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Agent 3S3 setzt alles auf eine Karte

Italien, 1967

  • Originaltitel: Omicidio per Appuntamento
  • Alternativtitel:

    Rendez-vous met de dood (NLD)

    Date for a Murder (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 23. Juni 1967
  • Regisseur: Mino Guerrini
  • Kamera: Franco Delli Colli
  • Musik: Ivan Vandor
  • Drehbuch: Fernando Di Leo, Mino Guerrini
  • Inhalt:

    Der amerikanische Agent 3S3, unter bürgerlichen Namen auch als Vince Dreyser (George Ardisson) bekannt, reist nach Italien um ein bisschen auszuspannen. Aus dem Kurzurlaub wird allerdings nichts, denn sein alter Kumpel Walter Dempsey (Hans von Borsody), welcher Vince auf seine bevorstehende Hochzeit eingeladen hat, verschwindet spurlos. Bei seinen Nachforschungen um den verschollenen Freund, der zudem auch noch ein anerkannter Biochemiker ist, entgeht Dreyser nur knapp einem Mordananschlag und sieht sich genötigt, die fiesen Buben in Notwehr ausknippsen, was zudem auch noch den misstrauischen Kommissar Silvio (Günther Stoll) auf den Plan wirft, welcher nicht sonderlich viel von Dreyser's Methoden hält. Allerdings müssen sich die Beiden wohl oder übel zusammenraufen, denn ein Millionendeal durch den geplanten Verkauf wertvoller chemischer Formeln in Richtung Osten steht vor der Tür und muss unbedingt verhindert werden...

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    Der erst kürzlich verstorbene George Ardisson mimt hier zum dritten Mal den draufgängerischen Agent 3S3, nachdem dieser schon kein Erbarmen kannte (1965) und kurz darauf noch mit Moskau pokerte (1966), setzt er nun alles auf eine Karte. Klingt nach viel Action & Spannung? Leider Fehlanzeige! Zumindest teilweise, denn Mino Guerrini, welcher zuvor schon den feinen Thriller "Das dritte Auge" mit Franco Nero oder die zwei lässigen Spionagekrimis "Man stirbt nur einmal" und "Das Geheimnis der tödlichen Strahlen" inszenierte, wollte beim dritten 3S3-Abenteuer einfach zuviel, denn so richtig kann sich sein Film nämlich nicht entscheiden, was er denn gerne sein möchte. Was als herkömmlicher Eurospy'er beginnt, nimmt mit vorangeschrittener Laufzeit dann derart gialloeske Züge an und versucht schliesslich gegen Ende nochmal die Action-Keule zu schwingen, allerdings werden alle drei unterschiedlichen Genre-Archetypen äußerst unbefriedigend abgewürgt, wobei dann auch der Schlussakt nicht mehr zu verblüffen vermag.

     

    Das man hier auf der immer noch anhaltenden Spionage-Welle mitreitet, welche sich im Fahrwasser der erfolgreichen James Bond-Filme erfolgreich in Europa durchsetzen konnte, dürfte nicht verwundern und ist auch keinesfalls verwerflich, denn auch dieser Filmzweig brachte so einige Kracher ans Licht des Tages, allerdings war Durchschnittsware ebenfalls nicht selten. Sicher tauchen hier einige bekannte Namen auf, wie z.B. Fernando Di Leo, welcher hier am Drehbuch mitmischte und dem man sicher auch ein bisschen die verschiedenen Genre-Ausflüge verdanken darf. Günther Stoll und Hans von Borsody sind ebenfalls keine unbekannten Gesichter und können den Film mit ihrer Präsenz etwas heben, während Franco Delli Colli die Kamera schwenkt und eine routinierte Leistung abruft. Auch Hauptdarsteller George Ardisson macht eigentlich keine allzu schlechte Figur, nur gelingt es Guerrini nicht ganz, ihn erfolgreich beim Zuschauer zu positionieren und so plättschert sein Auftreten leider etwas dahin. Die Rollen der Ladies wurden Halina Zalewska und Bettina Busch zugeschrieben, welche ebenfalls nicht erinnerungswürdig ins Bild gerückt wurden und deren nicht existente Präsenz in diesem Film wohl nachher wieder schnell vergessen sein dürfte. Ganz kurz gibt es sogar Luciano Rossi zu sehen, immer ein Garant für erstklassig fiese Lumpen, aber seine Screentime ist hier leider zu winzig, um sein vorhandenes Potential abrufen zu können.

     

    Auch wenn die vorangegangen Zeilen negativ klingen mögen, so ist zumindest nicht alles für die Katz' gewesen, denn Spannungsmomente gibt es dennoch zu bestaunen, wie etwa eine fein gefilmte Verfolgungsjagd über den Dächern Roms. Was den Handlungsablauf allerdings wieder etwas ausbremst, sind Agent 3S3's Szenen mit Halina Zalewska's Charakter Fidelia, ein neureiches Dummchen, welches von Dreyser beschützt werden soll, während dieser lieber Pistolenkugeln ausweichen möchte (übrigens seine bevorzugte Art von Frühsport), anstatt brav den Bodyguard zu spielen. Hier sollte sich wohl eine romantische Komponente ergeben, aber da beide Charaktere zu konträr sind, springt auch da der Funke nicht über.

     

    Alles in allem ein arg durchschnittlicher Vertreter des europäischen Spionagefilms, dem es leider gewaltig an Pepp mangelt. Außerdem tut er sich zu sehr in seinen verschiedenen Genre-Zweigen verzetteln und steht somit Handlung und Figurenaufbau massiv im Weg, obwohl die Idee der Vermischung der verschiedenen Filmkategorien sicherlich interessant erscheint. Das Mino Guerrini es dennoch nicht verlernte, genussvolle Thrillerkost zu servieren, zeigt sein darauffolgender Film "Gangster sterben zweimal", welcher unbestritten mit einem höheren Qualitätskaliber auftrumpfen konnte.

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    That’s it! Das ist das ultimative Agenten-Filmerlebnis. Deutsches Autorenkino meets französische Nouvelle Vague meets italienisches Genrekino in Form eines James Bond-Verschnitts. Oder: Immer wenn man denkt man hat alles gesehen ... ESCALATION, DREI PISTOLEN GEGEN CESARE, CRISTIANA MONACA INDEMONIATA … - Die etwaige Stossrichtung ist klar. Dazu eine absolut entfesselte Kamera, die in ihren wildesten Momenten auch mal durch einen Papierkorb filmt oder sich in halluzinogenen Farbräuschen ergeht. Die Handlung ist ruckartig und oft nur mühsam zusammenhängend, wie in den besten Momenten der Oberhausener Rebellen-Filmer. Will sagen, Handlung ist ja durchaus vorhanden, aber die Szenen sind halt nicht immer zwingend voneinander abhängig. Die Story schlägt Volten wie ein bekiffter Hase, und die gelungene Musik von Ivan Vandor (TÖTE, DJANGO) gibt sich oft Mühe überhaupt nicht zur Szene zu passen, was dem ganzen einen fast durchgehenden Touch von Surrealismus verleiht. Und dann hat irgendein gütiger Gott Franco Fraticelli an den Schnitt gesetzt, was nachgerade zu Rauschzuständen führt. Oder wie nennt man das, wenn der Sturz Luciano Rossis von einem Dach mit einem Schnitt auf eine aufplatzende Wassermelone beendet wird?

     

    Die deutsche Fassung ist um 13 Minuten gekürzt, was dem Film ein haarsträubendes Tempo verleiht. Keine Atempause, Geschichte wird durch den Wolf gedreht … Der Film treibt unaufhörlich voran und gibt dem Zuschauer keine Sekunde Zeit, diesen Mix aus Ungeheuerlichkeit und Wahnsinn zu überdenken, was wahrscheinlich auch ganz gut so ist. Wenn ich dem Kollegen Tobias Reitmann folge, der wahrscheinlich die italienische Version gesehen hat (denn in der deutschen Fassung sind auch einige Namen anderes als in seiner Besprechung), dann ist diese deutsche Version auf jeden Fall die bessere weil abgedrehtere welche. Irrwitziger. Schneller. Unglaublicher. Die späten 60er Jahre mit ihren filmischen Extravaganzen sind hier auf jeden Fall schon ganz deutlich zu spüren! Wer Filme wie die oben genannten mag sollte sich auch OMICIDIO ins Regal stellen …

  • Autor: Maulwurf
  • Links

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