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Angelina - Von allen begehrt

Italien, 1986

  • Originaltitel: La signora della notte
  • Alternativtitel:

    Angelina: The Lady of the Night

    Angelina

    Lady of the Night

    Serena - Von allen begehrt

  • Deutsche Erstaufführung: 11. Juni 1987
  • Regisseur: Piero Schivazappa
  • Kamera: Giuseppe Ruzzolini
  • Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
  • Drehbuch: Galliano Juso, Piero Schivazappa
  • Inhalt:

    Angelina ist glücklich verheiratet. Doch irgendwie ist sie vom täglichen Arbeitstrott sowie dem allabendlichen Sex gelangweilt. Bei einer nächtlichen Gassirunde mit dem Hauspudel, wird Angelina das Opfer einer Vergewaltigung. Doch anstatt in Tränen auszubrechen und den Psychiater zu kontaktieren, erkennt sie ihre wahren sexuellen Neigungen. Angelina findet Gefallen daran hart genommen zu werden. Als sie es mit Ettore treibt, wird sie von ihrem Mann (Marco) erwischt. Dieses hat die Trennung zur Folge. Der Verlust des Ehemanns holt Angelina auf den Boden der Tatsachen zurück. Plötzlich sehnt sie sich danach ein Kind zu bekommen und eine fürsorgliche Mutter zu werden. Doch das Schicksal…

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Ehe, Arbeit, Ehe… und keine Liebhaber!“ (Angelina)

     

    Harte Regeln, die nicht immer von Angelina eingehalten werden (können). Die propere Angelina hat es nicht leicht im Leben. Ihr fehlt der sexuelle Kick, und den erlebt sie (ausgerechnet) bei einer Vergewaltigung. Ab sofort legt sie es darauf an in weitere „Abenteuer“ dieser Art involviert zu werden. Sex im Auto, in der Bedürfnisanstalt, im Treppenhaus, auf dem Dach, doch bloß nicht im langweiligen Bett. Es läuft nicht rund in Angelinas Oberstübchen. Genug Stoff um den Streifen von der lapidaren Sexfilmschiene abweichen zu lassen, und ihn mit den Eigenschaften eines Dramas zu bereichern. Dieses (erotische Melodram) funktioniert recht ordentlich, denn der Film weiß (durchaus) zu unterhalten und läuft nicht auf die Gefahr hinaus als erbärmlicher Schnarcher (oder als „beschmierte“ Sexklamotte) zu enden. „Angelina - Von allen begehrt“ geht ernsthaft zu Werke und rückt seine Hauptprotagonistin (Serena Grandi), filmisch wie auch werbetechnisch, in den Mittelpunkt.

     

    Frau Grandi „gibt“ als Angelina, eine Mixtur aus frustrierter Hausfrau und Nymphomanin. Dabei nutzt der Regisseur (fast) jede Gelegenheit um Serena (oben wie unten) nackt in Szene zu setzen. Sonderlich erotisch fand ich diese Frau nie, aber das ist halt Geschmackssache. Im Prinzip versuchte man die Grandi als eine neue Diva (im Stile von Sophia Loren oder Gina Lollobrigida) zu verkaufen. Serena Grandi versprühte zwar eine gewisse arrogante Aura, aber vom Besonderen war sie sehr weit entfernt. Dieses gewisse Etwas hatten Fenech und Neri zu bieten, aber niemals die Grandi. Trotzdem wurde sie ein erfolgreiches Kind innerhalb eines florierenden Starsystems.

     

    Das Konzept des „Starmachen“ war im Pornofilmbereich der 1970er- und 1980er Jahre sehr effizient. Das „Golden Age of Porn“ kreierte viele Stars, die aus der Anonymität einer Pornodarstellerin herausgerissen wurden. In Italien ließen Ilona Staller, Moana Pozzi und Karin Schubert aufhorchen. Im soften Bereich ist Serena Grandi eines dieser „gemachten Sternchen“, welches die Kinokassen beleben sollte. Wen es interessieren sollte, dieses Starsystem wurde schon in den 1920er Jahren, sowie in der NS-Zeit, von Joseph Goebbels, erfolgreich ein- und umgesetzt. Wie das heute funktioniert? Schaut euch die Spacken aus den Castingshows an.

     

    Was passt bestens zu den Sternen und Sternchen? Natürlich der Mond. Dieser spielt bei „Angelina - Von allen begehrt“ eine nicht unerhebliche Rolle. Das mehrmalige Einblenden des Vollmonds symbolisiert nämlich den Übergang von einem Akt zum nächsten. Genauer gesagt, la Luna (in meiner Heimat, Ruhrpott, wird der Mond auch Lorenz genannt) verdeutlicht die jeweils neue Epoche im Sexualleben von Angelina. Dieses umfasst einerseits ihre Beziehung zu ihrem Ehemann, andererseits ihre sexuellen Ausflüchte mit anderen (ihr meist unbekannten) Männern. Eine waghalsige Gradwanderung, die dem Balancieren auf einer Rasierklinge nahe kommt. Die Sexszenen sind ordentlich inszeniert, nicht sonderlich erotisch, aber auch nicht geschmacklos. Es gibt Momente in denen der Kameramann sogar einen guten Job macht, da er die Möglichkeiten eines fließenden Schnitts (Trickblende) ausnutzt.

     

    „Angelina - Von allen begehrt“ bietet die typische Optik eines Erotikfilms aus der Mitte der 1980er Dekade. Alles wirkt „geglättet“ und distanziert sich vom geliebten Italo-Schmuddel der 1970er- und der frühren 1980er Jahre. Dabei werden wir auch mit den Modetrends (ich bin mir nicht sicher ob ich das Wort „Spleens“ verwenden darf) dieses Jahrzehnts konfrontiert. Einer davon ist Aerobic. Ein Power-Fitnesstraining, dass mich an Jane Fonda, Jamie Lee Curtis, aber auch an diese unmöglichen Aerobic Stulpen (auch Beinwärmer genannt), erinnert. Diese gab es in Augenkrebserregenden Farben, und sie wurden auch außerhalb der „Turnhalle“ (sogar von Männern) getragen. Eine Geschmacklosigkeit, die selbst die Karottenjeans in den Schatten stellte. Bei „Angelina“ ist unsere Hauptprotagonistin als Aerobic-Trainerin tätig. Die Beine macht sie eh gern breit, deshalb ist der Spagat auch kein Problem für sie. Ein weiteres Mitbringsel der 1980er (und Angelinas zweitliebster Zeitvertreib) sind die Tele- bzw. TV-Spiele. Grafisch unter aller Sau, aber einst äußerst angesagt.

     

    Der „Angelina-Score“ stammt aus der Feder von Guido und Maurizio De Angelis („Oliver Onions“). Bekannt ist das Duo vor allem durch seine zahlreichen Songs aus den Spencer/Hill-Filmen. Die Beiden haben so viele tolle Sachen für das Italo-Cinema geschrieben, dass man ihre durchschnittlichen Songs für „Angelina“ tolerieren kann. Italo-Pop, Synthesizer und etwas Todsünde namens Saxophon.

     

    „Angelina - Von allen begehrt“ ist (unter dem Strich) ein ordentlicher Film, der allerdings wenige Höhepunkte (die der Hauptprotagonistin klammere ich aus) zu bieten hat. Die Vordergründigkeit eines Dramas macht die Sexszenen zu einem legitimen Schauwert. Das Teil zeigt sich - wie bereits mehrfach erwähnt - als ein typisches Italo-Erotik-Melodram der späten 1980er. Kein Schmuddel, etwas Erotik, viel Dialog, wenig Spannung und eine finale Pointe, die nicht wirklich überraschen kann.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Der Film wurde 2002 von X-Rated erstmals (ungeschnitten) in Deutschland auf DVD veröffentlicht. Die Bildqualität ist überwiegend ordentlich. Leider ist innerhalb der Nachtaufnahmen nicht viel zu erkennen. Als Extras werden der Original-Trailer sowie zehn weitere Trailer von X-Rated Releases geboten.

     

    Das VHS Tape (von „GMP General Motion Pictures GmbH“, bei der OFDb als „GMP General“ firmiert) war übrigens lange Zeit indiziert. Diese Indizierung wurde 2012 aufgehoben.

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

    OFDb

    IMDb

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