Andy Warhol's Frankenstein

Frankreich | Italien | Vereinigte Staaten, 1973

  • Originaltitel: Flesh for Frankenstein
  • Alternativtitel:

    Carne para Frankenstein (ESP)

    De la chair pour Frankenstein (FRA)

    Flesh for Frankenstein (GBR)

    Il mostro è in tavola... barone Frankenstein (ITA)

    Andy Warhol's Young Frankenstein (Int.)

    Frankenstein (Int.)

    The Devil and Dr. Frankenstein (Int.)

    Up Frankenstein (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 30. November 1973
  • Regisseur: Paul Morrissey, Antonio Margheriti
  • Kamera: Luigi Kuveiller
  • Musik: Claudio Gizzi
  • Drehbuch: Paul Morrissey, Tonino Guerra, Pat Hackett
  • Inhalt:

    In einem Schloss leben Baron Frankenstein und seine Schwester, die auch praktischerweise gleich seine Frau ist, mit ihren beiden Kindern. Während sie sich in erster Linie um die Kinder sowie die fortpflanzungswilligen Männer der Umgebung kümmert, arbeitet der Baron in seinem Labor daran neues Leben zu schaffen, und zwar in dem er zwei Mitglieder einer neuen Superrasse schaffen will, die dann mittels Körperkontakt selber für Superrassen-Nachwuchs sorgen sollen. Ärger kommt ins Haus mit dem Schäfer Nicholas, der nichts anderes als Sex im Kopf hat und seinem Freund Sascha. Das heißt, eigentlich kommt von Sascha nur der Kopf ins Haus, der soll nämlich den Körper des männlichen Monsters in Richtung weibliches Monster(?) steuern. Dumm allerdings, dass Sascha sich noch im Leben bereits für ein Dasein als Mönch entschieden hatte, und an den Mädels allgemein so gar nichts anregend findet …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Wundervolle Vignetten die das Herz des Filmfans erfreuen: Zwei kleine, herzallerliebste Kinder stromern durch ein Schloss. Sie laufen durch geheime Gänge, erschrecken ganz furchtbar vor einer Ratte und einer Fledermaus, dringen in ein gut ausgestattetes Labor ein, stehlen zielgerichtet eine in Spiritus eingelegte Hand …

     

    Der Assistent (Arno Juergensen, der ausschaut wie der Hobbit Merry und sich benimmt wie Gollum) hat zwar nie studiert aber er weiß genau wie man das macht, er hat das in der Praxis gelernt! Jawohl, und er macht es auch, er dringt in eine Frau ein. Hätte man ihm wohl doch vorher mal sagen sollen, dass dies nicht durch die Bauchdecke geschieht, denn: “Um den Tod zu kennen, muss man Leben einspritzen – in die Gallenblase!“

     

    Auch sehr nett: Einem Darsteller wird zuerst die Hand abgetrennt, dann bekommt er eine Bootsstange durch den Bauch gerammt - und beginnt minutenlange Monologe aufzuführen.

     

    Wer sagt da Trash? Zumindest nach meinem persönlichem Empfinden bedeutet Trash neben einer gehörigen Portion unfreiwilligen Humors auch eine gewisse Billigkeit bei der gesamten Machart des Filmes. Der Humor sieht mir gewollt aus, und billig ist FRANKENSTEIN ganz bestimmt nicht! Die Kulissen sind mit viel Liebe und Sinn fürs Detail ausgestattet, die wunderschöne und elegische Musik von Claudio Gizzi untermalt die Szenerie wie in einem teuren Kostümfilm, und einzelne Bilder sind angerichtet wie edle Tableaus. Fast wäre man geneigt sich in BARRY LYNDON versetzt zu fühlen, wenn da nicht die Schauspieler wären, die in all dem noblen Hochgefühl hemmungslos durchdrehen dürfen. Was vor allem Udo Kier hier abliefert ist erstklassig, selten eine so mitreißende Over-the-Top-Performance gesehen. Auf die Schnelle würde mir als Vergleich vielleicht Tom Hardy in Nicolas Winding Refns BRONSON einfallen. Im englischen Originalton spricht Kier sich übrigens mit einem sehr deutlichen deutschen Akzent selbst, was ausgesprochen schräg wirkt und viel zum insgesamt abgedrehten Eindruck beiträgt. Arno Juergensen kann da locker mithalten, in dem er ganz einfach – nichts tut. Er rollt mit den Augen , zieht eine Schnute, und kann Udo Kier damit problemlos Paroli bieten. Was für ein Team, die Laurel und Hardy des Splatterfilms. Monique van Vooren gibt zu Beginn die ganz piekfeine und ultra-hochnäsige Aristokratin, aber beim Anblick von Joe Dallesandro wird sie ganz schnell ganz nass und lässt Façon und Hüllen fallen. Joe Dallesandro selber schlafwandelt ein wenig durch den Film, als ob er mit all dem Irrsinn eigentlich nichts zu tun haben möchte, aber seine Vorstellung von Normalität tut ehrlich gesagt ganz gut.

     

    Werfen wir doch mal einen Blick auf die Handlung. Das heißt, wir reden hier von abgetrennten Gliedmaßen, aufgeschlitzten Körpern, abgeschnittenen Köpfen (und alles natürlich mit entsprechendem Einsatz von Blutfontänen), Nekrophilie, Sexszenen, Inzest, … Reicht noch nicht? Dann unterlegen wir das Gemetzel einfach mit sehr edel wirkender und ruhiger klassischer Musik – Spätestens dies wirkt wie ein Drogentrip, wie APOCALYPSE NOW im Schloss des BARON BLOOD, oder Andy Warhols Splatter-Antwort auf CLOCKWORK ORANGE … Und nach einem sehr abgedrehtem Showdown hält der Schluss noch eine ziemlich böse Überraschung parat, die dem Irrwitz absolut die Krone aufsetzt. Gewissermaßen die Sahnehaube auf der Sahnehaube. Oder vielleicht eher der Lebensspritzer auf der Gallenblase …

     

    Mal noch kurz ein wenig was Ernsthaftes zum Film: Gedreht wurde FRANKENSTEIN in einem 3D-Verfahren namens Spacevision, weswegen die Werbung dann lautete “Das Blut spritzt bis in die letzte Reihe“. Aber auch in 2D funktioniert der Film einwandfrei. Offizieller Regisseur ist der US-Amerikaner Paul Morrissey, der in den späten 60-er Jahren die rechte Hand von Andy Warhol war (und da die Filmproduktion Warhols auch in den 70-ern noch einige Zeit lief, konnte FRANKENSTEIN auch mit Warhols Namen vermarktet werden). Es gab immer wieder Gerüchte, dass der italienische Regisseur Antonio Margheriti ebenfalls am Set gearbeitet hat, Morrissey und Udo Kier haben das aber immer bestritten. Irgendwann sind dann wohl offensichtlich Fotos aufgetaucht die Margheriti am Set zeigen, weswegen dieser mittlerweile als Second-Unit-Regisseur gelistet wird. Interessant auch der Umstand , dass FRANKENSTEIN in Deutschland ungeschnitten ins Kino kam, während er in den USA und Großbritannien wohl als Pornografie verboten wurde. Ob das wohl an Little Joe gelegen hat, dem kleinen Freund Joe Dallesandros, der in einer Szene gut sichtbar durch das Bild schwengelt …?

     

    Wer also auf Frauen mit großen Brüsten steht, auf extrem gut aussehende und –gebaute Männer, auf exzessives Gewurschtel in aufgerissenen Därmen und auf literweise Blutfontänen, für den könnte FLESH FOR FRANKENSTEIN durchaus der richtige Film sein. Und wer einfach nur Spaß hat an vollkommen durchgeknallten Splatter- und Sexparodien, der darf sich ebenfalls angesprochen fühlen.

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Mir lag bei der Sichtung die deutsche DVD von Marketing-Film vor, die neben FRANKENSTEIN auch ANDY WARHOLS DRACULA (a.k.a. BLOOD FOR DRACULA) beinhaltet. Die Bildqualität ist erschreckend und kann am ehesten mit einer abgenudelten VHS verglichen werden, aber zumindest ist die Fassung uncut. Der Ton liegt auf deutsch und englisch vor, Untertitel sind nicht vorhanden. Es gibt einen Haufen Extras (u.a. den Trailer, eine Artwork-Galerie, den Kinoaushang und fast 19 Minuten Fotos aus dem Film und vom Set) sowie ein Booklet mit der Kapitelaufzählung.

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

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