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Auge um Auge

Italien, 1975

  • Originaltitel: La città sconvolta: caccia spietata ai rapitori
  • Alternativtitel:

    Running Guns - Die Nacht der Rache (D – VHS)

    Colère noire (F)

    Dirty Deal (F - VHS)

    Kidnap Syndicate (USA)

  • Regisseur: Fernando Di Leo
  • Kamera: Erico Menczer
  • Musik: Luis Bacalov
  • Drehbuch: Fernando Di Leo, Ernesto Gastaldi, Galliano Juso, Nicola Manzari
  • Inhalt:

    "Diese Meinung teile ich nicht... Nein, ganz und gar nicht. Jemand hat aufgeräumt und keine Spuren hinterlassen. Eine konkurierende Bande war es bestimmt nicht. Da hat jemand eine riesen Wut im Bauch gehabt und das war jemand der nichts mehr zu verlieren hat. Er hat nur ein Motiv: Rache! Und bisher war er sehr erfolgreich und er wird weitermachen. Kein Gesetz hindert ihn, für ihn existiert nur der Begriff "gut oder böse" und wer mordet, wird selber getötet... und er hat recht."

     

     

    Diese Worte würden in der Regel das Tagesgeschäft des unerbittlichen Kommissars Eisen beschreiben, aber dieses Mal treffen sie auf den wutentbrannten Luc Merenda in der Rolle des bürgerlichen KFZ-Mechanikers Mario Colella zu, dessen Sohn Fabrizio (Marco Liofredi) versehentlich Opfer einer Entführung wurde. Eigentlich sollte der Anschlag ausschließlich dem Sohn des sehr vermögenden Ingenieurs Filippini (James Mason) gelten, doch als Fabrizio die Entführung seines besten Freundes bemerkt und mit Händen und Füßen verhindern möchte, sacken ihn die Gangster kurzer Hand mit ein.

     

    Da die finanziellen Möglichkeiten des verschuldeten Mechanikers Mario sehr begrenzt sind, liegt das Schicksal seines Sohnes ausschließlich in den Händen des finanzstarken Ingenieurs, der gerade wegen seines Reichtums von den Gangstern als potenzielles Erpressungsopfer erkoren wurde.

    Doch Filippini ist ein abgebrühter und gewissenloser Geschäftsmann, der gar nicht daran denkt, den Erpressern die geforderte 1 Million $ Lösegeld zu überlassen. Über seinen Anwalt lässt er zunächst der Presse die folgende Mitteilung zukommen:

     

    "Der Ingenieur hatte keinerlei Feinde und was Herrn Colella betrifft, was könnte ein Handwerker schon für Feinde haben. Im Übrigen meine Herren, ist der Ingenieur fest entschlossen, keinen Pfennig heraus zurücken.... Es wurde viel Unsinn über das Vermögen des Ingenieurs geschrieben, mein Klient ist kein Millionär wie sie vielleicht annehmen, die Wahrheit ist ganz anders. Sie alle wissen, dass die Bauwirtschaft in der Krise steckt. Von dieser Flaute wurde selbstverständlich auch mein Klient getroffen, das ist doch ganz natürlich. Das Fehlen von Liquidität will natürlich nicht besagen, dass er pleite ist..."

     

     

    Insgeheim versucht er aber hinter dem Rücken des ermittelnden Kommissars Magrini (Vittorio Caprioli) die Verhandlungen mit den Entführern selbst in die Hand zu nehmen, um die geforderte Summe letztendlich auf ein Drittel herunter handeln zu können. Doch seine Rechnung geht nicht auf und führt zur völlig unerwartenden Hinrichtung des unschuldigen Fabrizios.

     

    Völlig geschockt über die Skrupellosigkeit der Gangster lässt der saubere Herr Ingenieur nun schnellstens die Million Lösegeld springen und kann daraufhin seinen (zu bemitleidenden) Sohn wieder wohlbehalten in die Arme schließen.

     

    Für Mario geht die Welt mit dem Tode seines geliebten Sohnes nun endgültig für ihn unter und der friedfertige KFZ Mechaniker verwandelt sich ratzfatz in einen erbarmungslosen Racheengel, der nur noch ein Ziel vor Augen hat: Vergeltung für den sinnlosen Tod seines unschuldigen Sohnes!

    Nachdem der einsame Rächer die Lösegeldübergabe unerkannt beschatten konnte, brechen bei ihm alle Dämme und es fällt der Startschuss zu einem blutigen und unerbittlichen Rachefeldzug gegen die bestialischen Schlächter seines Sohnes.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Fernando Di Leos Geschichte über das Ohnmachtsgefühl eines bürgerlichen Familienvaters, der aufgrund seines finanzschwächeren Gesellschaftsstands hilflos mit ansehen muss, wie sein Sohn infolge der Skrupellosigkeit eines gewissenlosen Millionärs den fremdbestimmten Weg ins ewige Leben gehen muss.

    Dabei wird auch die Überforderung und Machtlosigkeit der Polizei gegenüber dem organisierten Verbrechen aufgezeigt, welches gerade zu diesem Zeitpunkt den lukrativen, risikoarmen und sehr effektiven Geschäftszweig der Entführung mit anschließender Erpressung für sich entdecken konnte.

     

    Luc Merenda verkörpert in diesem Action-Drama deinen machtlosen Witwer und alleinerziehenden Vater, der nach dem dem vollzogenen Todesurteil an seinem Sohn einen langen und gewaltsamen Weg der Rache beschreitet. Dabei legt er durchgehend seine gewohnten schauspielerischen Qualitäten an den Tag.

    James Mason übernimmt die Rolle des schäbigen Ingenieurs, dem Geld viel mehr wert, als das Leben seines und Merendas Sohns zu sein scheint. Dabei meistert er die Rolle des überheblichen, menschenverachtenden und verabscheuungswürdigen Kapitalists mit Brillanz.

    Weiterhin sei noch auf die außerordentliche Darbietung von Vittorio Caprioli als schrulliger und hilfloser Kommissar zu erwähnen, dem der Entführungsfall seinen langersehnten Urlaub zu Nichte macht.

     

    Inszenierungstechnisch ist dieser Film gewissermaßen in 2 Teile aufgesplittet:

     

    Teil 1 handelt von der Geißelnahme und der für den Mechaniker sehr belastenden und letztendlich für ihn gescheiterte Lösegeldverhandlung. Diese erste Filmhälfte fällt dann eher etwas dramatischer aus, die Geschichte wird aber recht spannend erzählt und mit einer herzerwärmenden Komposition aus der Feder von Maestro Bacalov musikalisch abgerundet.

     

    Teil 2 zeigt dann eine actiongeladene One-Man-Show in Form eines erbarmungslosen Rachefeldzugs durch den wutentbrannten Luc und präsentiert als musikalische Untermalung eine leicht abgewandelte Variation der passgenauen Titelkomposition aus Milano Calibro 9

     

     

    Fazit: Ein solider und unterhaltsamer Genre-Vertreter in Form eines zwei-geteilten Action-Dramas

  • Autor: Richie Pistilli
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