Agentenfalle Lissabon

Frankreich | Italien | Portugal | Spanien, 1965

  • Originaltitel: Misión Lisboa
  • Alternativtitel:

    Matem Sem Piedade os Espiões Sanguinários (BRA)

    077 intrigue à Lisbonne (FRA)

    Espionage in Lisbon (GBR)

    Da 077: intrigo a Lisbona (ITA)

    Espionaje en Lisboa (MEX)

    077 Missão em Lisboa (POR)

    Drei Gräber für Agent 077

    Drei Gräber für Agent Farrell

    Mission Lisbon

  • Deutsche Erstaufführung: 06. Mai 1966
  • Regisseur: Federico Aicardi, Tulio Demicheli
  • Kamera: Angelo Lotti
  • Musik: Jesús Franco, Daniel White
  • Drehbuch: José Luis Bayonas, Juan Cobos, Tulio Demicheli, Jesús Franco, Monica Venturini
  • Inhalt:

    George Farrell aka Agent 077 (Brett Halsey) wird nach Lissabon geschickt, um einen verschwundenen Professor zu suchen, der das Versteck seiner Geheimformel X (Abwehr von destruktiven elektronischen Wellen, über die der Feind bereits verfügt) in Form einer Melodie in zwei Notenbüchern codiert hat. Zuvor hat man bereits die Agentin Moira (Irán Eory) auf den Fall angesetzt. Doch ein feindlicher Agent (Fernando Rey) kann ihr durch Hypnose den Aufenthaltsort des Professors entlocken, und an Moiras Stelle schickt er seine Komplizin Olga (Jeanne Valérie), um den ersten Teil der codierten Nachricht an sich zu bringen, doch es läuft nicht wie geplant und sowohl Moira als auch der Professor werden getötet.

     

    Als Verstärkung für Agent 077 schickt man nun noch die Sängerin Terry Brown (Marilú Tolo) nach Lissabon, sie soll den zweiten Teil der Nachricht finden und mithilfe ihres musikalischen Talents entschlüsseln. Agent 077 agiert nun als ihr Beschützer, auch wenn die Sängerin nicht weiß, dass er für dieselbe Seite arbeitet. So reagiert sie auch recht genervt auf das hartnäckige Anbändeln ihres Kollegen.

     

    Und dann wäre da noch der geheimnisvolle Drahtzieher Losky (Alfredo Mayo), der mithilfe eines Koffers mit integriertem Bildschirm alle Beteiligten (und ein paar unbeteiligte Damen unter der Dusche) beobachten kann.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Kein Mensch kann das verstehen, keiner fühlt das so wie ich. Immer wenn ich ein paar Martinis getrunken habe, wünsche ich mir, dass ich eine Nixe wäre. Ich bin so traurig, dass ich keinen Schwanz habe.“
    (Badewannen-Dialog aus „Agentenfalle Lissabon“)

     

    1965 verkaufte Jesús Franco sein Drehbuch zu „Death whistles the Blues“ an Hesperia Films, die mit dem Argentinier Tulio Demicheli als Regisseur und Italien als Co-Produzent ein Farb-Remake des Ganzen drehen wollten. Allerdings waren die Italiener gerade mitten im Eurospy-Boom, und so blieb von Francos Originaldrehbuch kaum etwas übrig. Lediglich die Figur der Moira (der aber kaum mehr als ein paar Minuten Screentime vor ihrem Ableben vergönnt sind) ist noch vorhanden, außerdem das Motiv, dass eine Melodie eine wichtige (aber völlig andere) Rolle spielt. Tatsächlich hat man den Charakter der Moira teils auf die Rolle von Marilù Tolo umverteilt. Die Bezeichnung „Agent 077“ taucht wiederum nur in der französischen Tonfassung von „Death whistles the Blues“ auf, aber schwupps, hier bei Demicheli ist sie plötzlich wieder, obwohl sie anscheinend nicht zu Francos Originaldrehbuch gehörte. Egal.

     

    Die Handlung von „Agentenfalle Lissabon“ ist insbesondere zu Anfang chaotisch verwirrend, zusätzlich tragen ein paar inhaltliche Patzer in der deutschen Synchro zur Verwirrung bei. Ebenso gibt es anfangs einige Szenarien, die aus frühen James Bond-Filmen abgekupfert sind. Überhaupt wirkt der Film in der zweiten Hälfte sorgfältiger inszeniert. Dort bekommen wir auch erst ein paar schöne Lissabon-Locations gezeigt, was ich in der ersten Hälfte schon vermisst hatte. Bestes Beispiel ist hierfür die überaus gelungene Schlussszene, in der man sich in der Ruine des Convento do Carmo zunächst – von einem Volkslied untermalt – auf die Suche nach der Formel begibt, bevor ein Angriff der feindlichen Agenten erfolgt.

     

    Schön fotografiert und stimmungsvoll beleuchtet sind ein paar Szenen, die eher im Dunkeln gehalten sind, so zum Beispiel bei der Beseitigung der Leiche des Agenten-Ehemanns von Marilù Tolo. Hier kommt es – wie überhaupt während des gesamten Films – sowohl zu gewollter als auch unfreiwilliger Komik. Fernando Rey hat beispielsweise seine Funkverbindung im Unterleib einer Schaufensterpuppe eingebaut, und so kommuniziert er mit seinem Auftraggeber, indem er nach vorne gebeugt in die Vagina der Puppe spricht. Brett Halsey benutzt anstelle einer Abhör-Wanze eine ferngesteuerte Abhör-Fliege. Moira entkommt fast Fernando Rey, weil dieser, nachdem er sie hypnotisiert hat, erst mal ihren Kühlschrank plündert.

     

    Eine besondere Stimmung wird „Agentenfalle Lissabon“ durch die Musik verliehen, weitgehend softer Big-Band-Jazz aus der Feder von Daniel White, unterstützt von Jesús Franco am Farfisa. Man bekommt zahlreiche Stücke von Daniel White zu hören, ein offizieller Soundtrack ist bei Discogs aber nicht gelistet. Schade eigentlich, das Teil hätte ich wirklich gerne.

     

    Erwähnenswert sind noch drei Gastauftritte: als Brett Halsey und Marilù Tolo im Hotel die Leiche beseitigen, findet Halsey zunächst eine angetrunkene Barbara Nelli („Scarletto – Schloss des Blutes“) in der Badewanne des Nachbarzimmers sitzend. Anschließend stolpert noch ein ebenso betrunkener George Nader (Jerry Cotton) ins Zimmer. Und die junge Dame, die der geheimnisvolle Losky mithilfe seines Bildschirm-Koffers beim Duschen beobachtet, ist anscheinend Erika Blanc.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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