Die Abenteuer des Herkules

Italien | Niederlande pl. | Vereinigte Staaten, 1985

  • Originaltitel: Le avventure dell'incredibile Ercole
  • Alternativtitel:

    As Aventuras de Hércules (BRA)

    La furia del coloso (ESP)

    Les aventures d'Hercule (FRA)

    Die Abenteuer des Herkules, 2. Teil

    Hercules II

    The Adventures of Hercules

  • Regisseur: Luigi Cozzi
  • Kamera: Alberto Spagnoli
  • Musik: Pino Donaggio
  • Drehbuch: Luigi Cozzi
  • Inhalt:

    Um Zwietracht und Chaos auf der Erde zu säen, stehlen einige intrigante Götter Zeus‘ sieben Donnerkeile. Auf dem Höhepunkt dieses Chaos rast der Mond auf die Erde zu. Zeus reaktiviert seinen Helden Herkules (Lou Ferrigno), um seine Donnerkeile – Blitze – für ihn wiederzubeschaffen. Dabei erhält Herkules Unterstützung von den Jungfrauen Urania (Milly Carlucci) und Glaucia (Sonia Viviani), die sich von ihm Rettung vor ihrer Opferung für ein Feuermonster erhoffen. Um Herkules aufzuhalten, erwecken die rebellierenden Götter Minos (William Berger) wieder von den Toten, doch der hat noch viel größere Pläne – er will die Götter vernichten.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Die Entstehung von „Die Abenteuer des Herkules, 2. Teil“ ist eine Fortsetzung der Geschichte um das Chaos von Matteis „Die sieben glorreichen Gladiatoren“-Flops. Nachdem Golan/Globus Luigi Cozzi die Regie für den ursprünglich für Mattei geplanten „Herkules“ (1983) anvertraut hatten und der ein gewaltiger finanzieller Erfolg wurde, bat man Cozzi, „Die sieben glorreichen Gladiatoren“ zu retten. Hierfür sollte er ca. 20 bis 30 Minuten von Matteis Film entfernen und mit Ferrigno neu drehen. Ferrigno – der eine hohe Wochengage mit Golan/Globus für sich ausgehandelt hatte – handelte man wieder herunter, indem man ihm sagte, der Film würde in seiner jetzigen Form seine Karriere zerstören. Mit seiner Beteiligung an Nachdrehs könne man ihn retten aber eben für eine deutlich geringere Gage.

     

    Ferrigno willigte ein, und Cozzi schrieb das Drehbuch des Gladiatoren-Desasters um und drehte ca. 40 Minuten neues Material. Doch dann hatten Golan/Globus eine neue Idee. Man könne diese nachgedrehten Szenen doch für eine Herkules-Fortsetzung verwenden! Vor allem, da Ferrigno ja nun für weniger Geld arbeitete. Noch ein neues Drehbuch musste her und Cozzi bastelte um die neuen Szenen eine Herkules-Handlung drumrum. Diesmal bin ich nicht nett, denn das Ergebnis ist abscheulich. Während der Dreharbeiten stieg dann noch Special Effect-Mann Armando Valcauda aus und man griff auf allerlei Improvisation zurück. Besonders nervig – wenn auch kompliziert und zeitaufwendig zu realisieren – sind die zahlreichen (überstrapazierten) Stroboskop-Effekte. Und da man wenig Zeit und Geld hatte, wurde dabei geklaut das die Schwarte kracht: Szenen aus „Gefahr aus dem Weltall“, „Mothra bedroht die Welt“ und sogar „King Kong und die weiße Frau“ wurden hier neu aufgearbeitet und am Zeichenbrett und mit Videokameras in Videospiel-artige Szenen umfunktioniert. Schlimmer noch: da Lou Ferrigno nicht wissen durfte, dass er hier für eine niedrige Gage einen völlig neuen Film drehte, stand er nur begrenzt zur Verfügung, und so findet das Finale ohne ihn statt. Stattdessen stroboskopiertes Material aus dem ersten „Herkules.“

     

    Geklaut wurde auch aus „Kampf der Titanen“, der Kampf zwischen Herkules und der Gorgone Euryale wurde – visuell armseliger – dem Kampf zwischen Perseus und Medusa in vorgenanntem Film nachempfunden. Und als Herkules die Königin der Amazonen tötet und sie sich nach ihrem dahinscheiden eigentlich in eine Spinne verwandeln sollte, transformiert sie stattdessen in etwas anderes, das verdächtig dem Modell ähnlich sieht, dass man bereits für Euryale verwendet hat. Zu den Darstellern aus „Herkules“ (1983) – die man weitgehend wiedergewinnen konnte – gesellen sich hier noch Serena Grandi als Euryale und Venantino Venantini als Feuerpriester mit grässlicher roter Langhaar-Perücke hinzu.

     

    Anders als sein Vorgänger war dieser zweite Teil auch deutlich weniger erfolgreich und erschien in Deutschland gar nur – in gekürzter Form – als Videopremiere. Golan/Globus produzierten nur noch zwei weitere Filme dieser Art in Italien. 1987 entstand „Die Barbaren“ unter der Regie von Ruggero Deodato, und 1989 erschein die eigentlich von Cozzi geplante Sindbad-Adaption „Sindbad – Herr der Sieben Meere“ unter der Regie von Enzo Castellari. Lou Ferrigno spielt in dieser mehr als grenzwertigen Sindbad-Katastrophe wieder die Titelrolle, wann der Film aber tatsächlich entstanden ist, ist mir nicht so ganz klar.

     

    Aber trotz aller Kritik, sieht man Luigi Cozzi anschließend auf der Koch Media Blu-ray im Interview kann man ihm einfach nicht böse sein. Denn da sitzt er, sympathisch, verschmitzt, durchaus kritikfähig und schafft es, einen mit seiner kindlichen Begeisterung für weitere seiner Filme zu interessieren.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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