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Amigos

Italien, 1968

  • Originaltitel: ...e per tetto un cielo di stelle
  • Alternativtitel:

    A Pistola é Minha Bíblia (BRA)

    Por techo, las estrellas (ESP)

    Ciel de plomb (FRA)

    Quem Dispara Primeiro (POR)

    A Sky Full of Stars for a Roof (USA)

    Amigos - Die (B)Engel lassen grüßen

  • Deutsche Erstaufführung: 30. August 1968
  • Regisseur: Giulio Petroni
  • Kamera: Carlo Carlini
  • Musik: Ennio Morricone
  • Drehbuch: Alberto Areal, Mariano Laurenti
  • Inhalt:

    Larry ist ein etwas tumber Goldgräber, der 6 Monate geschuftet hat und sein Leben nun auf der geerbten Ranch genießen möchte. Jim ist ein Tunichtgut und kleiner Gauner, dem beim Anblick der Ausbeute von 6 Monaten Goldschürfen eine Menge kurioser Ideen einfallen wie das Gold von Larrys Tasche in seine eigene Tasche wandern kann. Nach ein wenig Startproblemen freunden sich die beiden an und reiten gemeinsam durch den Westen, immer auf der Suche nach ein wenig Geld (Larry) und Frauen (Jim). So versucht man unter anderem, ein abgelegenes Dorf mit einer getürkten Telegraphenleitung zu schröpfen und bei einer gut aussehenden Witwe zu landen. Allerdings hat Jim verschwiegen, dass hinter ihm eine Gruppe ziemlich übler Halsabscheider her ist um ihn kalt zu machen. Und alle die bei ihm sind ebenfalls …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Eine karge Wüstenlandschaft. Die Gegend um Almerìa wie der Westernfan sie kennt und liebt. Eine Postkutsche führt durch die Einöde, und auf einem Hügel stehen ein Haufen Reiter, bereit zum Zuschlagen. Die Kamera fährt durch die Gesichtsruinen, und schon jagen die Männer los, der Postkutsche hinterher. Der Kutscher wird erschossen, eine hübsche Reisende ebenfalls, und dann wird die Kutsche zum Halten gebracht. Ein noch lebender Mann fällt heraus und wird ebenfalls erschossen. Der Anführer der Banditen fragt einen seiner Männer, wo sich denn nun der Gesuchte aufhalten soll. Als der es nicht weiß wird er ebenfalls abgeknallt und die Typen reiten fort. Beginn des Vorspanns, zu dem ein Mann aus dem Gepäckabteil klettert und die Toten begräbt. Und zu der ganzen Szenerie eine Musik zum Niederknien …

     

    Oder nein, ich fange anders an …

    Etwa 1980 habe ich im Fernsehen den Film DER TÖDLICHE KREIS von Giuliano Montaldo gesehen, in dem in einem italienischen Kino ein Western gezeigt wurde. Im Wesentlichen ging es darum, dass nach der Vorstellung ein Zuschauer tot war. Erschossen. Der Film ist klasse, und ich tät was drum geben den auf Deutsch noch mal zu sehen, aber viel wichtiger ist, dass von dem Film im Film, also dem Western, immer wieder Ausschnitte zu sehen waren: Eine Gruppe Männer die in der Wüste zwei Schlafende mit Stiefeltritten wecken. Ein Mann der aus einem Zug aussteigt, und von dem zuerst nur die Stiefel zu sehen sind (und der dann mit hörbarem Stolz als „Mein Vater“ vorgestellt wird). Und ein Duell. Dieses Duell ist, wie ich heute zu wissen glaube, für den TÖDLICHEN KREIS nachgedreht worden, aber die anderen Szenen stammen aus AMIGOS. Und haben damals mit ihrer Typisierung wesentlich dafür gesorgt, dass der kleine Maulwurf wenige Jahre später alle Italowestern sehen wollte die im Kino liefen (und das waren etwa Mitte der 80er Jahre einige). Die Bilder von AMIGOS waren für meine filmische Sozialisierung somit entscheidend!

     

    Oder nein, ich fange anders an ...

    Es gab mal eine Zeit, da war der (Italo-) Western hart, dreckig und gemein. Einsame Männer übten entweder eine blutige Rache aus, oder waren auf der Jagd nach viel Geld, oder beidem. Der Colt saß locker und die Fäuste waren hart. Tote pflasterten die Leinwand, und die Welt war böse und gemein. Es gab mal eine Zeit, da war der (Italo-) Western lustig. Klamaukige Megaprügeleien beherrschten die herabgekommenen Städte und lustige Sprüche flogen durch die staubigen Landschaften. Es gab keine Toten mehr, und wenn geschossen wurde dann nur um komisch zu sein.

     

    Und dazwischen ist AMIGOS. AMIGOS ist das gut ausbalancierte Mittelstück zwischen diesen beiden Welten: Auf der einen Seite haben wir Schurken die wirklich böse sind, die sich einen Scheißdreck um das Leben anderer scheren, die aus Spaß an der Freud’ töten und nichts anderes sind als eiskalte Schweinehunde. Auf der anderen Seite haben wir ein sympathisches Duo, das aus einem etwas kräftiger gebautem Langsamdenker und einem gutaussehendem Pfiffikus besteht, und das unter anderem lustig choreographierte Schlägereien zu bestehen hat. Die Bösen rund um Frederico Boido und Anthony Dawson könnten in ihrer Mordlust und Kaltblütigkeit direkt aus DJANGO entsprungen sein, und die Saloonschlägerei zu Beginn wäre so auch von Enzo Barboni denkbar. Und über allem schwebt diese Melancholie, diese leichte Traurigkeit, die so gut zu Gemmas jungenhaft-heroischer Ausstrahlung passt.

     

    Gleich wie man es dreht und wendet, AMIGOS hat irgendwie immer eine Sonderstellung. Entstanden im Hochjahr des Italo-Westerns (immerhin sind allein 1968 fast 100 Italo-Western entstanden), bewegt sich AMIGOS genau an der Zeitenwende zwischen düster und lustig, zwischen brutal und klamaukig, und spiegelt dies im Handlungsablauf auch immer wieder.

     

    Aber der Film wirkt nicht uneinheitlich (bis auf den etwas merkwürdigen Goldraub mit der Postkutsche), und er zerfällt keineswegs in deutlich unterschiedliche Teile. AMIGOS ist irgendwie anders. Auf eine ganz merkwürdige Art ragt er aus der heterogenen Masse der Italo-Western heraus wie ein freundlicher dreiseitiger Monolith. Jeder Seite hat ihren eigenen Charme, jede Seite relativiert die anderen Seiten, und zusammen bildet sich ein geschlossenes Bild. So sind die humorigen Szenen, etwa die Meerjungfrau, die mal mehr und mal weniger trauernde Witwe und die köstliche Geschichte mit dem Telegrafen, lustig ohne dabei platt zu wirken. Sie sind heiter, ein Attribut dass es außerhalb älterer Vorabendserien im Fernsehen kaum noch gibt! Die brutalen Szenen, wie etwa die Folterung der Schaustellerin oder das Zusammenstiefeln der Helden, sind gewalttätig, aber nicht übertrieben, und sie prägen vor allem nicht die Stimmung des Films. Am ehesten sind sie vergleichbar mit einem guten Gewürz, welches ein Essen anreichert, aber nicht beherrscht. Dies tun eher die melancholischen Szenen: Die Beerdigung der Kutscheninsassen beim Vorspann oder die Hanging Party in der Wüste. Und auch wenn die komischen Szenen in der Überzahl scheinen, so ergibt sich insgesamt doch ein eher nachdenklich wirkendes und balladesk angehauchtes Bild. Der Originaltitel, den man etwa mit „… und als Dach ein Himmel voller Sterne“ übersetzen kann, gibt diese Stimmung jedenfalls besser wieder als die verschiedenen peinlichen deutschen Betitelungen.

     

    Vier Jahre später wird Giuliano Gemma wieder so eine Rolle spielen, nämlich an der Seite von George Eastman in Michele Lupos BEN UND CHARLIE. Auch dort wird er wieder der kalauernde und melancholische Tunichtgut sein, der seinem Partner das Leben mitunter verdammt schwer macht. Und auch dort wird die Mischung wieder perfekt sein. Gemmas lausbübischer Charme, seine jungenhafte Spitzohrigkeit, die eine gesunde Härte und sein perfektes Schießkönnen überdeckt, das passt so perfekt zu ihm, dass es schwer vorstellbar ist dass Gemma im wirklichen Leben anders gewesen sein könnte.

     

    Daneben Mario Adorf, immer etwas schwerfällig, auch im Geiste, und immer etwas poltrig. Ein Bayer im Wilden Westen, und Otti Fischer stand nicht zur Verfügung. Dabei wirkt Adorf aber nie lächerlich, er bleibt immer sympathisch und man hat Mitleid mit ihm, wenn er auf einen von Gemmas Scherzen mal wieder reinfällt. Giulio Petroni gibt seine beiden Helden niemals der Lächerlichkeit preis, stattdessen zeigt er ein Bild der Menschlichkeit in einer unmenschlichen Umgebung. Na ja, fast zumindest, denn unter den Scherzen von Gemma müssen einige Menschen schon manchmal leiden. Und sei es nur, weil sie nachts in Unterwäsche auf den Pfarrer treffen … Vielleicht können wir uns auf Zwei Bayern im Wilden Westen einigen, und für den Stenz Helmut Fischer ist kurzfristig Giuliano Gemma eingesprungen …

     

    Es ist nicht einfach AMIGOS treffend zu charakterisieren, gerade weil er so vielseitig ist und so abwechslungsreich. Der bereits angedeutete Vergleich mit einem guten Sterne-Diner trifft es wahrscheinlich recht gut: Zutaten, die eigentlich nur schwer zusammenpassen, wurden zusammengeschüttet und verflucht gut miteinander kombiniert und abgeschmeckt. Am Besten wird es vielleicht sein, wenn man sich ohne Erwartungen hinsetzt und einfach nur genießt: Die Albereien von Giuliano Gemma, das Gebrummel von Mario Adorf, die unglaublich schöne Musik von Ennio Morricone, die tollen Wüstenszenerien, die abwechslungsreiche Handlung …

     

    Und zum Höhepunkt der Italowestern-Welle in Europa hat AMIGOS zudem noch das Credo der zukünftigen Ausrichtung vorweg genommen:

     

    „Wo willst Du hin?“

    „Weiß ich noch nicht!“

    „Warte auf mich, da muss ich auch hin …“

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Koch Media hat AMIGOS erstmals in Deutschland ungeschnitten veröffentlicht, und zwar in der Italowestern-Enzyklopädie No. 1, welche auch gesehen wurde. Damit ist der Film nicht nur 10 Minuten länger als in Deutschland üblich, sondern er liegt auch in der bei Koch Media gewohnten hervorragenden Bild- und Tonfassung vor.

     

    Den Ton gibt es in deutsch, englisch und italienisch, jeweils mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln. Die bislang geschnittenen Szenen sind ebenfalls (zuschaltbar) deutsch untertitelt. Als Extras gibt es neben diversen Trailern und Vorspännen eine Bildergalerie, ein Interview mit Giuliano Gemma sowie ein Audio-Interview mit Giulio Petroni, das der italienische Filmhistoriker Antonio Tentori geführt hat.

  • Autor: Maulwurf
  • Hier geht's zum Soundtrack

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    Links

    OFDb

    IMDb

     

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