The Amazons

Frankreich | Italien | Spanien, 1973

  • Originaltitel: Le guerriere dal seno nudo
  • Alternativtitel:

    A Guerra das Fêmeas (BRA)

    Las amazonas (ESP)

    Les Amazones (FRA)

    War Goddess (USA)

  • Regisseur: Terence Young
  • Kamera: Aldo Tonti, Alejandro Ulloa
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Arduino Maiuri, Robert Graves, Massimo De Rita, Serge de la Roche, Antonio Recoder, Charles Spaak, Luciano Vincenzoni, Terence Young
  • Inhalt:

    Alle vier Jahre wird bei den Amazonen durch einen Wettkampf eine neue Königin bestimmt. Für diesen Wettkampf qualifizieren kann sich jede Amazone, die bereits einen Mann im Kampf enthauptet hat. Die Favoritinnen in diesem Jahr sind Antiope (Alena Johnston) und Orytheia (Sabine Sun). Nachdem die übrigen Kriegerinnen ausgeschieden sind, kann Antiope den Sieg für sich verbuchen, doch Orytheia plant, sie bald zu stürzen.

     

    Nur einmal im Jahr dagegen steht die Paarung mit dem männlichen Geschlecht an, um das Fortbestehen ihrer Zivilisation zu sichern. Hierfür hat man sich bereits mit griechischen Soldaten arrangiert, die gegen großzügige Bezahlung dafür strammstehen. In diesem Jahr ist zudem Heerführer Theseus (Angelo Infanti) mit seinen Männern extra zu dieser Gelegenheit angereist, und Orytheia spielt Antiope einen bösen Streich. Sie mischt Antiope ein Aphrodisiakum in ihr Wasser, damit diese ihren anerzogenen Widerwillen gegenüber Männern vergisst und sich in Theseus verliebt, was ihre Position als Königin schwächen würde. Die Rechnung scheint aufzugehen.

     

    Monate später bringt Antiope Theseus Kind zur Welt, leider einen Jungen, den sie laut Gesetz nicht behalten kann. Dieser muss ausgesetzt oder getötet werden (hier bleibt der Film unklar). In diesem Augenblick der Schwäche sieht Orytheia den geeigneten Moment gekommen, die Königin – nach Rückversicherung mit anderen höher gestellten Amazonen – zu töten. Doch Antiope erwartet sie, und es kommt zu einem erneuten Kampf zwischen den Beiden, während dem Orytheia Antiopes üppigen Reizen erliegt, und der somit in einer gemeinsamen Liebesnacht endet.

     

    Fortan steht Orytheia hinter ihrer Königin, doch Theseus hat ein Komplott ersonnen. Er schickt Phaedra (Luciana Paluzzi) zu den Amazonen. Dort bittet Phaedra die Königin, ihr bei der Vernichtung der Männer Athens zu helfen, die sich nur für Huren und Knaben interessieren und die Frauen unterdrücken. Doch Antiope findet zweierlei heraus, nämlich dass ihr Geliebter Theseus mit Phaedra verheiratet ist und sie und ihren Stamm überlisten will. Bei der kommenden jährlichen Paarungsveranstaltung will Antiope mit ihren Kriegerinnen die Griechen überwältigen. Theseus offenbart ihr jedoch, dass er ihren gemeinsamen Sohn gerettet hat und Antiope folgt ihm. Die Amazonen wollen ihre Königin befreien, und hilflos an ein Wagenrad gefesselt soll Antiope der Entscheidungsschlacht zwischen ihrem Volk und den Griechen zusehen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „This story happended (if it ever did happen) nearly three thousand years ago.
    It proves (if it proves anything) that it doesn’t pay to play around with women.
    So...
    Once upon a time...”

     

    Ich liebe diesen Film. Warum? Alena Johnston, Sabine Sun, Rosanna Yanni, Malisa Longo, Helga Liné, Luciana Paluzzi, Rita Calderoni, Genie Woods, das ganze Paket. Damit sollte auch die berechtigte Anwesenheit dieses Films auf italo-cinema.de geklärt sein. Einige der Nebendarstellerinnen waren später auch in Alfonso Brescias Nachziehern “Die Frauen, die man Töterinnen nannte” und “Supermänner gegen Amazonen” wieder mit dabei, etwa Malisa Longo, Nadia Russeau und Genie Woods. Der Unterschied zwischen einer professionellen Produktion wie Terence Youngs „The Amazons“ und einem Brescia-Film wird aber schnell offensichtlich, keine der Frauen hier wirkt in den Action-Szenen irgendwie ungelenk oder unbeholfen und müssen auch nicht von irgendwelchen männlichen Stuntmen im Röckchen gedoubelt werden. Falls doch, merkt es der Zuschauer jedenfalls nicht.

     

    Stichwort Terence Young. Da bitte ich doch an dieser Stelle mal die Bond-Fans um Mithilfe, die vielleicht das eine oder andere Buch über Terence Young gelesen haben, denn dieser Film hier erscheint mir doch ein klein wenig verdächtig. Im Grunde besteht er aus zwei recht gegensätzlichen Partien. Da gibt es einmal die Studioszenen, gedreht in Rom, Handlung, Nacktringkämpfe, schräger Humor, und das sieht mir auch sehr nach Terence Young aus. Kopfschmerzen bereiten mir die zahlreichen Außenaufnahmen und größeren Szenen in Almeria. Hunderte von Filmen wurden in Almeria gedreht, aber da ist etwas an der Art der Szenenwahl, wie die Locations fotografiert wurden, wo die Kamera positioniert wurde, wie die Kämpfe gefilmt wurden, wo ich immer dachte, jetzt kommt gleich Tony Anthony. Ich musste ununterbrochen an Ferdinando Baldis „Blindman, der Vollstrecker“, „Time Breaker“ oder „Alles fliegt Dir um die Ohren“ denken. Auch dieser ganze historische Mischmasch trug dazu bei. Baldis Name ist natürlich reine Spekulation von mir, es gibt nichts, was das Ganze irgendwie erhärtet, vermute aber zumindest schon, dass die Szenen in Almeria nicht von Terence Young stammen. Vielleicht weiß da ein anderer mehr.

     

    Das heißt, es gibt einen Hinweis. Die englischsprachige Fassung, die Roger Dwyre als Verantwortlichen angibt (der schon den Schnitt für Terence Youngs „Spion zwischen zwei Fronten“ machte), ist eine Nachbearbeitung einer anderen Fassung. Dass Terence Young diesen Film überhaupt gedreht hat, ist unzweifelhaft durch die Tatsache, dass bei allen grauenhaft ins Englische gedubbten Darsteller Luciana Paluzzi – die ja schon 1965 in Terence Youngs „Feuerball“ dabei war – in sehr italienisch akzentuiertem Englisch ihre Originalstimme verwenden durfte. Hinweis No. 2 ist die Anwesenheit von Sabine Sun, die bereits kleinere Rollen in Youngs „Kalter Schweiß“ (1970) und „Die Valachi-Papiere“ (1972) hatte.

     

    Thema Nacktringkampf, ein besonders schönes Thema. Alena Johnston – die wirklich den Körper einer blonden Göttin hat – im Oben-Ohne-Duell mit Sabine Sun, zuvor werden beide mit „heiligem Öl“ eingerieben. Eine schöne Idee, ob heilig oder nicht. Der Untergrund – Schlamm natürlich. Doch das lässt sich noch steigern. Später im Film, in Antiopes nächtlichen Gemächern, stehen sich die Zwei verfeindet mit Speer und Schwert gegenüber, doch wer möchte schon, dass so schönes Blut fließt. Also runter mit den Klamotten, diesmal komplett. Ein zweiter Ringkampf, diesmal nur eine von ihnen eingeölt aber beide irgendwie auch geil vom Kämpfen, so dass das Ringen diesmal in einer lesbischen Liebesnacht endet. Hier gibt es noch später eine andere Szene, in der Sabine Sun Alena Johnston auf den Mund küsst, und man sieht, dass beide dabei grinsen müssen. Warum? Diese zwei Darstellerinnen sollen sich am Set alles andere als grün gewesen sein, und deshalb ist dies ein schöner Moment des Films. Sozusagen eine grinsende Selbstkritik der zwei Frauen, ein leicht ironischer Waffenstillstand. Aber wer weiß, womöglich hat die Eine beim Küssen gedacht, „Du blöde Kuh“, die andere „selber Miststück.“

     

    Ironisch ist auch so mancher Dialog im Film, denn trotz durchaus vorhandener Ernsthaftigkeit geht man es meist eher locker an. Das Paarungstreffen zwischen Amazonen und Griechen etwa bietet eine Fülle von komischen Dialogen und Momenten. Ein weiteres Beispiel ist eine Amazone, die auf Männer im wahrsten Sinne des Wortes allergisch reagiert, die Nase beginnt ihr zu laufen, sie muss niesen, die Augen tränen ihr, und so ist sie bestens geeignet für den Wachtdienst im Amazonenlager. Denn ist ein Mann in der Nähe, beginnt sie sofort zu niesen. Fausto Tozzi wiederum darf für einen Griechen-Witz herhalten, wenn er nämlich als Heerführer seinen jungen Bediensteten an die Wange fasst, ihm in die Augen schaut und sinngemäß so etwas sagt wie, „Du. In meinen Gemächern. Heute Nacht.“ Ja, die alten Griechen.

     

    Die Filmmusik von „The Amazons“ stammt von Riz Ortolani, als Kameramann ist in der englischsprachigen Fassung Aldo Tonti genannt, in der spanischen zusätzlich Alejandro Ulloa. Womit wir bei den Fassungen angelangt wären. Die längste bekannte Fassung ist die Englische, hier fehlt jedoch am Anfang eine Enthauptungsszene, der abgeschlagene Kopf dazu taucht unmittelbar darauf vor dem Amazonenturnier auf. Die Enthauptungsszene selbst findet sich nur in der spanischen Fassung, der dafür sämtliche Nacktszenen fehlen. Im französischen TV lief noch eine dritte Schnittfassung, wo zusätzlich zu der Enthauptungsszene weitere Handlungsschnitte vorgenommen wurden. Und wie bereits oben geschrieben, scheint die englischsprachige Fassung eine Nachbearbeitung von...?

     

    Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist natürlich, dass dieses schöne Werk des europäischen Historienfilms nie in Deutschland zu sehen war. Dass die bisherigen Veröffentlichungen oder TV-Ausstrahlungen im Ausland weder in Bildqualität oder Fassung noch im Ton oder Dubbing optimal waren, schreit nach einer anständigen Auswertung, vorzugsweise mit einer neuen anständigen Synchro. Ich meine, hey, das ist nicht irgendwas, das ist ein Film von Terence Young. Sogar der kacklangweilige „Mayerling“ wurde hierzulande veröffentlicht, da wird doch hoffentlich einer ein Herz für eine Horde halbnackter Amazonen beim kulturellen Geschlechter-Ringkampf haben.

     

    "So, Antiope and Theseus went off to live happily ever after... ...and if you believe that you’ll believe anything.”

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

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    Kommentare (1)

    • Ralf Last

      Ralf Last

      18 November 2016 um 19:35 |
      Mag diesen Film auh
      Hab alle Fassungen davon und auch verglichen

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