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Angst über der Stadt

Frankreich | Italien, 1975

  • Originaltitel: Peur sur la ville
  • Alternativtitel:

    The Night Caller (UK)

    Il poliziotto della brigata criminale (IT)

    Pánico en la ciudad (SPA)

    Frygt over byen (DEN)

    Strach nad miastem (POL)

    Medo sobre a cidade (POR)

    En stad i skräck (SWE)

    Sehrin üzerinde korku (TR)

  • Deutsche Erstaufführung: 05. September 1975
  • Regisseur: Henri Verneuil
  • Kamera: Jean Penzer
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Jean Laborde, Francis Veber, Henri Verneuil
  • Inhalt:

    Hauptkommissar Le Tellier steht unter Hochspannung. Sein alter Erzfeind, der skrupellose Bankräuber Marcucci, ist wieder in der Stadt. Er brennt darauf, endlich mit ihm abzurechnen. Zeitgleich findet ein unheimlicher Frauenmörder, der sich selbst "Minos" nennt und frei nach Dantes Inferno mordet, immer neue Opfer. Auch auf ihn wird Le Tellier angesetzt...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Délicieuse! Belmondo in Giallo...

     

    Oder sagen wir fast. ANGST ÜBER DER STADT - und die Stadt ist Paris- ist in erster Linie ein Polizeithriller, der als französisches Pendant zum amerikanischen DIRTY HARRY gesehen werden kann. Wie Clint Eastwood ist auch der von Jean-Paul Belmondo verkörperte Hauptkommissar Le Tellier ein Bulle, der zuerst schießt und dann fragt. Um Finsterlinge unschädlich zu machen, legt er die Grenzen des Legitimen sehr großzügig aus. Dabei sind Kollateralschäden immer einkalkuliert; siehe der heftige Schusswechsel mit dem Bankräuber Marcucci in einer vollbesetzten U-Bahn. Wie Dirty Harry ist auch Le Tellier cool as fuck. Und wie Dirty Harry muss auch er einen psychopathischen Serienkiller stellen, der eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt.

     

    Dieser bigotte Frauenmörder nennt sich "Minos", frei nach dem Totenrichter Minos aus Dantes Göttliche Komödie. Minos richtet die Sünder. Er hat es auf attraktive Damen, die in seinen Augen einen leichten Lebenswandel führen, abgesehen. Zunächst terrorisiert er sie mit nächtlichen Drohanrufen, dann tötet er sie.

     

    Wenn er mordet, dann streift er schwarze Handschuhe über; untermalt von einem treibenden Morricone-Thema, welches der Maestro wohl so und nicht anders auch für einen Giallo von Dario Argento oder Aldo Lado komponiert hätte.

     

    Womit wir wieder beim Giallo wären: Schwarze Handschuhe, Telefonterror, Schaufensterpuppen, Morricone. Psychosexuelle Mordmotive, bedrohliche Closeups auf Gegenstände, mehr Zigaretten als auf dem alljährlichen Kongress der Kettenraucher...und diese Farben.

     

    Auch wenn vor allem DIRTY HARRY Pate gestanden hat; gewisse Parallelen zum klassischen italienischen Murder Mystery sind bei ANGST ÜBER DER STADT unübersehbar. Aber die waren ja auch schon bei DIRTY HARRY vorhanden.

     

    Action wird trotzdem groß geschrieben. Insbesondere in diesem Bereich darf der Star vollen Körpereinsatz zeigen. Belmondo hat auf ein Stuntdouble gepfiffen. Er jagt den Killer höchstpersönlich über die Dächer von Paris, hängt in schwindelerregender Höhe an Regenrinnen oder seilt sich gar von Helikoptern ab. Höhepunkt seiner Stunteinlagen dürfte allerdings die wilde Fahrt durch die Metro auf dem Dach einer U-Bahn sein.

     

    Wer die leider nur begrenzt verfügbaren italienischen Gialli schon durch hat und nun verzweifelt auf der Suche nach artverwandtem Filmfutter ist, der sollte ganz schnell Ausschau nach ANGST ÜBER DER STADT halten. Der Film von Henri Verneuil ist nicht nur Fast Food, sondern ein zweistündiger Gourmethappen. Für Giallo-Freunde. Für DIRTY HARRY-Fans. Für Leute, die auf guten, aufwändig gemachten und stylischen 70er Jahre-Thriller-Stoff stehen...

     

    Ergo: ANGST ÜBER DER STADT ist die meisterliche, europäische Verbeugung vor DIRTY HARRY und dabei kaum schwächer als das amerikanische Vorbild. Weil hier zu Ennio Morricones emblematischer Musik und psychosexueller Motivation die schwarzen Meuchelmörder-Handschuhe übergestreift werden, weht auch ein äußerst gialloesquer Wind durch ein Paris in Angst und Schrecken...

  • Autor: Christian Ade
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