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A.A.A. Masseuse, Good-Looking, Offers Her Services

Italien, 1972

  • Originaltitel: A.A.A. Massaggiatrice bella presenza offresi...
  • Alternativtitel:

    Caresses à domicile (FR)

  • Regisseur: Demofilo Fidani
  • Kamera: Aldo Giordani
  • Musik: Coriolano Gori
  • Drehbuch: Demofilo Fidani, Mila Vitelli Valenza
  • Inhalt:

    Christina Graziani hat von ihrem herrischen Vater Enrico die Schnauze voll und haut von zu Hause ab um ihr Leben auf eigene Beine zu stellen. Unterschlupf findet sie bei ihrer besten Freundin Paola, eine angehende Architektin, die in einer komfortablen Stadtwohnung lebt. Arbeitet findet Christina auch schnell und zwar als Masseuse, die ganz spezielle Massagen im Angebot hat. Doch plötzlich werden ihre Kunden einer nach dem anderen ermordet, immer kurz nach ihren Besuchen. Doch wer steckt dahinter: ihr eifersüchtiger Freund, ihr herrischer Vater, ihre besorgte Mutter, der geldgierige Zuhälter oder vielleicht doch Paolas Freund, der mächtig scharf auf Christina ist.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Nachdem sich die Erfolgsgeschichte des Italowestern Anfang der 1970’ern schön langsam dem Ende neigte, musste sich auch Western-Spezi Demofilo Fidani anderen Genres zuwenden. Fidani drehte in nur fünf Jahren sagenhafte 13 Western, von denen ich ...e vennero in quattro per uccidere Sartana! (…sie kamen zu viert um zu töten) für den qualitativ besten halte. Sein offizielles Regiedebüt feierte er 1968 mit dem wortkargen Straniero, fatti il segno della croce (Bekreuzige dich, Fremder), in dem sich Kopfgeldjäger Charles Southwood auf die Jagd nach einem fetten Kopfgeld macht. Seinen Westernabschied feierte er 1973 mit der unglaublich billigen aber durchaus unterhaltsamen Komödie Amico mio, frega tu... che frego io! (Colorado – Zwei Halunken im Goldrausch), in dem sich Ettore Manni und Paolo Rosani eine Goldmine unter den Nagel reißen wollen, sich dabei aber mit einem überaus fiesen Gordon Mitchell rumschlagen müssen. Im Jahre 1969 versuchte sich Fidani mit dem, mir leider unbekannten, Gangster-Film Sedia elettrica erstmals außerhalb des Western-Genres.

     

    Bei A.A.A. Massaggiatrice bella presenza offresi... handelt es sich nun um Demofilo Fidanis ersten und einzigen Giallo. Die Story ist denkbar simpel und absolut typisch für die Giallos jener Zeit. Ein hübsches junges Mädchen namens Christina haut von zu Hause ab um das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Um an Geld zu kommen tut sie sich mit dem Zuhälter Oskar zusammen und schafft von nun an für ihn an. Plötzlich aber fallen Christinas Freier einem mysteriösen Killer zum Opfer und Christina gerät ins Visier der Polizei. Wie man bereits von den Drehbüchern zu seinen Western her kennt hat sich Fidani bei seinen Geschichten nie wirklich viel einfallen lassen und sich dabei immer vollständig den Genrekonventionen untergeordnet. Dies gilt auch für seinen einzigen Giallo, der inhaltlich nicht viel Neues zu bieten hat, seine Geschichte aber recht gefällig präsentiert. Im Gegensatz zu seinen Westerngeschichten ist die Story von A.A.A. Massaggiatrice bella presenza offresi... aber einigermaßen nachvollziehbar. Fidani präsentiert uns auch Verdächtige wie Sand am Meer, wer der wahre Täter ist kann man sich aber recht schnell zusammenreimen.

     

    Die hübsche rothaarige Protagonistin Christina Graziani wird dargestellt von Paola Senatore, die hier ihren erst zweiten Leinwandauftritt absolvierte. Ihr Debüt feierte sie zwei Jahre zuvor in José Luis Merinos Robin Hood, l'invincibile arciere, in dem sie an der Seite von Carlos Quiney und Dan van Husen agierte. Senatore macht ihre Sache auch ganz vorzüglich und wer sich den Film wegen dem Namen Fidani nicht anschauen möchte, der sollte es allein schon wegen Paola Senatore tun. Denn die läuft die meiste Zeit über nackt durch den Film, und dass allein lohnt diesen Giallo schon. Als Christina von zu Hause ausreißt muss sie schleunigst an Geld kommen, was ihr bei ihrem Aussehen auch nicht außerordentlich schwer fällt. Sie tut sich mit dem Zuhälter Oskar zusammen, der ihr fortan reiche Freier beschafft und immerhin fifty-fifty macht. Oskar spielt der Muskelprotz Howard Ross, alias Renato Rossini, der sich mit Christina eine goldene Nase verdient. Christina muss sich mit ganz schön ausgefallenen Freiern rumschlagen. Großbürgerliche Spießer, die etwas seltsame und ausgefallene sexuelle Fantasien haben, ist ja ein Merkmal des Genres, welches Fidani hier genüsslich auswalzt. Während etwa Franco Ressel sie nur badet, er macht ihr unter anderem mit dem Badeschaum Engelsflügel auf den Rücken, will sie Carlo Gentili nur nackt laufen sehen (Lauf, aber langsam). Ressel sieht in seinem Outfit übrigens aus wie ein Sektenguru, sehr schön.

     

    Christinas beste Freundin spielt Fidanis Töchterlein Simonetta Vitelli, die aber leider, wie so oft, keine tragende Rolle bekommen hat. Da hätte sich ihr Vater ruhig mal eine bessere Rolle für sie ausdenken können, optisch macht sie ja durchaus einiges her. Christinas herrischen Vater Enrico Graziani mimt der Amerikaner Hunt Powers, der uns bereits mit einigen seiner Westernauftritte begeistert hat. Enrico kann und will es absolut nicht akzeptieren, dass seine Tochter von zu Hause abgehauen ist, schließlich hat er sein Leben lang hart gearbeitet, dass sie alles tun kann was sie möchte (Urlaub an der Côte d’Azur usw.). Er setzt nun alles daran seine Tochter wieder nach Hause zu holen. Giancarlo Prete ist noch kurz als einer der ersten Freier von Christina zu sehen, der ihr anbietet, ihr ein bisschen etwas beizubringen („Christina, between you and me, and don’t feel offended, but you weren’t that great“). Besonders witzig ist eine Szene mit Armando Bottin, der einen Bodybilder spielt, der am meisten in sich selbst verliebt ist. Der heuert Christina, die Masseuse mit speziellem Angebot, doch tatsächlich als Masseuse an, und zwar für seine alte Mutter. Bottin ist übrigens der legendäre Johnny Kissmüller Jr., der in Fidanis Dschungelabenteuer Karzan, il favoloso uomo della jungla den Titelhelden mimte. Enzo Pulcrano, den man aus einigen Trashwestern kennt, darf sich mit Ross noch in einem Billardsalon rumprügeln.

     

    Optisch kann A.A.A. Massaggiatrice bella presenza offresi... durchaus punkten. Fidani bietet uns zwar keine besonderen visuellen Extravaganzen, aber gemeinsam mit seinem Kameramann Giordani schafft er eine solide Inszenierung mit gut gemachten Morden. Der Vorspann ist auch mehr als gelungen, schafft es Fidani darin doch alle relevanten Personen einzuführen. Ein paar erzählerische Kniffe hat der gute Fido dann aber doch eingebaut, die durchaus ihren Reiz haben und tatsächlich auch funktionieren. So bricht manchmal eine Szene am Höhepunkt einfach ab und wird dann an einem späteren Zeitpunkt rückwirkend weitererzählt. Das fand ich zumindest recht gelungen. Die teilweise wunderbar schwungvolle Kamera schwang diesmal nicht wie so häufig bei Fidani Franco Villa, sondern Aldo Giordani. Der hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine lange Karriere als Kameramann hinter sich und arbeitete unter anderem öfters mit Enzo Barboni zusammen. Das Beste am Film ist der famose, jazzige Soundtrack von Lallo Gori, der auch die meisten Scores für Fidanis Western komponiert hat. Die CD hab ich mir schon vor einiger Zeit zugelegt und die lohnt sich ungemein. Leider ist dort das gute Lied nicht enthalten, welchen am Ende des Streifens gespielt wird.

     

    Demofilo Fidanis Giallo-Ausflug A.A.A. Massaggiatrice bella presenza offresi... ist ein grundsolider Giallo, der seine genretypische Story recht annehmbar erzählt und für ein paar gut inszenierte Morde sorgt und das Ganze mit einer Prise Humor würzt. Zudem werden dem Zuschauer viele der gängigen Giallo-Klischees geboten: ein schwarz gekleideter, mysteriöser Killer, ein scharfes Rasiermesser, eine bedrohte Frau, Unmengen von Verdächtigen und hübschen Mädels, spießige bürgerliche alte Säcke mit seltsamen sexuellen Neigungen usw. Neben der guten Besetzung muss man vor allem Lollo Goris wunderbaren, jazzigen Soundtrack hervorheben, dessen Anschaffung sich auf alle Fälle lohnt. Für Giallofans ist A.A.A. Massaggiatrice bella presenza offresi... mit Sicherheit äußerst empfehlenswert, denn der Film bietet dass was er kann, nämlich kurzweilige Unterhaltung auf solidem Niveau. Und wer hier einen Fidani-Trashfilm erwartet wird ziemlich enttäuscht werden, denn von Trash ist dieser Streifen doch einiges entfernt, wenn auch nicht ganz frei davon. Gott sei Dank. Ich für meinen Teil hab mich hier zumindest prächtig amüsiert.

  • Autor: nerofranco
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