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Der Berserker

Italien, 1974

  • Originaltitel: Milano odia: la polizia non può sparare
  • Alternativtitel:

    La rançon de la peur (FRA)

    Almost Human (USA)

    The Death Dealer (USA)

    The Kidnap of Mary Lou (USA)

    The Executioner

  • Regisseur: Umberto Lenzi
  • Kamera: Federico Zanni
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi
  • Inhalt:

    Der kleine Gauner Giulio Sacchi (Tomas Milian) vermasselt als Fahrer einen Bankraub, indem er einen Verkehrspolizisten erschießt und fällt so bei der Unterwelt in Ungnade. Nur kurze Zeit später tötet er erneut einen Polizisten, der ihn beim Knacken eines Zigarettenautomaten ertappt. Commissario Grandi (Henry Silva) ist schockiert, dass jemand bereit ist, für gerade mal 600 Lire Beute einen Polizisten zu ermorden, und er glaubt nicht, dass man den Täter je finden wird.

     

    Sacchi versucht nun, im Alleingang einen großen Coup zu landen. Er überzeugt die Kleingauner Vittorio (Gino Santercole) und Carmine (Ray Lovelock) ihm dabei zu helfen, die Tochter des Industriellen Porrino (Guido Alberti) zu entführen. Die Idee dazu kommt ihm durch seine Freundin Iona (Anita Strindberg), die in Porrinos Firma arbeitet. Unter Drogen- und Alkoholeinfluss und nachdem sie sich ebenfalls gewaltsam Waffen besorgt haben, wagen sie ihren Entführungsversuch, doch zunächst entkommt ihnen Marilù Porrino (Laura Belli) in ein nahegelegenes Landhaus, wo gerade eine Party stattfindet.

     

    Die drei Gangster folgen ihr und richten dabei ein Massaker an. Die Entführung Marilùs ist jedoch gelungen und ihr Vater soll das Geld überbringen. Doch es gibt eine Mitwisserin, die Sacchi beseitigen will, nämlich seine Freundin Iona. Er versenkt sie mit ihrem Wagen, den er und seine Kumpane für die Entführung benutzt haben im Lago D’Iseo, doch die Leiche wird schnell gefunden und Commissario Grandi kommt so auf die Spur der Täter. Doch wird es ihm auch gelingen, Beweise zu finden und die Entführte zu retten?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Your just a shit full of drugs!“

      

    „Milano odia: la polizia non può sparare” („Mailand hasst: die Polizei darf nicht Schießen“ oder anders übersetzt “Der Berserker”) ist ein bösartiges Kleinod im Genre des Poliziesco. Man darf nicht zu lange über die Intention dieses Filmes nachdenken, sonst verdirbt man sich womöglich den Spaß an einem sehr spannend inszenierten und grandios gespielten Gangsterfilm. Letztendlich verbreitet „Der Berserker“ aber die Theorie, Gewalt könne man nur durch noch mehr Gewalt eindämmen.

     

    Umberto Lenzi meint zwar, er habe mit dem Portrait Sacchis deutlich auf die sozialen Missstände in Italien hingewiesen, trotzdem ist das rechts-reaktionäre Gedankengut dieses Films kaum zu übersehen. Zwar erfahren wir tatsächlich einiges darüber, was diesen Sacchi antreibt, doch was sehen wir da? Einen Feigling, nicht sehr helle, neidisch auf die Besitzenden, keinen Bock zu arbeiten, und der erst mit der Maschinenpistole in der Hand zu neuem „Mut“ Findet. Sein Verhältnis zu seiner Freundin ist denkwürdig, er nutzt sie aus, und wenn er ihr Versprechungen macht, kann er ihr zwar nicht schwören sie zu lieben, dafür aber sie ihr Leben lang zu F... – und selbst das ist gelogen.

     

    Giulio Sacchi wird hervorragend von Tomas Milian dargestellt, der behauptete, sich mithilfe von Alkohol und Drogeneinnahme auf seine Rolle vorbereitet zu haben. Real denke ich, dass er das nach seiner bis dahin 15 Jahren Filmerfahrung nicht nötig hatte. Da ist mir eher Ray Lovelock aufgefallen, der in der Szene mit dem Massaker kreidebleich an einem Türrahmen lehnt und denkwürdig winzige Pupillen hat.  Anita Strindberg und Laura Belli spielen ihre Rollen ebenfalls überzeugend. Ein wenig schwächelnd wirkt Henry Silva in weiten Teilen seiner Performance als Commissario Grandi. Der Mann bleibt über lange Strecken undurchsichtig und distanziert, hier hilft aber das Drehbuch von Ernesto Gastaldi, dem Zuschauer die Figur zugänglicher zu machen. Da fand ich Silva in Emilio Miraglias „The Falling Man“ (Quella carogna dell'ispettore Sterling, 1968) weitaus überzeugender. In einer Nebenrolle als Sacchis Anwalt kann man gegen Ende Komödien-Regisseur Mariano Laurenti entdecken sowie Tom Felleghy in derselben Szene als Richter.

     

    Aufgrund der Besetzung, des guten Drehbuchs und der Musik von Ennio Morricone möchte man „Der Berserker“ erst mal im höher budgetierten Poliziesco ansiedeln, und wahrscheinlich liegt man damit auch richtig. Trotzdem muss man mit Archivmaterial rechnen. Bei der Autoverfolgungsjagd zu Anfang wurden Szenen aus dem ebenfalls von Luciano Martino produzierten und von dessen Bruder Sergio Martino gedrehten „The Violent Professionals“ (Milano trema: la polizia vuole giustizia, 1973) verwendet. Dieselben Einstellungen tauchen 1975 nochmals in Umberto Lenzis „Die Viper“ (Roma a mano armata) auf. Zudem wird Lenzi viele Locations aus „Der Berserker“ in seinen künftigen Polizeifilmen wiederverwenden. Auf die in seinen späteren Poliziescos typische episodenhafte Struktur verzichtet er hier noch. Die Dreharbeiten fanden unter anderem in Mailand, Lugano, Bergamo und am Iseosee statt, die Innenaufnahmen entstanden im Studio in Rom.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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