHATTAN BABY heißen- bedient sich Fulci auch in THE BLACK CAT der Set Piece-Methode. Er unterteilt die Handlung in einer Reihe alptraumhafter Szenarien, die auf den ersten Blick wirr und unzusammenhängend wirken, aber gerade deshalb eine beklemmend irrationale Stimmung schaffen. Im Gegensatz zu seinen Zombiefilmen nutzt er diese allerdings nicht für brachiale Ekeleinlagen, sondern zum Weben einer morbiden Atmosphäre, die der Poe'schen Vorlage zwar nicht strikt folgt, ihr aber den nötigen Respekt zollt.

     

    Außerdem versammelt sich in diesem düsteren, englischen Dorf alles, was im italienischen Horrorfilmen Rang und Namen hat und hatte. Der unvergessene David Warbeck und Fulci-Stammspieler Al (WOODOO) Cliver spielen Polizisten, Mimsy (PERFUME OF THE LADY IN BLACK) Farmer die Damsel in Distress. Ein unheimlicher Patrick Magee ist nicht nur Katzenbesitzer, sondern auch eremitenhafter Okkultist, der des Nachts an den Gräbern die Stimmen der Toten auf Tonband aufzeichnet. Und die in diesen Tagen bereits recht füllig gewordene einstige Sex & Giallo-Queen Dagmar Lassander ist ebenso mit von der Partie wie Fulcis ewiges Opfer Daniela Doria. Es ist kein großer Spoiler, wenn ich an dieser Stelle verrate, dass das Mädchen, welches in EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL ihre Eingeweide auskotzt, in DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER ein Messer in den Hinterkopf gerammt und vom NEW YORK RIPPER Augapfel und Brustwarze per Rasierklinge durchschnitten bekommt, auch diesen Film nicht überleben wird...

     

    Fazit: Entstanden zwischen EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL und GEISTERSTADT DER ZOMBIES ist dieser vergleichsweise maden-arme, aber herrlich morbide Horrorfilm von Lucio Fulci im Blut- und Gedärmetsunami seiner Splatterklassiker völlig untergegangen. Zu unrecht, denn die lose, aber alles andere als gewaltfreie Adaption der berühmten Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe verbindet ganz gefällig die Fulci-typische Methode der alptraumhaften Set Pieces mit dem Geist einer klassischen Schauermär.

  • Autor: Christian Ade
  • Veröffentlichungen:

    Sehr hochwertig veröffentlicht ist der Film als Mediabook von Arrow Video, UK. Erschienen ist diese Fassung in einer limitierten Box, zusammen mit YOUR VICE IS A LOCKED ROOM AND ONLY I HAVE THE KEY unter dem Titel BLACK CATS. Beide Filme liegen jeweils als BluRay und DVD in einem eigenen Amaray mit Wendecover vor, die Box kommt dann in einem schön gestalteten und stabilem Schuber dem noch ein 80-seitiges Buch beiliegt.

     

    Auf der Disc enthalten sind neben der englischen und der italienischen Sprachfassung (diese mit englischen Untertiteln) noch ein Audiokommentar des Fangoria-Herausgebers Chris Alexander, eine Featurette über die Dreharbeiten und den Film, ein deutsch geführtes und untertiteltes Interview mit Dagmar Lassander, ein englisches (und leider nicht untertiteltes) Interview mit David Warbeck von 1995 sowie eine Drehortbegehung mit Stephen Thrower.

     

    Im Booklet sind dann sehr informative Texte enthalten über Edgar Allen Poe, über YOUR VICE …, natürlich auch über BLACK CAT, ein wenig Details über die Restaurierungsarbeiten an den Filmen gibt es, das letzte Interview mit Lucio Fulci aus dem Jahr 1996 ist enthalten sowie - Poes Geschichte THE BLACK CAT. Dass Bild und Ton wie bei Arrow üblich überdurchschnittlich sind muss nicht weiter erwähnt werden.

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

     

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