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Auch Djangos Kopf hat seinen Preis

Italien, 1971

  • Originaltitel: Anche per Django le carogne hanno un prezzo
  • Alternativtitel:

    Django Contra 4 Irmãos (BRA)

    También la carroña tiene un precio (ESP)

    Pour Django les salauds ont un prix (FRA)

    Django's Cut Price Corpses (GBR)

    Até para Django os Cadáveres Têm Preço (POR)

    A Pistol for Django (Int.)

    Even Django Has His Price (Int.)

  • Regisseur: Luigi Batzella
  • Kamera: Giorgio Montagnani
  • Musik: Vasili Kojucharov
  • Drehbuch: Mario De Rosa, Gaetano Dell'Era, Luigi Batzella
  • Inhalt:

    Die Cortez-Brüder überfallen ein Rustico (1), metzeln die Erziehungsberechtigten und entführen die Tochter des Hauses. Django also nichts wie hinterher, Tochter des Hauses befreien. Die Cortez-Brüder haben aber noch mehr Dreck am Stecken, haben sie doch die Bank in Silver City überfallen und das dabei geraubte Gold versteckt. Django also nichts wie hinterher, das Kopfgeld für die Haderlumpen einsacken. Dabei gerät er allerdings mit einem undurchsichtigen Spieler aneinander, der ebenfalls Interesse hat an den Schuften. Und dem Gold. Weiter ist da noch der sardische Schafhirte und Raufbold Pickwick, dessen Sattel (von Opa geerbt) von den Cortez-Brüdern geraubt wurde, und der ebenfalls mit den Verbrechern abrechnen möchte, damit Opa nicht dauernd im Grab rotieren müsste, wenn er wüsste dass der Sattel …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Im Wesentlichen gibt es drei Kategorien Italo-Western. Da sind natürlich die ganz großen des Genres, die Leones und Corbuccis, die Filme von Sergio Sollima gehören dazu, und noch ein paar mehr. Je nach persönlichem Empfinden etwa 30 Stück, plus minus ein bißchen …

     

    Dann gibt es die breite Masse, die als sogenannter Durchschnitt läuft. Mal besser, mal schlechter, aber sie unterhalten, haben oft gute Musik und ansprechende Darsteller, und machen meistens Laune.

     

    Und dann ist da noch der Bodensatz. Diejenigen Western-Filme, in denen schlechte Schauspieler idiotische Dinge tun, dumme Dialoge haben und vor allem unheimlich viel durch die meist recht farblose Landschaft geritten wird. Alles was hier passiert ist vollkommen sinnentleert und hat einzig und allein den Zweck, den Zuschauer, der heutzutage in den meisten Fällen Komplettist ist, entweder zu Tode zu langweilen oder seinen Nacken durch 90-minütiges Kopfschütteln zu zermürben. (Was zur Frage führt, ob Headbanger die besseren Italo-Western-Fans wären, aber das gehört jetzt nicht hierher …)

     

    Bei diesem Bodensatz haben sich drei Regisseure genreübergreifend besonders hervorgetan: Demofilo Fidani, Gianni Grea und Luigi Batzella. Fidani ist in erster Linie durch seine hübsche Tochter Simone Blondell bekannt sowie dafür, das in seinen Filmen ganz besonders viel geritten wird. Crea ist einfach nur unglaublich langweilig, und Batzella bringt dann dieses gewisse Etwas in die Soße mit ein, diese Zutat namens Trash, die dann hin und wieder doch für etwas Begeisterung sorgen kann.

     

    Luigi Batzella, meist wie auch hier unter dem Pseudonym Paolo Solvay, hat sich in erster Linie einen Namen gemacht durch Kriegsfilme wie STOSSTRUPP IN DIE WÜSTE oder WÜSTENFÜCHSE KENNEN KEIN ERBARMEN, ein paar Schmuddler sind in seiner Filmografie aber auch zu finden, etwa NUDE FOR SATAN oder FULL MOON OF THE VIRGINS. Sein einziger Giallo BLACKMAIL soll übrigens recht gut sein …! Und dann sind da noch ein paar wenige Western – Neben DJANGOS KOPF auch der wahrscheinlich back to back gedrehte PAID ON BLOOD sowie der Film mit dem wundervollen Titel NUR GOTT WAR SEIN COLT (der ursprünglich wohl mal andersrum hieß, also analog zum Originaltitel NUR DER COLT WAR SEIN GOTT, aber das ist ja langweilig, aber sowas von …). Nur für wirklich hartgesottene Western-Fans. Oder eben Freunde gehobenen Trashs …

     

    DJANGOS KOPF also. Ich meine, das Latium, die Gegend südlich von Rom in welcher der Film gedreht wurde, also das Latium im Frühling scheint sehr schön zu sein, und auf der mir vorliegenden BluRay kann man die Landschaft wirklich genießen. Die Weinberge mit den kleinen Gehöften, die hübschen Feldwege mit dem alten Baumbestand, und ab und zu auch ein paar dekorative Kletterfelsen laden zu einem gemütlichen Wanderurlaub ein. Es ist wirklich schön dort, und das Reisebüro Italo-cinema empfiehlt unbedingt einen Aufenthalt in der Cantina von Doña Dolores, wo Sie Schauspielern dabei zusehen können wie sich zum Deppen machen und durch vergitterte Fenster geworfen werden, ohne dass die Gitter oder die Schauspieler dabei irgendwelche Schäden nehmen. Architekturinteressierten seien die Waschbetonplatten vor der Cantina empfohlen, bei denen echtes Wildwest-Flair aufkommt. Historisch sehr interessant ist der kopfsteingepflasterte Treppenweg zu den berühmten Höhlen, in denen die verruchten Cortez-Brüder hausten und in denen die parallel laufende Handlung erfunden wurde: Während im Vordergrund Handlung A abläuft, geschieht im Hintergrund zeitgleich Handlung B. Die beiden Handlungen interagieren auch regelmäßig, ohne dabei allerdings logische Abhängigkeiten zu zeigen. Auch wechselt der Standpunkt der Kamera regelmäßig ohne sichtlichen Grund, weswegen es vollkommen unverständlich ist, warum Luigi Batzella nicht längst als Ikone des neuen italienischen Autorenkinos erkannt wurde.

     

    Hierzu würde auch der Umstand passen, warum der Oberschurke einen Haufen Kugeln in seinen Wanst gepumpt bekommt, in einen Sarg fällt, sich Dracula-mäßig aufrichtet und dann erstmal ausführlichst das Fluchen beginnt. Es folgen weitere Kugeln, es wird weiter geflucht, und das Spiel wiederholt sich eine ganze Zeit, bis Django aus seinem Sechsschüsser in etwa den Inhalt einer modernen Maschinenpistole in den Lumpen geschossen hat – ohne dass dabei ein Tropfen Blut zu sehen ist selbstverständlich. Vielleicht ist Django einfach nur ein lausiger Schütze, aber ich denke dass da ein verborgener Sinn dahinter steckt. Eine sozialkritische Komponente die uns vielleicht sagen möchte, dass es egal ist wie sehr wir protestieren, sterben müssen wir sowieso. Dieser Umstand wurde ja im Ur-DJANGO bereits thematisiert, allerdings mit erheblich mehr Pep, aber diese raffinierte Referenz muss man sich erstmal auf der cineastischen Zunge zergehen lassen. (Anmerkung: Schmeckt halt so wie der ganze Film nach alten Strümpfen, aber man kann einfach nicht alles haben …)

     

    Sehenswert sind auch Personen wie der erwähnte Pickwick, der aussieht und sich benimmt wie ein sardischer Schäfer nach der zehnten Flasche Rotwein nachts um halb eins, und der wie bereits erwähnt immer seinem Sattel hinterhergreint. Oder die Cortez-Brüder, die sich aufführen wie die Daltons, inklusive Streitereien und Ohrfeigen für die Brüder, und die alle sehr schnieke Flamenco-Kostüme anhaben, so mit Bauchbinde und so. Oder die Wirtin Doña Dolores, die im wirklichen Leben als Angela Portaluri 1956 immerhin mal knapp an der Miss Italien vorbeigeschrappt ist und diesen Umstand auch knapp 15 Jahre später immer noch mit weit aufgerissenen Augen und Dekollete kommentiert. Und natürlich der Falschspieler Fulton, der mit der Hackfresse Gengher Gatti zwar etwas steif aber auch sehr eindrucksvoll besetzt ist. Ist bei dieser Gelegenheit eigentlich schon mal jemanden aufgefallen, dass Jeff Cameron die gleiche Mimik hat wie Steven Seagal? Nicht der Seagal aus NICO, sondern eher der aus TICKER …

     

    Nur um das klarzustellen: Der Film kann durchaus unterhalten, insofern man bereit ist sich auf eine gehörige Breitseite Trash einzulassen. Italo-Western-Atmosphäre wie in den Klassikern braucht hier schon wegen der Kulissen niemand erwarten, und die Schauspieler können halt einfach nicht mehr, aber zumindest sind sie willig. Christian Kessler beurteilt den Film mit “Unglaublich, aber wahr: Es ist sein bester! Diese Tatsache wird man kaum glauben, wenn man den Film sieht, denn Batzella hebelt mit seiner Kamera die Gesetze des Raumes auf daß es nur so staubt. (…) Man mutmaßt, jemand habe eine Kamera achtlos stehenlassen und sich hernach über die entstandenen Resultate so kaputtgelacht, daß dabei der Film herausgekommen ist...“ (2)

     

    Ich für meinen Teil denke, dass der bemerkenswerteste Satz des Filmes da lautet:

     

    “Das Schlimmste ist vorbei und das Schönste fängt jetzt an.“

     

    Worauf die “Ende“-Einblendung folgt. Dem ist nichts hinzuzufügen ....

     

    (1) Rustichi, Einzahl Rustico, sind alte Bauernhäuser in Italien, die renoviert und zu Wochenendhäusern umgebaut wurden. Außen also traditionelle Bauweise, innen teilweise hochmodern. Gerade so im 100-km-Umkreis rund um die Großstädte gehören Rustichi inzwischen zum gängigen Landschaftsbild, denn auch in Italien ist der Landwirt mittlerweile ein aussterbender Beruf.
    (2) Christian Kessler: Willkommen in der Hölle, Terrorverlag 2007

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    In Deutschland ist der Film als BluRay und DVD bei Great Movies erscheinen, im Doppelpack zusammen mit Massimo Pupillos DJANGO TÖTET LEISE. Die BluRay bietet deutschen und italienischen Originalton, keine Untertitel, eine kleine Trailershow, und ein wirklich gutes Bild. Die Synchro ist die von Kabel 1 anlässlich der Erstausstrahlung 1999 erstellte Synchro, die halt so klingt wie deutsche Synchros aus dieser Zeit so klingen, aber für wahre Trashfans sollte das eher ein Anreiz sein …

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    OFDb

    IMDb

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