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1931 - Es geschah in Amerika

Italien, 1972

  • Originaltitel: Piazza pulita
  • Alternativtitel:

    Duelo de gansters, 1931 (ARG)

    1931, New York Violenta (BRA)

    1931: Once Upon a Time in New York

    Pete, Pearl and the Pole

  • Regisseur: Luigi Vanzi
  • Kamera: Riccardo Pallottini
  • Musik: Louis Armstrong
  • Drehbuch: Tony Anthony, Norman Thaddeus Vane
  • Inhalt:

    Kurz vor dem Ende der Prohibition wird Pete di Benedetto von New York City nach Virginia gerufen um eine Leiche von Amerika nach Sizilien zu überführen. Eine Leiche, in die eine halbe Million Dollar eingenäht wurde. Eine halbe Million ist verdammt viel Geld, also setzt sich Pete mit dem örtlichen Mafiaboss Polese in Verbindung, und gemeinsam rauben die beiden das Geld. Natürlich wird Pete von Polese abgezockt und ohne das Geld auf die Straße gesetzt. Also entführt er Perla, die Frau von Polese, und versucht diesen so zur Herausgabe seines Anteils zu zwingen. Was Polese wiederum überhaupt nicht komisch findet und alles daran setzt Pete in die Finger zu bekommen. Ein junger gutaussehender Entführer, eine junge gutaussehende Entführte, ein alter skrupelloser Boss und eine halbe Million Dollar – das riecht nach verdammt viel bleihaltigem Ärger …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Dies ist ein Tony Anthony-Film. Das bedeutet, dass Tony Anthony das Drehbuch geschrieben hat, die Hauptrolle spielt und das ganze auch noch produziert hat. Das bedeutet aber auch, dass die Geschichte irgendwie bekannt vorkommt. Ein Fremder kommt in eine Stadt, klaut einem Schurken eine Menge Geld, wird von den Gangstern geschnappt und übelst zugerichtet, kann aber entkommen und macht schlussendlich die Blutwurst. Das war in EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN so, das war in WESTERN JACK ähnlich, und auch DER SCHRECKEN VON KUNG FU hat nicht wirklich eine andere Story. Diesmal wird die altbekannte Geschichte halt in einer neueren Zeit erzählt, und erst gegen Ende des Films hin sagt Tony Anthony ganz deutlich, dass er mit dieser Art Storyverlauf durch ist. Aber bis dahin gibt es halt nicht allzu viel Neues.

     

    Aber: Dies ist ja ein Tony Anthony-Film, und das bedeutet, dass 1931 auf jeden Fall viel Spaß macht. Früher hieß das Pferd halt Pussy, jetzt redet der Stranger mit seinem Auto („Wenn Du mich jetzt im Stich lässt pisse ich Dir in den Tank.“). Früher hatte er einen rosa Regenschirm, jetzt hat er ein Autoradio in Form eines Grammophons auf dem Beifahrersitz. Und wie weiland Clint Eastwood und natürlich auch der Anthony’sche Stranger selber immer an einem Zigarillo genuckelt haben, so hat Pete di Benedetto nun immer eine Zigarre im Mund, und kann die sogar genauso hin- und herrollen wie einen Zigarillo.

     

    Im Prinzip kann man 1931 also als Western sehen, so wie zum Beispiel auch Walter Hills LAST MAN STANDING ein Western war. Ein „moderner“ Western, in dem die Musspritzen erhebliche Mengen an Blei ausspucken können, in dem der Gewaltlevel allgemein relativ hoch ist, und wo auch mal nackte Titten gezeigt werden. Klingt das nach ansprechender Unterhaltung? Ist es auch! Dazu kommt die deutsche Synchro, die ein paar Mal richtig heftig zulangt („Bei uns in Neapel gibt es ein Sprichwort: Eine Frau, die nicht mal Kaffee kochen kann, ist auch zu dämlich zum Ficken.“), und abgesehen von den nicht immer passenden Stimmen ordentlich Laune macht („Schaffst Du Dir ’n Weib ins Haus, fliegt Dein Geld zum Fenster raus.“). Eine Menge bekannter Namen haben kurze und noch kürzere Gastauftritte, wobei vor allem Irene Papas als trauernde Witwe in Erinnerung bleibt, die mit ansehen muss wie man die Leiche ihres Mannes während der Trauerfeier rüde aufschneidet und auswaidet. Lionel Stander hat ausnahmsweise mal eine ernste Rolle, und Corrado Gaipa erlebt ein Begräbnis auf das er so sicher nicht gefasst war.

     

    Aber in erster Linie gehört der Film Adolfo Celi und Lucretia Love. Celi lässt hier (mal wieder) so richtig die fiese Sau raus, und hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als respektierter Herrscher („Der Boss hat 4 Eier!“) seines kleinen Reiches. Er ist gut zu seinen Männern, hart zu Geschäftsfreunden, und noch härter zu seiner Frau. Die Rolle des Polese ist Celi wie auf den Leib geschnitten und es ist eine wahre Freude ihm zuzusehen. Auch Lucretia Love überzeugt auf voller Linie als Gattin Perla, die in erster Linie nur dazu da ist Kaffee zu kochen und Ohrfeigen zu erhalten. Aber in der Frau steckt mehr, viel mehr, und als die Männer dies erkennen ist es bereits zu spät. Ich konnte mit der als Lucretia Law geborenen Texanerin bislang nie wirklich viel anfangen, aber hier hat sie mir erstmals voll und ganz zugesagt. Ihr Schauspiel ist fein und gefühlvoll und trägt sehr viel zum Film bei, und damit meine ich gar nicht mal die erotisch aufgeladene Fotosession mit dem nackten Entführungsopfer.

     

    Nicht so feines und gefühlvolles Schauspiel allerdings gibt es bei Tony Anthony zu sehen, denn der stößt hier deutlich an seine Grenzen. Dass er mit seinem Oberlippenbart ausschaut wie Marcello Mastroianni für ganz Arme, damit kann ich gut leben, aber vor allem im letzten Drittel des Films, wenn seine Physis mehr als angeknackst ist, überzeugt er als Racheengel überhaupt nicht mehr. Gerade in den Szenen mit Lucretia Love hat er dann aber auch rein gar nichts mehr zu melden, schauspielerisch gesehen. Stattdessen hat er immer diesen Schalk im Auge, als ob er dem Zuschauer zu verstehen geben möchte dass das alles gar nicht so ernst zu nehmen ist. Da schwingt ständig dieses Quentchen Humor mit, und das passt halt leider nicht, denn der Film ist trotz der launigen Synchro bitterernst. Da wird gefoltert und getötet auf Teufel komm raus, und der Gewaltpegel ist, bis auf die etwas mühsame Liebesgeschichte, fast durchgehend recht hoch. Was vor allem auch an den Beziehungen zwischen den Charakteren liegt, denn die sind durch die Bank eisig (und das betrifft auch die besagte Liebesgeschichte!). Polese steht zu seinen Männern, und das ist auch die einzige ehrliche Gefühlsregung im Film. Alle anderen Akteure haben ein Sozialleben wie Riffmuränen und lassen das auch gerne mal raus. Nur eben Tony Anthony, der so gerne den knallharten Macker gibt, der hat immer diesen unpassenden Schalk in den Augen …

     

    Trotzdem gilt dass dies ein Tony Anthony-Film ist, und damit ist der (ich erwähnte es bereits) Unterhaltungswert per Definition vorhanden. Was zum Beispiel die Jungs bei der Feier an Sprüchen raushauen ist vortrefflich („Ich hab gehört Du warst Meister im Mittelgewicht.“ „Sagen wir ich war eher Mittelklasse. Ich hab mich öfter aufs Kreuz gelegt als eine Nutte.“), und es gibt da ein paar sehr atmosphärische Höhepunkte die ich in meinen persönlichen Filmerinnerungen nicht mehr missen möchte, unter anderem die gestörte Trauerfeier und das Showdown unterm Weihnachtsbaum.

     

    Die Musik ist, wie bei Filmen die in den frühen 30er-Jahren spielen nicht unüblich, sehr Charleston-lastig. Das Titelstück wird von Louis Armstrong gegeben, aber angenehmerweise ist die Musik nicht so aufdringlich wie sonst so oft in Filmen mit Oldtimern und Maschinenpistolen im Al Capone-Stil. Die Kameraführung ist eher unauffällig mit einem leichten Stich ins Wacklige, und ganz allgemein wird hier nicht versucht mit besonderen Kamerapositionen oder Schnittideen zu punkten, sondern 1931 ist halt ganz einfach ein Schauspielerfilm mit dem Schwerpunkt Tony Anthony. Punkt. Aber spätestens wenn zum Schluss reiner Tisch gemacht wird (wie die Übersetzung des Originaltitels PIAZZA PULITA lautet), spätestens dann spielt der Streifen in der Liga guter und bleihaltiger Filme auf jeden Fall in der vorderen Hälfte mit. Und eine ungekürzte Version im richtigen Format und mit schönen Farben, da dürfte sich ohne weiteres noch mehr Freude einstellen. Der Streifen rockt vielleicht nicht so wie BLINDMAN, er ist ja auch wesentlich seriöser, aber das Niveau von Anthonys ersten drei Western wird auf jeden Fall gehalten.

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    In Deutschland wurde der Film bislang nur auf VHS ausgewertet, und zwar von der Firma VMP. Laut der OFDB ist diese Version an Gewalt geschnitten. Das deutsche Video läuft 86:47, die italienische DVD 87 Minuten, was zu zwei möglichen Schlüssen führt: Entweder sind nur Sekunden an Gewaltspitzen geschnitten (wobei die Folterszene definitiv gekürzt ist), oder die italienische Fassung ist ebenfalls cut. So oder so muss man mit der VHS-Version in gruseligem Vollbild und akzeptabler Video-Synchro leben. Böse Zungen könnten allerdings behaupten dass die deutsche Fassung auf jeden Fall cut ist, da durch das Vollbild so viele Bildinformationen verloren gehen, dass der Film im Original wahrscheinlich ganz anders aussieht …

  • Autor: Maulwurf
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