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Agents Secrets - Im Fadenkreuz des Todes

Frankreich | Italien | Spanien, 2004

  • Originaltitel: Agents secrets
  • Alternativtitel:

    Agentes secretos (ESP)

    Spy bound - Agenten im Schatten

    Secret Agents

    Spy Bound

  • Regisseur: Frédéric Schoendoerffer
  • Kamera: Jean-Pierre Sauvaire
  • Musik: Bruno Coulais
  • Drehbuch: Yann Brion, Jean Cosmos, Olivier Douyère, Frédéric Schoendoerffer, Ludovic Schoendoerffer
  • Inhalt:

    Georges und Lisa sind Agenten des französischen Geheimdienstes. Ihr Auftrag lautet, in Marokko am Schiff eines Waffenhändlers Minen anzubringen und dieses in die Luft zu sprengen. Der Auftrag verläuft relativ glatt, aber einige Mitglieder des Teams haben noch andere, geheimere, Aufträge, und so wird Lisa auf der Rückreise nach Frankreich wegen Rauschgiftbesitzes urplötzlich verhaftet. Als Georges auf eigene Faust versucht herauszubekommen warum Lisa im Gefängnis ist, stellt er fest, dass ein Mitglied seines Teams eiskalt ermordet wurde. Sein Chef nicht erreichbar ist. Und er selber offensichtlich zum Abschuss freigegeben wurde …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Das wäre James Bond nicht passiert, dass er am Zoll wegen Drogenschmuggel verhaftet wird. Der britische Supermann hätte den Braten bereits vorher gerochen und wäre aufwendig geflüchtet. Nicht so hier! Statt eines smarten Womanizers mit Umleglizenz gibt es in AGENTS SECRETS emotionslose Auftrag-Ausführ-Maschinen die um Himmels willen niemals einen Befehl hinterfragen sollen. Und anstatt Nonstop-Geballer mit coolen Typen, Riesenwummen und tollen Sprüchen bekommt man einen unterkühlten und traurig wirkenden Einblick in den Alltag eines Geheimagenten. Schon der Beginn des Filmes zeigt wie einsam und schnell ein Agent stirbt, und wie wenig das irgendjemanden interessiert. Im weiteren Verlauf, wenn gelegentliche rudimentäre Einblicke in so etwas wie ein „Privatleben“ eines Agenten gezeigt werden, dann sieht das schon ziemlich nach Ausgeschlossenheit und Tristesse aus. Die einzigen Freunde und Bekannten sind andere Agenten, und ein Treffen mit einem Kollegen ist immer konspirativ. Letzten Endes handelt der Film von Menschen, die sich selbst für etwas Besonderes halten, und erkennen müssen dass sie den Status von Schlachtvieh haben. Und auch genauso behandelt werden …

     

    Die daraus entstehende Grundstimmung, ein Mittelding aus Melancholie, Isolation und verstreichender Zeit, diese Grundstimmung beherrscht den Film. Zwar gibt es ein paar Actionszenen die dann entsprechend Akzente setzen, aber die meiste Zeit über passiert nicht ganz so viel. Man trifft sich, man redet, man geht wieder auseinander. Gefühle sind von höchster Stelle aus untersagt, und wer Emotionen zulässt wird zurechtgewiesen oder muss sterben. Ein Schachspiel gegen einen unbekannten Gegner mit überragender Intelligenz, und die Agenten wissen nie ob ihr Gegner ein Waffenhändler, ein Killer oder der eigene Chef ist. Dabei wird eine durchgehende Grundspannung gehalten, welche das Interesse an der eigentlich recht einfachen Geschichte nie erlahmen lässt.

     

    Zwar hat besagte Geschichte im Lauf des Films einige Züge in Richtung Räuberpistole, aber schlussendlich handelt es sich hier ja auch um einen Thriller, nicht um ein Drama. Der Schlusstwist ist lange vorher zu ahnen und wirft den Zuschauer nicht um, aber das offene Ende hilft sich mit seinem eigenen unaufregenden Leben schnellstens zu versöhnen. Im Gegensatz zu den Charakteren bekommt der Zuschauer heraus inwieweit George und Lisa hintergangen worden sind, und die Hilflosigkeit und Bitterkeit können unter Einsatz monochromer Farbfilter in adäquate Bilder umgesetzt werden. Gleichzeitig kann der Zuschauer mit den Agenten mitfühlen, kann dank des großen Könnens Vincent Cassels, die vorherrschende Frustration nachempfinden. Monica Bellucci als ausgenutzte und verratene Agentin überzeugt von der Anlage her noch mehr, ihr Figur ist tragisch, und auch hier wird der Zuschauer berührt und kann mitfühlen. Insgesamt heißt das dann, dass das etwas standardmäßige Drehbuch es zwar durchaus schafft zu fesseln, aber die Schauspieler reißen es hier absolut raus. Dank Cassel und Bellucci bekommt der Film die Kurve und wird zu einem überzeugenden Crossover zwischen realistisch inszeniertem Thriller und Drama.

     

    Nebendarsteller wie André Dussolier oder Bruno Todeschini tun ein Übriges um Realität und Tristesse darzustellen und den Film aus der Masse herauszuheben. Kalte Bürokraten, die ihre Angestellten mit einem Augenzwinkern verraten um eigene Geschäfte durchzuziehen, und das alles unter dem Oberbegriff der Vaterlandsliebe. Vertrauen kann man nur den eigenen Kollegen, aber wenn diese anderslautende Befehle bekommen hat man trotzdem die Arschkarte. Genreveteran Simon Andreu, den der geneigte Fan aus Klassikern wie WOODOO – INFERNO DES GRAUENS, DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE oder VIER TEUFELSKERLE kennt, darf den schmierigen Anwalt geben, der Lisa im Gefängnis zu Leibe rückt. Alt ist er geworden, der Herr Andreu, aber es ist immer noch eine Freude ihm zuzusehen, und er wirkt immer noch genauso boshaft wie damals in FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT.

     

    Nicht ganz so viel Freude machen die Effekte. AGENTS SECRETS war der zweite Film von Frédéric Schoendoerffer, und da stand sichtlich noch nicht so viel Geld zur Verfügung wie etwa in seinem extrem spannendem SWITCH – EIN MÖDERISCHER TAUSCH von 2011. Was bedeutet, dass manche vermeintliche Außenaufnahme mit CGI-Hintergründen erstellt wurde, und einer der Höhepunkte, der Crash auf der Autobahn, auch eher die Optik eines etwas älteren Computerspiels hat. Damit muss man leben, billige Filme sind halt nicht teurer. Aber die Effekte sind hier ja schließlich auch nicht die Hauptsache, sondern vielmehr diese desolate und bedrückende Stimmung. Und ganz ehrlich, wuchtig kommt der Crash schon rüber. Und der Kampf in der Bar erst …

     

    In diesem Zusammenhang sehr zu empfehlen ist der Film SECRET DEFENSE von Philippe Haim, der ein perfektes Double Feature mit AGENTS SECRETS abgibt. In SECRET DEFENSE wird sehr nüchtern gezeigt, wie Agenten rekrutiert und ausgebildet werden, wie sie ausgenutzt werden, und wie ihre Vorgesetzten ticken, von der Darstellung somit ähnlich wie AGENTS SECRETS. Wer also auf (weitgehend) realistische, moderne Agentenfilme steht, ohne Supermänner, ohne weltweite Verschwörungen und (fast) ohne explodierende Autos, der darf bei beiden Filmen bedenkenlos zulangen. Allerdings sind diese Filme nicht für Menschen gedacht die TRIPLE X mögen!!!

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    AGENTS SECRETS ist als schlichte DVD erschienen bei Constantin und bietet neben einem leicht pixeligem wirkendem Bild und einer vernünftigen Synchro vor allem ein interessantes 26-minütiges Making-of mit vielen Informationen seitens des Regisseurs. Für alle, denen der grassierende Mediabook-Wahn auf die Eier geht, eine wahre Wohltat …

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