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Auf verlorenem Posten

Frankreich | Italien, 1973

  • Originaltitel: La polizia è al servizio del cittadino?
  • Alternativtitel:

    Defendiendo a los ciudadanos (ESP)

    La police au service du citoyen (FRA)

    The Police Serve the Citizens?

    Der letzte Beweis

  • Regisseur: Romolo Guerrieri
  • Kamera: Carlo Carlini
  • Musik: Luis Bacalov
  • Drehbuch: Massimo De Rita
  • Inhalt:

    Im Hafen von Genua wird ein Transporteur brutal ermordet und an einem Kran hängend zur Schau gestellt. Der Fall wird von Kommissar Nicola Sironi (Enrico Maria Salerno) und seinem etwas leichtlebigen Kollegen Marino (Giuseppe Pambieri) bearbeitet. Da es ihnen trotz des öffentlichen Ortes des Verbrechens nicht gelingt Zeugen zu finden, stellt Sironi einem Freund des Toten, dem Zuhälter Mancinelli (Venantino Venantini) nach. Mancinelli redet zwar ebenfalls nicht, doch Sironi überzeugt die Unterwelt mit einem Trick davon, dass Mancinelli gesungen hat. Als dieser ebenfalls ermordet wird, kommt der Kommissar allmählich einer großen Sache auf die Spur. Nicht die altbekannten Kriminellen der Stadt scheinen hinter alldem zu stecken, sondern eine neue italienisch-schweizerische Firma, die den Handel mit Lebensmitteln kontrollieren will, die Lieferanten ebenso wie die Händler und Zwischenhändler. Wer nicht spurt, wird von deren Auftragskiller Lambro (John Steiner) und dessen Männern hingerichtet. Der Drahtzieher des Ganzen, der Unternehmer Brera (Daniel Gélin), scheint für den Kommissar allerdings unantastbar, zu gut sind dessen Kontakte zu Wirtschaft und Politik. Das scheint sich zu ändern als Sironi herausfindet, dass sein Kollege korrupt ist und Informationen an die Gangster verkauft hat. Nun hat er Kommissar Marino in der Hand und kann ihn gegen die Gangster einsetzen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Ein Jahr nach dem großen Erfolg von Stefano Vanzinas „Das Syndikat“ (La polizia ringrazia, 1972) drehte Romolo Guerrieri in Produktion von Mario Cecchi Gori diesen Poliziesco, wieder mit Enrico Maria Salerno in der Hauptrolle. „Das Syndikat“ hatte sich als wegweisend für eine neue Art des Polizeifilms erwiesen, und so sind sich diese beiden Filme trotz einer abweichenden Story inhaltlich und inszenatorisch recht ähnlich. Auf gut Deutsch: „Auf verlorenem Posten“ ist ein absolutes Highlight des Genres.

     

    Die Geschichte, die erzählt wird, ist im Stile eines Ermittlerkrimis angelegt und führt in die Kreise der organisierten Kriminalität, ohne dabei allzu politisch zu werden. Die Hintergründe mögen zwar deutlich an die Realität der Mafiaaktivitäten im Italien der Siebziger angelehnt sein, in erster Linie gilt es aber noch immer, einen spannenden Kriminalfilm abzuliefern. Spannende Ermittlungen, eine gute Story von Drehbuchautor Massimo de Rita („Die weiße Mafia“, 1973), eine Prise Brutalität und ein starker Hauptdarsteller liefern dem Endergebnis ein solides Rückgrat. Der Originaltitel des Films „La polizia è al servizio del cittadino?“ (etwa: Steht die Polizei im Dienste des Bürgers?) bezieht sich auf eine Szene, in der Kommissar Sironi auf Anweisung des Polizeichefs ein dementsprechendes Schild in seinem Büro anbringen lassen soll. Sironi weist dies brüsk zurück, er arbeite für Recht und Gesetz, sei aber niemandes Diener.

     

    Die Figur des Kommissars ist die eines Bullterriers, beißt er sich fest, lässt er nicht mehr los. Zudem fasziniert ihn die Aussicht, endlich einmal an die ganz Großen heranzukommen. Seine Familie hat ihn längst verlassen, seine Ex-Frau redet nicht mehr mit ihm, sein pubertierender Sohn Michele (Alessandro Momo) treibt sich auf linken Demonstrationen herum. Sironi lebt nur noch für seine Arbeit, sein Kollege hat ihn seit Jahren nicht mehr Lächeln gesehen. Und ebendieser Kollege, Kommissar Marino, scheint eher das Gegenteil. Er verbringt viel Zeit mit Prostituierten, respektiert aber seinen Vorgesetzten und lädt diesen auch zu einer gemeinsamen Vierer-Nummer ein – was Sironi ungeduldig zurückweist. Doch eine gewisse Freundschaft verbindet die beiden Männer, immerhin hat Sironi sonst auch niemanden mehr. Und so wird es auch zu einem wesentlichen Teil der Handlung, als er den jüngeren Kollegen als Bestechlich überführt. Schon zuvor hat Kommissar Sironi andere Menschen recht skrupellos benutzt, um an die Verbrecher zu kommen, allerdings vergeblich. Nun verlangt er von Marino, anstelle diesen anzuzeigen, für ihn den Kontakt mit den Kriminellen herzustellen.

     

    Die Rollen von Sironis Gegnern sind ebenfalls gut besetzt. John Steiner gibt den fiesen Killer Lambro, und als Italo-Fans wissen wir, dass er das sehr gut kann. Venantino Venantini wiederum ist eines von Sindonis Opfern, das im weiteren Verlauf zu Lambros Opfer wird. Der Drahtzieher der Kriminellen Brera – gespielt von Daniel Gélin - wirkt dagegen weniger wie ein typischer Filmgangster sondern eher wie ein Geschäftsmann mit zu guten Beziehungen. Für blutige Nebenschauplätze hat er seine Leute, da ist er als Boss nie anwesend. „Auf verlorenem Posten“, der bisher nur im TV zu sehen war (auch unter dem Titel „Der letzte Beweis“), verfügt über ein gutes Tempo, was durch einen herausragenden Soundtrack von Luis Bacalov noch unterstrichen wird. Und wenn Salerno am Ende den Bösewicht seiner „gerechten Strafe“ zuführt, gönnen wir dem Kommissar diesen heimlichen, kleinen Triumph durchaus.

     

    Am Ende möchte ich noch Schnauzbartträger Claudio Nicastro erwähnen, der hier den Polizeichef spielt. In seiner von 1971 bis 1978 währenden Darstellerkarriere war er in 25 Filmen zu sehen, fast ausschließlich in Kriminalfilmen. Und wenn er mal nicht in einem Krimi war, etwa in Fulcis „Der lange Schwarze mit dem Silberblick“ (1972) hat er eben einen Polizisten gespielt. Seine bekannteste Rolle dürfte aber die des Mafiosi Salvatore Rosa in Damiano Damianis „Das Verfahren ist eingestellt – Vergessen Sie’s!“ (L'istruttoria è chiusa: dimentichi, 1971) gewesen sein.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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